Antriebssysteme für Windkraftanlagen und Dichtungstechnik

Getriebelagerungen für Windkraftanlagen / Pressebild: Schaeffler
Getriebelagerungen für Windkraftanlagen / Pressebild: Schaeffler
Getriebelagerungen für Windkraftanlagen / Pressebild: Schaeffler

Schaeffler auf der Hannover Messe 2015 (Halle 22, Stand A12)

(WK-intern) – Leistung, Effizienz, Intelligenz – Wälzlager als Schlüssel zu neuen Technologie- und Produkttrends

Projekte finden sich in der Solartechnik zur Spiegelnachführung und in der Windenergie zur Azimutverstellung

Die globalen Megatrends Mobilität und Industrie 4.0 sowie die konsequente Weiterentwicklung von Wälz- und Gleitlagern sowie Linearführungen hinsichtlich Belastung, Lebensdauer und Leistungsverdichtung prägen den Auftritt der Sparte Industrie der Schaeffler AG auf der Hannover Messe 2015.

Das Wachstum der Windkraftanlagen hin zu Multi-Megawatt-Kraftwerken führt zu höheren Kräften und Momenten, die die Komponenten immer stärker belasten. Gleichzeitig verursachen Stillstandzeiten und Wartungsarbeiten insbesondere bei Offshore-Anlagen immer höhere Kosten. Zuverlässigen Komponenten kommt daher eine Schlüsselrolle zu. Ein Phänomen, das die Zuverlässigkeit von Lagern, auch außerhalb der Windindustrie, negativ beeinflusst, sind die so genannten “White Etching Crack” (WEC). WEC sind Gefügeveränderungen im Werkstoff, die sich unterhalb der Lageroberfläche bilden. Als Folge entwickeln sich unter Einfluss verschiedener äußerer Belastungen Risse, die sich unter Beanspruchung bis zur Oberfläche ausbreiten. Dadurch kann es schließlich zu einem Reißen des Innen- oder Außenrings und somit zu einem vorzeitigen Ausfall des betroffenen Lagers kommen. Diese Risse treten sowohl in durch- als auch in einsatzgehärteten Wälzlagern auf. Innovative Lösungen von Schaeffler helfen dabei, die Widerstandsfähigkeit von Lagern gegenüber White Etching Cracks zu steigern und frühzeitige Lagerausfälle zu verhindern.

Neben Lagern für Windkraftanlagen sind WEC auch bei Lagerungen anderer Industrieanwendungen, wie Elektromotoren, Papiermaschinen, Industriegetriebe (z.B. für Großhydraulikbagger), Pumpensysteme oder Schiffsantriebe, sowie im Automotive-Bereich festzustellen. Einflüsse, die sich auf eine Bauteilermüdung auswirken können, wie beispielsweise Flächenpressung, unzureichende Stahlreinheit oder Überlast, lassen sich auf das Auftreten von WEC nicht übertragen. So sind die Ursachen für die Entstehung von WEC noch nicht vollständig nachvollziehbar. Jedoch bilden nach heutigem Wissensstand Zusatzbeanspruchungen in Form von Dynamik, Mischreibung oder Elektrik die Voraussetzung für die Entstehung von WEC. Schaeffler verfügt über umfassende Prüfmöglichkeiten, um White Etching Cracks zu erzeugen, die Ursachen zu untersuchen und Lösungskonzepte zur Senkung des WEC-Risikos zu entwickeln. Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich das WEC-Risiko durch die Lagerauslegung und die Schmierstoff- oder Werkstoffwahl eindämmen lässt. Durch die optimale Auslegung kann die Beanspruchung des Lagers vermindert werden, durch Abstimmung der Schmier- und Konservierungskonzepte und die Wahl des optimalen Werkstoffs wiederum kann das Lager höher belastet werden.
Darüber hinaus bietet Schaeffler verschiedene Lösungen an, um Lagerungen gegenüber White Etching Cracks widerstandsfähiger zu machen und sie vor einem frühzeitigem Ausfall zu schützen.

Empfohlene Lösung: Durchgehärtete Wälzlager mit Durotect B
Die von Schaeffler empfohlene und statistisch belegte Technologie für eine effiziente und wirtschaftliche Reduktion von WEC-Schäden ist das Durchhärten der Lager in Kombination mit dem Brünieren der Außen- und Innenringe sowie der Wälzkörper. Die Experten des Kompetenzzentrums Oberflächentechnik bei Schaeffler haben dank kontinuierlicher Optimierung ein ideales Schichtsystem entwickelt, um die Lager-Robustheit gegenüber WEC deutlich zu steigern. Das Schichtsystem Durotect B, eine konsequente Weiterentwicklung konventioneller Brünierschichten, verfügt über ein gesteigertes Leistungsvermögen. Es vermindert die Gefahr von Schlupfschäden, verbessert das Einlaufverhalten, bietet Schutz vor Korrosion und nicht zuletzt erhöhten Schutz gegenüber WEC. So traten bei 482.000 mit Durotect B beschichteten, durchgehärteten Lagern, die innerhalb der letzten Jahre von Schaeffler für den Einsatz in Windkraftanlagen produziert und geliefert wurden, WEC nur bei weniger als 100 Lagern auf. Das entspricht einer Ausfallquote kleiner 0,02%.

