Mehr Flächen für Windräder – Repowering kommt in Gang

Das Seminar „Kaufmännische Betriebsführung von Windparks“ am 14. April 2015 in Essen / Foto: HB
Windenergie in Sachsen 2014: Zähes Mini-Wachstum“ am 14. April 2015 in Essen / Foto: HB
Windenergie in Sachsen 2014: Zähes Mini-Wachstum / Foto: HB

Windenergie in Sachsen 2014: Zähes Mini-Wachstum

(WK-intern) – BWE-Landesvorsitzender Prof. Maslaton zieht Bilanz und fordert mehr Flächen für Windräder – Repowering kommt in Gang

Die Windenergie hat es im braunkohledominierten Sachsen nicht leicht. Immer noch werden 75 Prozent der sächsischen Stromproduktion durch die Braunkohleverfeuerung gedeckt.

Dennoch wuchs der Windmarkt 2014 auch in Sachsen weiter, wenn auch in gewohnt kleinen Schritten. So gingen im vergangenen Jahr im gesamten Freistaat lediglich 14 neue Windenergieanlagen (WEA) mit einer Gesamtleistung von rund 36 MW ans Netz. Im Jahr 2013 waren es auch nur 15 neue WEA mit 35,5 MW. Nach Zahlen von Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schlegel vom BWE kommt Sachsen damit aktuell auf 850 Windräder mit einer installierten Leistung von 1.081 MW. Die Gesamtzahl der WEA hat sich im Vergleich zu 2013 sogar um neun Windräder verringert, da mehrere alte und deutlich leistungsschwächere Anlagen im Rahmen des Repowering durch wenige, aber erheblich modernere und leistungsstärkere Anlagen ersetzt wurden. Damit zählt Sachsen bei der Windstromproduktion deutschlandweit weiterhin zu den Schlusslichtern. Hans-Jürgen Schlegel, langjähriger Experte auf dem Fachgebiet der Erneuerbaren Energien in Sachsen, prognostiziert für das vergangene Jahr einen Stromertrag durch die sächsischen WEA von rund 1.800 GWh, nach etwa 1.690 GWh im Jahr 2013. Das entspricht einem Windstromanteil am Gesamtstromverbrauch von mageren 9,2 Prozent in Sachsen.

„Das Wachstum der Stromerzeugung aus Windenergie in Sachsen bleibt ein mühsames Geschäft, wie man an den kümmerlichen 14 neuen Windrädern sieht“, betont auch Prof. Martin Maslaton, Landesvorsitzender beim Bundesverband Windenergie (BWE) in Sachsen. „Mehr Flächen für Windräder sind dringend erforderlich, will man mit der Energiewende im Freistaat vorankommen. Hier ist die neue Staatsregierung in der Pflicht. Schließlich bekennt sie sich im Koalitionsvertrag zum weiteren Ausbau der Windenergie.“

Insgesamt lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am Nettostromverbrauch 2014 in Sachsen bei 24,8 Prozent. Bei der Windenergie werden vermehrt die leistungsstarken WEA mit einer Nennleistung von 3 MW und einer Nabenhöhe von mindestens 135 Metern errichtet. „Bereits im Jahr 2016 erwarten die Betreiber der sächsischen Windenergie, dass die Schwelle der Stromerträge von 2.000 GWh pro Jahr erstmalig überschritten wird“, so Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schlegel. Gerade diese Anlagen eignen sich hervorragend für das Repowering. Der vielbeschworene Ersatz zahlreicher alter und niedrigerer Anlagen durch wenige hohe Windräder mit größerer Leistung kommt in Sachsen derzeit langsam in Gang. So wurden zum Beispiel im Windpark Riesa-Mautitz fünf alte Anlagen mit einer Leistung von je 600 kW durch nur noch vier neue 3-MW-Anlagen ersetzt. Im Windpark Streumen (Gemeinde Wülknitz, Landkreis Meißen) wurden vier alte 600-kW-Anlagen durch vier 2-MW-Windräder ersetzt. Zwei weitere Alt anlagen werden dort in diesem Jahr repowered. Ebenfalls zurückgebaut wurden die drei kleinen 100-kW-Anlagen des Windparks Bernsbach bei Schwarzenberg. Dafür ging im Windpark Mark-Sahnau bei Crimmitschau eine 3-MW-Windenergieanlage ans Netz. „Dass das Repowering ganz langsam Fahrt aufnimmt, freut uns natürlich“, erklärt Prof. Maslaton, der nebenbei auch das Recht der erneuerbaren Energien an der TU Chemnitz und Umweltrecht an der TU Bergakademie Freiberg lehrt. „Doch da liegt noch ein langer Weg vor uns, da die Mehrzahl der alten WEA außerhalb der Vorrang- und Eignungsgebiete stehen und schlicht die Flächen für neue Anlagen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgewiesen sind.“

Ob es in Sachen Windenergie in Sachsen tatsächlich zu einem Kurswechsel kommt und sich die Lage der Windenergie verbessert, bleibt abzuwarten. „In diesem Jahr wird sich zeigen, ob die Regionalen Planungsverbände wirklich neue zusätzliche Flächen für Windräder ausweisen“, so der BWE-Landesvorsitzende. „Auch Flächen in Gewerbe- und Industriegebieten wären eine Überlegung wert, etwa zur Windstrom-Eigenversorgung ansässiger Betriebe. Wenn man sich schon als Staatsregierung wieder in die bundesweiten Ziele bei der Reduzierung der CO2-Emissionen einklinken möchte, dann müssen den Worten auch Taten folgen.“ Vorwärts käme man, wenn das Innenministerium den fortschrittlichen Kurs von Wirtschaftsminister Dulig mitträgt.

PM: Bundesverband WindEnergie e. V. Landesverband Sachsen

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