Artenschutz und Windenergie sind keine Gegensätze

Eine Böe versetzt die Rotorblätter plötzlich in Bewegung / Foto: HB
Rund 250 Windenergieanlagen stehen im und unmittelbar am Vogelschutzgebiet / Foto: HB
Rund 250 Windenergieanlagen stehen im und unmittelbar am Vogelschutzgebiet / Foto: HB

Minister Remmel: Artenschutz und Windenergie sind keine Gegensätze

Mediationsverfahren zum Repowering von Windanlagen in der Hellwegbörde erfolgreich zu Ende geführt – Naturschutzverbände und Windenergiebranche einigen sich auf abgestimmtes Vorgehen bei zukünftigen Projekten

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen will durch den Austausch alter Windanlagen gegen leistungsstärkere Anlagen (Repowering) den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung erhöhen. Auch in der Hellwegbörde, dem größten Vogelschutzgebiet in NRW, sollen ältere Anlagen gegen neue ersetzt werden. Aufgrund der daraus resultierenden Meinungsverschiedenheiten zwischen Naturschutz und Windenergiebranche wurde auf Initiative des Umweltministeriums ein Mediationsverfahren eingeleitet, das nun abgeschlossen ist. In Soest hat Umweltminister Johannes Remmel nun die Vereinbarung zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Windenergiebranche, des Natur- und Artenschutzes sowie des Kreises Soest und der Bezirksregierung Arnsberg entgegen genommen, durch die mögliche Konflikte zukünftig vermieden oder früher gelöst werden sollen.

„Der Ausbau der Windenergie und der Artenschutz sind gleichberechtigte Interessen, denen die Landesregierung Rechnung tragen will. Ich freue mich, dass sich die Beteiligten auf ein abgestimmtes Vorgehen bei zukünftigen Repowering-Projekten geeinigt haben“, sagte Remmel.

Rund 250 Windenergieanlagen stehen im und unmittelbar am Vogelschutzgebiet. Viele der Windparks stammen aus der Zeit vor Ausweisung des Vogelschutzgebietes. Die Landesregierung hat in ihrem Windenergieerlass FFH- und Vogelschutzgebiete zwar als Tabuzonen für neue, zusätzliche Windräder eingestuft, alte Anlagen sollen die Betreiber aber durch leistungsstärkere Windräder ersetzen können. Solche Vorhaben scheitern zum Teil daran, dass Projektplaner die größeren neuen Windenergieanlagen an für den Vogelschutz problematischen Standorten bauen wollen. Die Bezirksregierung Arnsberg und der Kreis Soest als zuständige Genehmigungsbehörden wollen bei ihren Entscheidungen auch die Stellungnahmen der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) berücksichtigen. Die ABU sieht Windenergie-Projekte im Vogelschutzgebiet kritisch: Die Vögel genießen in diesen Gebieten einen besonderen Schutz.

Auch wenn sich die Mediationsteilnehmerinnen und -teilnehmer einig sind, dass für den schlechten Zustand des Vogelschutzgebietes andere Faktoren hauptursächlich sind, soll es laut Mediationsvereinbarung beim Repowering in Zukunft besser laufen: Planer und Vogelschützer sollen sich frühzeitiger miteinander abstimmen. Die ABU beteiligt sich zu Beginn an der Standortsuche und arbeitet selbst an Vorschlägen mit. Der Energie.DialogNRW der EnergieAgentur.NRW wird das Vorgehen koordinieren und auf Kommunen zugehen, die für Repowering-Projekte in Frage kommen. In der auch von Kreis und Bezirksregierung mitgetragenen Vereinbarung heißt es, dass im Vogelschutzgebiet keine Standorte für zusätzliche Windenergieanlagen ausgewiesen werden sollen. Sollten keine anderen Flächen für das Repowering gefunden werden, können im Einzelfall andere Zuschnitte oder Erweiterungen der vorhandenen Konzentrationszonen in Betracht kommen.

In mehreren Runden hatten Behörden, Vogelschützer und Windbranche in den vergangenen zwei Jahren über die Probleme diskutiert. „Ob geplante Repowering-Projekte zukünftig besser laufen, hängt jetzt davon ab, ob die ABU, die Vertreter der Windbranche und die Kommunen wie vereinbart frühzeitiger als bisher und persönlich miteinander sprechen“, erklärte Dr. Markus Troja, der als Mediator gemeinsam mit Inga Lutosch und Marlies Bahrenberg die Verhandlungen moderiert hat.

Trotz des Konsenses weisen die Beteiligten auf Ihre Positionen hin. Dr. Ralf Joest und Joachim Drüke (ABU) erklären, dass Windenergieanlagen ein Risiko für geschützte Arten im Vogelschutzgebiet darstellten.

Andreas Düser (Landesverband Erneuerbare Energien) und Klaus Schulze Langenhorst (nordrhein-westfälischer Landesverband des Bundesverbandes Windenergie) sehen dagegen kein grundsätzliches Risiko. Beim Repowering verringere sich die Anzahl der Anlagen. Zudem reduziere bei modernen Anlagen der größere Abstand des Rotors zum Boden zusätzlich die Gefahr. Zusammen mit neuen Ausgleichsmaßnamen, die Anlagenbetreiber gemeinsam mit der Landwirtschaft entwickelten, sei dieses immer ein Gewinn für die Vogelwelt. Die Vertreter der Windenergieseite begrüßten das positive Bekenntnis der Mediationsvereinbarung zum Repowering. Der Erfolg der Vereinbarung lasse sich jedoch erst anhand der tatsächlich umgesetzten Projekte bewerten.

PM: NRW Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

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