Carbonitrierte Wälzlager aus Mancrodur® mit Durotect B
Ist eine höhere Tragzahl gefordert, bietet Schaeffler carbonitrierte Wälzlager aus dem Werkstoff Mancrodur mit der Beschichtung Durotect B an. Beim Carbonitrieren werden die Lager einem speziellen Erhitzungsverfahren unterzogen, bei der die Lageroberfläche mit Kohlenstoff und Stickstoff angereichert wird. Die Lager erhalten so eine höhere Oberflächenhärte und Verschleißfestigkeit.

Hochchromhaltiger Spezialstahl Cronidur 30

Durch den Einsatz des hochchromhaltigen Spezialstahls Cronidur 30 kann die Entstehung von WEC nach heutigem Kenntnisstand vollkommen ausgeschlossen werden. So ist bisher kein WEC-Fall mit Cronidur 30-Lagern bekannt. Auch gemäß eines eigens von Schaeffler durchgeführten Prüfprogramms zur Ermittlung individueller Lösungen je nach Anwendungsfall und Zusatzbeanspruchung sind beim Einsatz von Cronidur 30 keine WEC aufgetreten. Durch Verwendung dieses Materials lassen sich zudem eine um bis zu 70% gesteigerte Tragzahl und dadurch höhere Lebensdauer sowie ein besserer Korrosionsschutz erzielen.
Als Entwicklungspartner der Windkraft-Branche produziert Schaeffler leistungsstarke Lagerlösungen für Rotorwelle, Getriebe, Generator und Windnachführung. Hochmoderne Berechnungs- und Simulationsprogramme sichern dabei eine optimale Auslegung der Windkraftlager, vom einzelnen Wälzlager und seinen Komponenten über die Anschlusskonstruktion bis hin zum kompletten Antriebsstrang. Als umfassenden Service für Windkraftanlagen bietet Schaeffler auch verschiedene Fernüberwachungssysteme und Diagnoseprogramme an.

Neben den klassischen Themen wie Leistungssteigerung, Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz, stehen verstärkt die Themen Sensorik, Aktorik und Vernetzung sowie die kontinuierliche Zustandsüberwachung im Fokus der Produktentwicklung.

„Antriebskomponenten mit integrierter Sensorik und smarte Aktoren – wie wir sie in Hannover zeigen werden – sind Voraussetzung für die Vernetzung von Maschinen und Anlagen und die Steuerung autonomer Prozesse in der Wertschöpfungskette unserer Kunden“, so Robert Schullan, Mitglied im Vorstand der Schaeffler AG und Vorsitzender der Geschäftsleitung Schaeffler Industrie.

In diesem Zusammenhang hob Schullan die Bedeutung der Hannover Messe und der MDA als internationale Plattform und Leitmesse für Technologietrends in der Antriebs- und Fluidtechnik hervor. „Die MDA bietet einen kompletten internationalen Branchenüberblick und zeigt die aktuellen Branchentrends. In diesem Jahr werden wir insbesondere über die Themen Industrie 4.0, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, Condition Monitoring Systeme, Antriebssysteme für Windkraftanlagen und Dichtungstechnik diskutieren“, so Schullan.

Schullan unterstrich dabei die herausragende Rolle des Zukunftsmarktes Indien, des diesjährigen Partnerlandes der Hannover Messe. „Dank unserer langjährigen, starken Präsenz im indischen Markt und unserer innovativen Lösungen werden wir bei den anstehenden Investitionen in Infrastruktur und Industrieanlagen des Landes sowie in erneuerbare Energien wertvolle technologische Unterstützung anbieten können“, so Schullan. An vier Standorten entwickelt und fertigt Schaeffler Produkte für den indischen Markt. Die für Schaeffler bedeutendsten Industriebranchen in Indien sind die Landtechnik, Stahl- und Textilindustrie, Motorrad und Bahn, aber auch Produktionsmaschine und Windkraft. An seinem Standort Vadodara hat Schaeffler kürzlich sein erstes Schaeffler Technology Center für Indien validiert. So können das umfassende Engineering- und Service-Know-how auch lokal schnell umgesetzt und die Kunden optimal betreut werden.

Smart Aktor: Innovativer Gewindetrieb für elektromechanische Linearaktoren
Mit einer neuen Bauform und einem neuen Funktionsprinzip erweitert Schaeffler sein Spindelprogramm um einen besonders tragfähigen und leistungsdichten Gewindetrieb. Der Planetenwälzgewindetrieb PWG ebnet dabei den Weg zum „Smart Aktor“: elektromechanische Linearaktoren mit höchster Effizienz auf kleinstem Bauraum. Anwendungsgebiete und erste Projekte finden sich in der Solartechnik zur Spiegelnachführung, in der Windenergie zur Azimutverstellung, im Maschinenbau als Vorschubeinheit, für die Blechumformung, in Abkantbänken, in Schließzylindern von Kunststoffspritzmaschinen, in Niet- und Schneidzangen und in Klebstoffdosierpistolen. Bereits in Serie ist der PWG bei Kupplungsaktoren in der Automobilindustrie.

PM: Schaeffler

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