CO2-Ziele der Bundesregierung im Wärmebereich unrealistisch

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Auf dem Wärmemarkt werden wichtige Einspar- und Umweltziele nicht erreicht / Foto: HB

Auf dem Wärmemarkt werden wichtige Einspar- und Umweltziele nicht erreicht.

  • Wärmesektor spielt zentrale Rolle bei Gelingen der Energiewende
  • Sanierungsmaßnahmen unzureichend
  • Langfristig positive Effekte durch Einsatz erneuerbar erzeugten Stroms

 

(WK-intern) – Dabei spielt dieser Bereich eine zentrale Rolle für das Gelingen der Energiewende.

Schließlich wurden 2013 über 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland für Warmwasser, Heizung aber auch für Prozesswärme verwendet.

Die beiden Treiber waren der Raumwärmebedarf und der Prozesswärmebedarf, die insgesamt mehr als 87 Prozent des Endenergieverbrauchs an Wärme verursachten. Den größten Bedarf an Endenergie für Wärme hatten 2013 die privaten Haushalte mit 45 Prozent; es folgen die Industrie mit 36 und Gewerbe, Handel & Dienstleistungen mit 17 Prozent. „Wir benötigen eine Wärmewende“, so Dr. Norbert Schwieters, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft bei PwC. „Strom- und Wärmemarkt müssen besser verknüpft werden – nur so können Kosten gespart und Umweltziele erreicht werden.“

Die Kostenbelastung für die Nutzung von Wärme- und Kälteanwendungen ist erheblich: Private Haushalte zahlten 2013 hierfür allein 62 Milliarden Euro (zum Vergleich: für Strom waren es 38,9) – pro Kopf macht das 760 Euro. Dabei sind in den vergangenen Jahren die Wärmekosten für Haushalte deutlich gestiegen – um 20 Prozent von 2011 auf 2013. Dies war zu einem großen Teil auf Preissteigerungen der relevanten Primärenergieträger zurückzuführen. 2014 fielen die Preise praktisch aller Energieträger für die Wärmeerzeugung – vor allem aufgrund der deutlich gestiegenen Fördermengen von Öl und Gas in den USA sowie der anhaltend schwachen globalen Wirtschaftsentwicklung, die zu einer Entspannung auf den Weltenergiemärkten führten. Ob diese jüngste Entwicklung anhält, wird sich noch zeigen müssen.

Wie sich Kosten, Endenergieverbrauch der Wärmeerzeugung und die damit verbundene CO2-Belastung entwickeln werden, hat PwC im Rahmen einer Wärmestudie untersucht. In einem Referenzszenario wird die bisherige Entwicklung im Wärmesektor samt bereits eingeleiteter Maßnahmen berücksichtigt und fortgeschrieben. Demzufolge werden die jährlichen Gesamtkosten der Wärmeerzeugung von 120 Milliarden Euro (2014) um 13,5 Prozent auf über 135 Milliarden Euro in 2050 ansteigen. Der Endenergieverbrauch für die Wärmeerzeugung wird von 1.400 TWh im Jahr 2014 um 17 Prozent auf 1.170 TWh im Jahr 2050 sinken. Hieraus resultieren CO2-Emissionen in Höhe von 230 Millionen Tonnen, was gegenüber 1990 eine Reduktion um ca. 45 Prozent darstellt.

Diese Ergebnisse zeigen, dass ohne weitere Maßnahmen eine Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2050 um 80-95 Prozent gegenüber 1990, so das Ziel der Bundesregierung, zumindest über den Wärmebereich nicht zu realisieren ist. In der Studie werden daher neben dem Referenzszenario Alternativszenarien abgebildet und deren Auswirkungen auf Emissionen und Kosten untersucht.

