Kohlendioxid-Fußabdruck entlang von Transportketten

Emissionen entlang von Transportketten / Pressebild: DLR
Emissionen entlang von Transportketten / Pressebild: DLR
Emissionen entlang von Transportketten / Pressebild: DLR

Verkehrsforscher und Industrie gemeinsam auf dem Weg zu einem globalen Standard

(WK-intern) – Wie stark der Transport von Gütern das Klima beeinflusst, rückt immer mehr in den Fokus von Unternehmen und Verbrauchern, die nach dem Kohlendioxid-Fußabdruck ihrer Produkte fragen.

Auf der Suche nach einem Standard zur Berechnung von Emissionen entlang von Transportketten analysierten Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit europäischen Partnern im Rahmen des EU Projekts COFRET bestehende Ansätze und Instrumente.

Viele Ansätze – kein globaler Standard

Es gibt bereits mehr als 100 verschiedene Werkzeuge zur Berechnung von Emissionen entlang von Transportketten, die sich nicht selten über mehrere Länder oder sogar Kontinente erstrecken. Dazu gehören beispielsweise die Europäische Norm EN 16258 oder das Green House Gas Protocol Scope 3. Für den Anwender wie die Transportbranche, die Industrie oder den Handel stellt es eine große Herausforderung dar, sich angesichts dieser Vielzahl zurechtzufinden. Ein verbindlicher, international anwendbarer und akzeptierter Standard, der alle Elemente der Transportketten berücksichtigt, fehlt aber bislang. Gerade für Speditionen und Logistikdienstleister wird es immer wichtiger, Transparenz über die Effizienz ihrer Transporte zu bekommen, um diese weiter optimieren zu können.

Im Projekt “Carbon Footprint of Freight Transport” (COFRET), das vom DLR-Institut für Verkehrsforschung koordiniert wurde, wurden diese verschiedenen Berechnungsansätze für Transportketten, die im internationalen Umfeld vorhanden sind, zusammengetragen und analysiert. Keines der Modelle schließt bislang alle Elemente der Transportkette vollständig in die Berechnung mit ein. Mit dem Forschungsprojekt haben die Forscherinnen und Forscher sowohl Lösungsansätze entwickelt, wie die vorhandenen Lücken geschlossen werden können als auch ein Konzept erarbeitet, in welchem Arbeitsformat diese Lösungsansätze weiterentwickelt und in einen Standard überführt werden könnten.

Lücken bei Warenumschlagslagern und Rückfahrten

Im Rahmen des Projekts konnten die Wissenschaftler in ihrer Untersuchung darlegen, welche Elemente der Transportketten durch diese Berechnungsansätze bislang noch nicht abgedeckt werden. “So stellt das Warenumschlagslager momentan noch einen blinden Fleck dar”, sagt Dr. Verena Ehrler, Projektleiterin im DLR-Institut für Verkehrsforschung. “Verladung, Transport oder die eventuell notwendige Kühlung der Güter werden von keinem der bisherigen Standards hinreichend abgedeckt”, so Dr. Ehrler weiter. Darüber hinaus ist auch der Umgang mit Leerfahrten noch nicht geklärt. Unklar ist, ob und wie Rückfahrten am besten in die Transportkette einzuberechnen sind oder ob nur der direkte Weg zählt.

Genau, einfach und flexibel

Die Anforderungen der Anwender an Lösungen zur Schließung der Lücken sind dabei sehr komplex: Sie müssen pragmatisch und auf alle Transportbereiche anwendbar sein, damit sie in der täglichen Praxis genutzt werden. Um an unterschiedliche reale Situationen angepasst werden zu können, müssen sie zugleich flexibel sein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Berechnungen möglichst genaue Ergebnisse liefern, aber dabei weder zu detailliert, noch zu grob sind, um stabile, zufallsresistente Ergebnisse zu generieren. “Vor allem die Transparenz über Methodik und Logik des Ansatzes macht es möglich, verschiedenen Transportketten und Angebote miteinander zu vergleichen”, erklärt Dr. Ehrler. “Nur durch verlässliche Daten, die über einen längeren Zeitraum erfasst werden, lassen sich schließlich auch Emissionsreduktionen nachweisen.”

Neutrale Plattform ermöglicht den gemeinsamen Weg zu einem international anerkannten Standard

Das Team um Dr. Ehrler hat während des gesamten Projekts eng mit allen Akteuren des Themas zusammengearbeitet: Gemeinsam mit der Transportindustrie, Logistikern und anderen Interessensvertretern wurden die Ergebnisse immer wieder diskutiert und die Richtung des Projekts abgestimmt. „Wir sind stolz, dass diese Ergebnisse über den europäischen Rahmen eines EU-Projekts hinaus auf eine internationale Ebene gehoben wurden“, sagt Dr. Ehrler. Dafür haben die Verkehrsforscher das Format des International Workshop Agreements (IWA) im Rahmen der ISO, unter der Leitung des Deutschen Instituts für Normung (DIN) etabliert. Mittlerweile wurde das IWA durch die ISO als IWA 16:2015 – International harmonized method(s) for a coherent quantification of CO2e emissions of freight transport veröffentlicht. Diese weltweit offene, neutrale Plattform, ermöglicht es, gemeinsam einen Rahmen für die Anforderungen an nächste Schritte hin zu einem internationalen Emissionsberechnungsstandard für Transportketten abzustecken, um in naher Zukunft einen von allen anerkanntem Standard zu konstituieren. Auf Grund der Komplexität moderner Transportketten, werden auch in Zukunft Weiterentwicklungen, Überarbeitungen und Optimierungen nötig sein. Aufgabe der Wissenschaft wird es dann sein, diese Lösungsansätze durch die detaillierte Analyse mittels Praxisfällen auf ihre Anwendbarkeit, qualitative Güte und Transparenz hin zu bewerten und so die Arbeiten der Industrie zu begleiten und zu unterstützen.

Über das Projekt COFRET

COFRET ist ein Projekt der Europäischen Kommission. Grundlage ist das Ziel der Europäischen Union, die Treibhausgasemission zu senken: bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 60-80 Prozent im Vergleich zu 1990. Das DLR arbeitete innerhalb des Forschungsprojekts mit 13 anderen europäischen Unternehmen und Institutionen aus acht Ländern zusammen. Das Projekt wurde durch das DLR-Institut für Verkehrsforschung koordiniert. Die Ergebnisse des COFRET-Projekts sind verfügbar unter: http://www.cofret-project.eu

PM: DLR

 

 

 

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