Brandschutz für Windenergieanlagen – Investitionssicherheit durch Zertifizierung

Abbildung: Structure of the certification of the fire protection system by DNV GL
Abbildung: Structure of the certification of the fire protection system by DNV GL
Abbildung: Structure of the certification of the fire protection system by DNV GL / Pressebild: DNV GL

In den letzten Jahren ist die durchschnittliche Nennleistung von Windenergieanlagen (WEA) und somit die durchschnittliche Investition in eine WEA stark gestiegen.

(WK-intern) – Auch aus diesem Grund gewinnt das Thema Brandschutz für Windenergieanlagen zunehmend an Bedeutung, da ein Brandschaden mit hohen Reparatur- und Ertragsausfallkosten – häufig aber auch mit einem Totalverlust der WEA – verbunden ist.

Infolgedessen bietet die Investition in ein zertifiziertes Brandschutzsystem auf Grund der Risikominimierung nicht zuletzt finanzielle Anreize, um auf die ebenfalls erhöhten Brandlasten und –entstehungsmöglichkeiten zu reagieren.

Darüber hinaus verursacht ein WEA-Brand einen gravierenden Imageschaden sowohl für den WEA-Hersteller als auch Betreiber. Außerdem sind die Versicherer davon betroffen, da sie gewöhnlich für diese Schäden aufkommen müssen und konsequenter Weise diese Kosten erfahrungsgemäß durch das Anheben der Versicherungsbeiträge decken.

Entsprechend des Abschnitts 1.5.6 der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, welche durch das Produktsicherheitsgesetz in deutsches Recht umgesetzt worden ist, muss eine Maschine „so konstruiert und gebaut sein, dass jedes Brand- und Überhitzungsrisiko vermieden wird“.

Wird eine Windenergieanlage z. B. an einem Standort aufgestellt, wo die oben genannte Maschinenrichtlinie verbindlich einzuhalten ist, hat der Inverkehrbringer bzw. Eigenhersteller die Verantwortung, dass mitunter u. a. auch die zuvor gelistete Anforderung der Maschinenrichtlinie erfüllt ist.

Der DNV GL bietet mit der neuen Service Specification DNVGL-SE-0077 „Certification of fire protection systems for wind turbines“ eine Möglichkeit für Hersteller von Windenergie- und ggf. Brandschutzanlagen an, um ein Brandschutzsystem erfolgreich zu zertifizieren.

Diese Zertifizierung kann dazu dienen, um eventuell entsprechende Auflagen von Genehmigungsbehörden oder Versicherern als erfüllt nachzuweisen.

Die neue Service Specification DNVGL-SE-0077 „Certification of fire protection systems for wind turbines“, bei dessen Erstellung auch namhafte Hersteller und Experten aus der Brandschutz- und Windindustrie beteiligt waren, ersetzt die GL Renewables Certification, Technical Note, Certification of Fire Protection Systems for Wind turbines, Revision: 3, Datum: 2013-07-31.

Die wesentliche Änderung, ein Brandschutzsystem zunächst allgemein für WEA zu zertifizieren, wird durch das in der folgenden Abbildung dargestellte neue Zertifizierungsschema verdeutlicht: siehe Bild.

Es wurde die vom Markt geforderte Möglichkeit geschaffen, der Zertifizierungsstelle ein Brandschutzsystem vorzustellen, das grundsätzlich für die Anwendung in WEA geeignet ist, ohne sich auf einen expliziten WEA-Hersteller bzw. –Typ festzulegen zu müssen.

In diesem Fall werden die Zertifizierungsschritte zur Bauteil-, System- und Errichteranerkennung (Component, System und Installer approval) durchgeführt und anschließend nach erfolgreicher Prüfung dem Hersteller der Brandschutzanlage das Statement of Compliance „Fire Protection System“ ausgestellt.

Bei der Zertifizierung durch den DNV GL wird besonders darauf Wert gelegt, dass nur beispielsweise durch die VdS Schadenverhütung GmbH zugelassene Bauteile in einem Brandschutzsystem verwendet werden, welches ausschließlich von entsprechenden anerkannten Errichterfirmen installiert werden darf. Diese Voraussetzungen stellen sicher, dass die verwendeten Bauteile und die Anforderungen an die Errichterfirmen von einer Zertifizierungsstelle der EFSG (European Fire and Security Group) erfolgreich geprüft worden sind und eine hohe Funktionssicherheit erreicht wird.

Mit dem Erhalt des Statement of Compliance „Fire Protection System“ haben die Hersteller von Brandschutzsystemen nachgewiesen, dass ihre Produkte den aktuellen hohe Qualitätsansprüchen genügen.

Gleichzeitig können WEA-Hersteller bei der Anbieterauswahl des Brandschutzsystems oder der jeweiligen Teilsysteme die Sicherheit bzw. den wesentlichen Vorteil nutzen, dass die entsprechenden Mindestanforderungen für die Zertifizierung des Brandschutzsystems bereits geprüft worden sind.

Um festzustellen, ob das Brandschutzsystem für einen WEA-Typ geeignet ist, werden die Zertifizierungsschritte zur Prüfung sowohl der Schutzklasse als auch die Systemintegration in die WEA und Abnahme des Brandschutzsystems (Protection class / protection level, System integration into the wind turbine, Witnessing of the fire protection system) durchgeführt.

In diesem Rahmen werden die möglichen Brandursachen und -risiken in dem jeweiligen WEA-Design erfasst und die jeweiligen Maßnahmen zur Brandvermeidung und -löschung geprüft. Die dokumentierten Details beispielsweise zur Installation und Funktionssicherheit werden bei der Abnahme des Brandschutzsystems in der WEA inspiziert und getestet.

Resultierend aus der erfolgreichen Prüfung wird das das Type Certificate „Fire Protection“ ausgestellt.

Nach Ablauf der Gültigkeit vom Type Certificate „Fire Protection“ werden zur Re-Zertifizierung unter anderem Konstruktionsänderungen geprüft und die Resultate der zuvor genannten Maßnahmen bei den bereits installierten Brandschutzsystemen und dessen Betriebsdaten ausgewertet. Daraus können sich Anforderungen zu Optimierungen ergeben, die zu erfüllen sind, um die Re-Zertifizierung erfolgreich durchzuführen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sowohl WEA-Hersteller als auch Investoren sowie Versicherungen von der Zertifizierung von Brandschutzsystemen nach der neuen Service Specification DNVGL-SE-0077 „Certification of fire protection systems for wind turbines“ profitieren. Diese bietet sowohl Investitionssicherheit als auch einen Wettbewerbsvorteil auf Grund der erhöhten Anlagensicherheit.

PM: DNVGL

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