Energieeinsparung im Gebäudebereich (Sanierungsszenario)

Das Sanierungsszenario zeigt, dass sich durch eine Erhöhung der Sanierungsrate bei privaten Haushalten von derzeit 1 auf 2,5 Prozent der Endenergieverbrauch im Jahr 2050 gegenüber 2014 um 24 Prozent (17% im Referenzszenario) vermindern ließe – Einspareffekte durch Sanierungsmaßnahmen ‎vorausgesetzt. Das würde 2050 zu einer Absenkung der CO2-Belastung um ungefähr 8 Prozent gegenüber dem Referenzszenario führen. Die zusätzlichen Sanierungsmaßnahmen würden im Betrachtungszeitraum 2014-2050 Mehrkosten von 29 Milliarden Euro und CO2-Einsparungen von 471 Millionen Tonnen verursachen.

„Mit dem bisherigen Tempo bei den Sanierungen können wir die Ziele der Bundesregierung nicht erreichen“, sagt Dr. Norbert Schwieters. „Einsparungen bei der Raumwärme können nur durch Investitionen realisiert werden. Dafür sind attraktive Förderprogramme nötig, die auch in Zeiten sinkender Brennstoffpreise in Anspruch genommen werden.“

Nutzung von strombetriebenen Heizungstechnologien (Stromszenario)

In einem Stromszenario hat PwC untersucht, wie sich die intensivere Nutzung von Strom zur Wärmeerzeugung auswirkt. Dabei wurde von erhöhten Anteilen Erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung ausgegangen. Aufgrund hoher Stromgestehungskosten käme es zu Mehrkosten von 304 Milliarden Euro bis 2050. Die CO2-Bilanz würde sich im Zeitverlauf erheblich verbessern. Nur auf das Jahr 2050 bezogen, ergäbe sich eine Reduzierung um 46 Prozent gegenüber 2014 (32 Prozent im Referenzszenario). Auch längerfristig, über 2050 hinaus, würde sich der Einsatz erneuerbar erzeugten Stroms zu Wärmezwecken positiv auswirken.

Ausbau von Erdgas- und KWK-Anlagen (Gas- und KWK-Szenario)

In einem weiteren Szenario, dem Gas- und KWK-Szenario, hat PwC untersucht, wie sich ein erhöhter Einsatz von Erdgas, unter vermehrter Einbeziehung von KWK-Anlagen, auswirkt. Sowohl bei den CO2-Emissionen als auch bei den Gesamtkosten sind die Ergebnisse besser als im Referenzszenario. So entstünden keinerlei CO2-Vermeidungskosten; die Emissionen könnten im Betrachtungszeitraum 2014-2050 allerdings nur um 3,2 Prozent gegenüber dem Referenzszenario reduziert werden.

Stärkere Nutzung von Bioenergie für die Wärmeerzeugung (Bioszenario)

Gelänge es, wie im Bioszenario angenommen, den Anteil von Biomethan im Gas signifikant (bis zu 20 Prozent in 2050) zu steigern und mehr Holz bei der Wärmeerzeugung einzusetzen, würden die CO2-Emissionen um 11,6 Prozent sinken, bei Mehrkosten von 160 Milliarden Euro. Letztere entstehen insbesondere durch die erheblich höheren Bezugskosten von Biomethan gegenüber Erdgas.

Kombination des Bioszenarios mit dem Sanierungsszenario

Selbst in einem kombinierten Szenario mit Einsparungen beim Raumwärmebedarf und hohen Anteilen von Bioenergie kommt PwC nur zu einer Absenkung der CO2-Belastung von 60 Prozent im Jahr 2050 gegenüber 1990. Dafür fielen dann bereits 183 Milliarden Euro Mehrkosten an. Dies verdeutlicht, dass sich durch geeignete Maßnahmen zwar signifikante Verbesserungen bei der CO2-Bilanz erreichen lassen, die Einsparungen bei der Wärme in der Größenordnung von 80-95 Prozent gegenüber 1990 allerdings nicht realisierbar sind.

