Erneuerbare Energien sorgen im Norden für geteilte Meinungen

(WK-intern)Windkraft sorgt im Norden derzeit für gemischte Gefühle. Während in Mecklenburg-Vorpommern so viel Öko-Strom wie noch nie produziert wird, wächst in Schleswig-Holstein die Angst vor einem kompletten Stromausfall aufgrund von unvorhersehbaren Schwankungen bei der Energiegewinnung.

In Mecklenburg-Vorpommern stehen alle Zeichen auf Zukunft. Wie das Statistische Landesamt Anfang Dezember in Schwerin mitteilte, hat der Anteil an erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr die 60-Prozent-Marke überschritten. Genau 61,1 Prozent machte der Ökostrom 2013 bei der gesamten Stromerzeugung in Mecklenburg-Vorpommern aus. Davon bildete die Windkraft den größten Anteil (33 Prozent), gefolgt von Biogas (16,3 Prozent) und Photovoltaik (7,6 Prozent). Während die Stromerzeugung zu weiten Teilen bereits durch erneuerbare Energien gesichert wird, kann man das von der Wärmeerzeugung jedoch noch nicht sagen: Hier ist Erdgas mit Abstand die Nummer eins.

In Schwerin blickt man mit dieser Bilanz positiv in die Zukunft, doch im Nachbarbundesland steht man dem Energiewechsel teilweise skeptisch gegenüber. Auch in Schleswig-Holstein nimmt die Zahl der Windkraft- und Photovoltaikanlagen immer weiter zu. Und genau das verursacht Bedenken. Die regenerativen Energieerzeuger sind im Gegensatz zu Kohle- und Atomkraftwerken nämlich extrem abhängig von Wetterveränderungen. Das sorgt für schwer berechenbare Schwankungen im Netz. Der Netzbetreiber Tennet, der auch für Schleswig-Holstein verantwortlich ist, musste im letzten Jahr um die 1.000 Mal regulierend eingreifen, um das Stromnetz stabil zu halten. Im Vergleich zu früher hat sich die Zahl der notwendigen Regulationen damit verdreifacht. Der gestiegene Überwachungsstandard erfordert auch eine zuverlässige IT-Überwachungs- und Managementsoftware, damit alle Überwachungsanlagen reibungslos funktionieren. Bei sehr großen Schwankungen müssen Stromflüsse umgeleitet und Ressourcen ab- und zugeschaltet werden, um das Level von 50 Hertz zu halten und Unter- oder Überspannung zu vermeiden.

Trotz aller Überwachung und Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu Stromausfällen. 2013 waren davon laut einer Statistik der Bundesnetzagentur rund 50 Millionen Haushalte betroffen. Damit war jeder Kunde im Schnitt 15 Minuten ohne Strom. Ein Zeitraum, den man gut überbrücken kann. Mehr Angst bereiten den Verantwortlichen jedoch unberechenbare Faktoren, die zu einem flächendeckenden Stromausfall über mehrere Tage führen könnten. Eine solche Situation gab es bereits vor gut einem Jahr, als Orkan „Christian“ über Schleswig-Holstein hinwegfegte und für 130 dezentrale Stromausfälle sorgte. Der Netzbetreiber hat dabei zu unkonventionellen Mitteln gegriffen und den Vorfall somit schnell in den Griff bekommen: „Da sind wir mit Notstromaggregaten über das Land gefahren. Wir haben unter anderem Bauern beim Melken geholfen und eine Tankstelle in Betrieb genommen”, sagte Olaf Struck, Sprecher des regionalen Stromnetzbetreibers Schleswig-Holstein Netz.

Viele Städte können im Ernstfall auch auf alternative Stromerzeugungsmethoden zurückgreifen. In Flensburg beispielsweise haben die Stadtwerke weitere Heizkessel in petto, die bei einem flächendeckenden Stromausfall in Betrieb genommen werden könnten. 2015 will die Stadt zudem eine neue Gas- und Dampfturbinenanlage in Betrieb nehmen, mit der sie noch schneller auf solche Zwischenfälle reagieren könnte. Für das Ausmalen von Katastrophenszenarien ist es somit zu früh.

Foto: Windräder by Peter Heilmann, on Flickr
Bildrechte: Flickr Windräder Peter Heilmann CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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