Nachhaltige Wasserversorgung nur ohne Überdüngung möglich

Mehr als 100 Meter tief ist die Gülle in den ländlichen Böden eingedrungen, alle Hausbrunnen sind bereits verboten
Mehr als 100 Meter tief ist die Gülle in die ländlichen Böden eingedrungen. Die meisten Hausbrunnen sind großflächig zur Trinkwasserentnahme nicht mehr geeignet / Foto: HB

Weltwassertag 2015: Anlässlich des Weltwassertages hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft gewarnt und verstärkte Anstrengungen beim Schutz der Gewässer vor Überdüngung und Pestiziden gefordert.

(WK-intern) – “Zu den Hauptverschmutzern des Grund- und Oberflächenwassers in Deutschland, Europa und weltweit gehört die industrielle Agrarwirtschaft mit ihren hohen Nitrat- und Pestizideinträgen.

Auch das in deutschen Discountern scheinbar so billige Fleisch wird teuer erkauft, unter anderem mit einer Verschlechterung der Grundwasserqualität”, sagte die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning.

Drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland würden aus Grundwasser gewonnen, wobei mehr als die Hälfte der Grundwassermessstellen inzwischen besorgniserregende Nitratbelastungen aufweise.

Die Hauptursachen dafür seien zu lasche Umweltgesetze, die Überdüngung mit Gülle aus der Massentierhaltung und Maismonokulturen. Geeignete Gegenmittel sieht der BUND in der Umstellung auf eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft sowie in einem strengeren Düngerecht inklusive der Einführung sogenannter “Hoftorbilanzen”.

“Agrarminister Christian Schmidt muss das Düngerecht zügig reformieren und Oberflächen- und Grundwasser vor Belastungen aus der industriellen Agrarwirtschaft schützen. Bund und Länder müssen gemeinsam für wirksame Kontrollmechanismen sorgen. Für sämtliche Agrarbetriebe ist die Einführung einer Hoftorbilanz erforderlich, die alle Nährstoffströme erfasst, die in die Betriebe hinein- und hinausgehen. So wird die Herkunft von zu viel Gülle und Dünger sichtbar und beides kann gezielt verringert werden”, sagte der BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer.

Erfreulich sei, dass der Fleischkonsum in Deutschland inzwischen sinke. Im Gegensatz dazu stehe jedoch die zunehmende Exportorientierung der Fleischproduktion. Nach Ansicht des BUND trügen die politisch Verantwortlichen in Brüssel und Berlin mit schwachen Tierschutzstandards, indirekten Subventionen für industrielle Tierställe und Schlachthöfe sowie mit Zuschüssen für die Fleischlagerung erheblich dazu bei. “Rechnerisch wird inzwischen jedes fünfte Masthuhn und jedes sechste Schwein exportiert, die Gülle aus den Tierfabriken hingegen bleibt hier und belastet unsere Gewässer”, sagte Benning. “Die Anzahl der gehaltenen Tiere pro Hof muss den verfügbaren Flächen und die produzierte Menge an Fleisch und Milch dem tatsächlichen Inlandsbedarf angepasst werden”, forderte die BUND-Agrarexpertin.

Um dauerhaft eine Weltbevölkerung von bald 10 Milliarden Menschen zu ernähren, müssten vor allem in den reichen Industriestaaten Fleischproduktion und -konsum verringert werden. “Zwischen 2014 und 2020 erhält die exportfixierte Agrar- und Ernährungsbranche in der EU rund 400 Milliarden Euro an Steuergeldern – bisher ohne besondere Umwelt- und Tierschutzvorgaben. Für eine bäuerlich-ökologische Agrarwende wäre genug Geld vorhanden. Stattdessen trägt die ungerechte und umweltfeindliche Ausschüttung der Gelder vor allem an industrielle Agrarbetriebe dazu bei, Böden und Gewässer zu schädigen”, so Benning.

PM: BUND

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