Auch Wärme- und Verkehrsbereich brauchen eine Energiewende

PwC-Energiewende Outlook:

  • Stromerzeugung stärker mit Wärme- und Verkehrsbereich verknüpfen
  • Wärmemarkt spielt eine zentrale Rolle, um CO2-Emissionen und den Energieverbrauch zu reduzieren
  • Ziele auf europäischer und nationaler Ebene besser abstimmen

Eine erste Bilanz nach vier Jahren Energiewende fällt gemischt aus: Zwar stieg der Anteil der Produktion von erneuerbaren Energien im Strombereich auf etwa 26 Prozent an, doch der Wärme- und Verkehrssektor hinken noch hinterher. Insgesamt sind die CO2-Emissionen nicht im gewünschten Maß gesunken. Um die ambitionierten Ziele der Bundesregierung, die CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80-95 Prozent zu reduzieren, muss umgehend gegengesteuert werden. Nach dem derzeitigen Stand sind sie nicht zu erreichen, wie der Energiewende Outlook von PwC deutlich macht. Er wertet ca. 250 Studien zur Energiewende aus und leitet daraus Szenarien über den weiteren Verlauf ab. Dabei spielt die Wirtschaftlichkeit – neben der Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit – eine zentrale Rolle. „Die aktuelle Diskussion konzentriert sich zu sehr auf den Strombereich“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft von PwC. „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn der Strommarkt sinnvoll mit dem Wärme- und Verkehrsbereich verknüpft wird.“

Wenn diese relevanten Bereiche besser ineinander greifen, lassen sich die Vorgaben der Energiewende eher einhalten, lautet ein zentrales Ergebnis des Energiewende Outlook: Ein Beispiel dafür ist die Kraft-Wärme-Kopplung mit ihrer kombinierten Erzeugung von Strom und Wärme. Mit dem intensiveren Einsatz solcher Anlagen könnten bis 2050 bei der Stromerzeugung nicht nur Kosten in Höhe von 30 Milliarden Euro gespart werden, sondern zugleich würden auch die C02-Emissionen um 213 Millionen Tonnen sinken. Bei der Stromerzeugung bietet der flexible Einsatz von Biokraftwerken eine wichtige Option, um in Zukunft Nachfragespitzen abzudecken. Doch das überarbeitete Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sieht für sie lediglich einen Bruttoausbaukorridor von 100 Megawatt pro Jahr vor. Das könnte langfristig sogar zu einer Reduktion der installierten Leistung führen, wie der Energiewende Outlook aufzeigt. „Hier ist die Politik gefordert, die Ausbauziele zu überdenken und der Biomasse eine größere Rolle einzuräumen, wie das zum Beispiel in Dänemark der Fall ist“, so Schwieters. Ein weiterer Stellhebel ist die Energieeffizienz, um den Verbrauch und damit auch die CO2-Emissionen zu reduzieren. Der Energiewende Outlook zeigt auf, dass bisher noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, um drohende Kapazitätslücken abzuwenden bzw. zu reduzieren. Ein wichtiges Instrument ist dabei das Demand-Side-Management, mit dem die Nachfrage nach Strom in Spitzenzeiten gesenkt werden kann.

Einsparziele im Wärmemarkt unrealistisch

Dem Wärmebereich kommt eine zentrale Rolle bei der Energiewende zu. Schließlich gehen rund die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland auf das Konto von Warmwasser, Heizung wie auch Prozesswärme. „Doch gerade in diesem Bereich droht Deutschland die CO2-Einsparziele deutlich zu verfehlen“, betont Schwieters. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge würden in dem von PwC skizzierten Referenzszenario bis 2050 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 lediglich um 45 Prozent und der Energieverbrauch um 17 Prozent sinken.

