15. Internationales Stuttgarter Symposium Automobil- und Motorentechnik

Wenn das Parkhaus das Auto steuert: Zukunft des vernetzten Fahrzeugs

(WK-intern) – Das vernetzte Automobil der Zukunft denkt für seinen Fahrer mit und nimmt ihm besonders unangenehme Aufgaben wie die Parkplatzsuche ab.

Das ist nicht nur komfortabel, sondern entlastet auch die Umwelt. Die dafür notwendigen Technologien diskutieren 900 Forscher und Entwicklungsingenieure auf dem gestern eröffneten 15. Internationalen Stuttgarter Symposium Automobil- und Motorentechnik.

Bis zu 30 Prozent des gesamten Verkehrs in deutschen Innenstädten entstehen durch Parkplatzsuche. Was den einzelnen Autofahrer ärgert, stellt auch eine erhebliche Belastung für die Umwelt dar. Abhilfe könnte eine Lösung schaffen, die Wolf-Henning Scheider, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, zur Eröffnung des Stuttgarter Symposiums vorstellte: Kleine elektromechanische Sensoren könnten in die Fahrbahn eingelassen werden und über eine Funkverbindung freie Stellplätze melden. „Damit lösen wir ein Mobilitätsproblem, das für den Verbraucher eine extrem hohe Relevanz hat“, sagte Scheider. Zudem arbeitet der Automobilzulieferer an einem automatischen Parksystem, das auf dem Prinzip der Vernetzung beruht. Den Weg in die Parklücke muss dabei das Fahrzeug nicht auf eigene Faust finden. Unterstützt wird es von Kameras, die an der Decke des Parkhauses angebracht sind – so reicht es aus, wenn das Auto einen Internetanschluss und gewöhnliche Ultraschall-Parksensoren besitzt. „Wir rechnen damit, dass 2018 die ersten Parkhäuser am Netz sind“, so Scheider.

Die großen Herausforderungen, vor denen die Entwickler automatisierter und vernetzter Fahrzeuge stehen, sprach Herbert Kohler, Leiter der Konzernforschung bei Daimler, in seinem Eröffnungsvortrag an. So müssten die Hersteller nicht nur die richtige Technik einsetzen, sondern auch die Kunden heranführen. Dazu gehöre eine intuitive Bedienung, beispielsweise durch Gesten oder natürliche Spracherkennung. Eine Herausforderung stelle zudem die Sicherheit vernetzter Fahrzeuge dar. Dabei setzt Daimler wie andere Hersteller darauf, dass Informationen aus dem Internet nur über spezielle Back-end-Server abgerufen werden können.

Was der Autofahrer nicht sieht: Die Vernetzung verändert auch den Entwicklungsprozess rapide. So hat Bosch bei der Entwicklung eines intelligenten Bremskraftverstärkers für Hybridfahrzeuge Testkunden gefunden, die es gestatten, bis zu 40 Messwerte laufend online zu übertragen. „So gewinnen wir Daten aus dem realen Fahrbetrieb und sparen Zeit bei der Entwicklung der Nachfolgegeneration“, erläuterte Scheider. Das Prinzip der vernetzungsbasierten Entwicklung überträgt Bosch derzeit auf Motorsteuerungen.

Technologien für effizientere Fahrzeuge und Motoren sowie vernetzte Elektroniksysteme sind werden auf dem Stuttgarter Symposium in rund 120 Einzelvorträgen thematisiert. Durch eine Kooperation mit dem Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Arbeitsorganisation (IPA) ist zudem die vernetzte Produktion einer Industrie 4.0 erstmals Gegenstand der Tagung. „Das Automobil der Zukunft verdankt von uns Ingenieuren interdisziplinäres und vernetztes Denken“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wiedemann. „Der Austausch von Fachwissen auf dem Stuttgarter Symposium leistet dazu einen wichtigen Beitrag.“

Das 15. Internationalen Stuttgarter Symposium endet morgen mit einer Podiumsdiskussion, auf der Experten der Automobil- und Telekommunikationsbranche mit dem Datenschutzexperten Peter Schaar die Frage erörtern, ob das Auto der Zukunft ein Smartphone auf Rädern wird.

Über das FKFS

Das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart FKFS zählt zu den namhaften deutschen Entwicklungsdienstleistern und kooperiert eng mit dem Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen IVK der Universität Stuttgart. Das FKFS beschäftigt über 130 hoch qualifizierte Mitarbeiter und betreibt eine Vielzahl an modernsten Prüf- und Testeinrichtungen, darunter einen aeroakustischen Fahrzeugwindkanal, Motorenprüfstände und einen hochmodernen Antriebsstrangprüfstand.

PM: FKFS

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