Ein zentraler Stellhebel, um den Energieverbrauch beim Heizen zu senken, bildet die Sanierung von Gebäuden. Würde sie von einem Niveau von derzeit einem Prozent auf 2,5 Prozent steigen, könnten die CO2-Emissionen bis 2050 zusätzlich um fünf Prozent gesenkt werden. „Allerdings bedarf es dazu einer Förderung, die für Unternehmen und Privatkunden attraktiv ist“, betont Schwieters. Positiv könnte sich zudem bemerkbar machen, wenn verstärkt Strom – vor allem aus erneuerbaren Energien – für den Betrieb von Heizungen eingesetzt würde. Insgesamt sind die Möglichkeiten allerdings begrenzt: „Im Wärmemarkt lassen sich zwar signifikante Verbesserungen bei den CO2-Emissionen erreichen, Einsparungen in Höhe von 90 Prozent sind bis 2050 aus heutiger Sicht aber nicht zu realisieren“, betont Schwieters.

Elektromobilität könnte Verkehrsbereich transformieren

Auch der Verkehrsbereich droht an den Zielvorgaben zu scheitern. Ein entscheidender Grund dafür: Der Anteil der erneuerbaren Energien als Kraftstoff bei Antrieben beträgt gerade einmal vier Prozent und liegt damit deutlich hinter dem Strombereich. Nach wie vor dominieren im Verkehrsbereich die fossilen Kraftstoffe mit 94 Prozent. „Wir brauchen eine grundlegende Transformation des Verkehrsbereichs, um die Klimaschutzziele zu erreichen“, betont Schwieters. Allein der individualisierte Straßenverkehr verantwortet 57 Prozent der CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Laut der Analyse des PwC Energiewende Outlook bietet besonders die Elektromobilität das Potenzial, um die Ziele der Energiewende umzusetzen. Das gilt jedoch nur für den Fall, dass der Strom für den Antrieb der Fahrzeuge hauptsächlich aus erneuerbaren Energien stammt. Für wahrscheinlicher halten die Experten allerdings den verstärkten Einsatz von Hybridfahrzeugen und alternativen Kraftstoffen, die ebenfalls dazu beitragen, Treibhausgase zu vermeiden. Damit ließe sich zudem die Importabhängigkeit von Erdöl reduzieren und der Energiebereich breiter aufstellen.

Nicht nur zwischen den relevanten Teilen des Energiemarktes bedarf es einer besseren Abstimmung. Das gilt auch für die Ziele der Energiewende selbst, die bei Bund, Ländern und Kommunen, aber auch der Europäischen Union häufig voneinander abweichen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Windenergie: So wollen die Bundesländer die installierte Leistung bis 2020 auf 70 Gigawatt ausbauen – dagegen sehen die Pläne der Bundesregierung lediglich 49 Gigawatt vor. „Der Bundesregierung kommt hier eine koordinierende Aufgabe zu. Das gilt auch für Netzausbau, bei dem sich alle Beteiligten eng abstimmen sollten“, betont Schwieters. Gerade der Ausbau der Netze ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Energiewende zu einem Erfolg wird. Denn in Zukunft wird Strom dezentral erzeugt und dazu bedarf es einer entsprechenden Infrastruktur für dessen Einspeisung. Damit verbunden ist ein Wechsel von einer starren und zentralen zu einer dezentralen und flexiblen Energiewirtschaft. Die Erzeugung regenerativer Energien hängt von klimatischen Faktoren ab und unterliegt daher starken Schwankungen. „In Zukunft brauchen wir mehr Flexibilität im Energiesektor, um Angebot und Nachfrage besser zu synchronisieren. Das aktuelle Grünbuch der Bundesregierung gibt in puncto Flexibilisierung den richtigen Kurs vor“, sagt Schwieters.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Energiewende noch immer erfolgreich sein kann, dass die Zielerreichung jedoch stark von einer zeitnahen Erweiterung bestehender Maßnahmen abhängt.

Über den Energiewende Outlook

Die PwC-Experten haben für den Energiewende Outlook Studien von ca. 250 renommierten Forschungseinrichtungen und Unternehmen sowie Presseberichte zum Thema ausgewertet. Die Bandbreite der Marktmeinung dient als Ausgangsbasis für die weitere Analyse. Dafür setzen die Experten von PwC ein eigens entwickeltes Rechenmodell an.

PM: PwC

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