Risikomanagement für Offshore-Windanlagen: Versicherungswirtschaft gibt Empfehlungen

VdS: Infografik zum Risikomanagement von Windparks
VdS: Infografik zum Risikomanagement von Windparks

Offshore-Windanlagen sicher bauen und betreiben – Versicherer veröffentlichen Offshore Code of Practice

(WK-intern) – Vor der Insel Helgoland ging vor einigen Tagen der Offshore-Windpark „Meerwind Süd/Ost“ im Probebetrieb ans Netz.

Insgesamt können damit in Deutschland rund 1.000 Megawatt Energie mit Windrädern auf hoher See erzeugt werden. Bis zum Jahr 2030 sollen es nach Plänen der Bundesregierung 15.000 Megawatt sein. Das würde sauberen Strom für bis zu 15 Millionen Privathaushalte bedeuten, das entspricht der Summe der Privathaushalte von Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Versicherungswirtschaft unterstützt die Energiewende mit ihrer Expertise und hat jetzt Empfehlungen zum sicheren Bau und Betrieb, den Offshore Code of Practice (OCoP), veröffentlicht.

Der Bau von Windparks in Nord- und Ostsee stellt Errichter, Betreiber und Versicherer vor technische Herausforderungen, weil es mit dieser jungen Technik nur wenig Erfahrung gibt. Mit dem OCoP können Gefahren frühzeitig erkannt und eingeschätzt werden: Risiken, wie beispielsweise Munitions-Altlasten auf dem Meeresboden, deren Bergung den Bau verzögert und die Kosten steigen lässt. Oder wenn beim Transport der Bauteile, die mindestens 20 Jahre dem Meerwasser standhalten müssen, der Korrosionsschutz beschädigt wird – dabei können hohe Reparaturkosten entstehen.

Für jeden Arbeitsschritt des Baus und Probebetriebs werden Gefahren beschrieben und anhand von vier Kategorien – geringes, mittleres, hohes und sehr hohes Risiko – beurteilt. Daraus lassen sich signifikante Risiken und Schutzmaßnahmen ableiten. Mit den Kategorien – sehr gut, ausreichend, mangelhaft – wird die potenzielle Wirkung der Schutzmaßnahmen beurteilt. Schwerpunktmäßig betrachtet werden unter anderem Risiken bei der Innerparkverkabelung, der Parkinterne Offshore-Umspannstation und bei der Offshore-Windenergieanlage. Diese Prozessbereiche werden in Arbeitsschritte unterteilt, wobei eine Risikoanalyse unter anderem

  • bei der Beladung und dem Binnentransport
  • bei der Bauteilmontage im Hafen
  • bei der Positionierung und Ankersetzung, der Verlegung des Innerparkkabels, das den Strom innerhalb der Plattform leitet
  • beim Anschluss des Innerpark- und des Seekabels, das den Strom durch das Meer an Land transportiert und
  • beim Anschluss des Parks an das Stromnetz und bei den Testläufen empfohlen wird.

Für die Innerparkverkabelung beispielsweise wurden 34 Risiken identifiziert, bei der parkinternen Offshore-Umspannstation 190. Dabei handelt es sich überwiegend um Gefahren mit einem hohen bis sehr hohen Risikopotenzial, die mit entsprechenden Schutzmaßnahmen wesentlich abgefedert werden können. Gefahren, die trotz entsprechender Schutzmaßnahmen hoch riskant sind, wurden zum Beispiel bei der Baugrunduntersuchung erkannt. Weicht die tatsächliche Baugrundbeschaffenheit von den Untersuchungsergebnissen ab, können Pfähle nicht tief genug eingebracht werden oder eine Pfahlsetzung ist im jeweiligen Seeboden gar nicht möglich.

Die Leitlinie ist eine unverbindliche Empfehlung. Sie kann den besonderen Bedingungen eines Projektes angepasst werden. Ziel ist es, sie parallel zu den gesetzlichen Vorgaben bei der Errichtung von Offshore-Windanlagen zu nutzen. Für den OCoP analysierten die Versicherer gemeinsam mit 90 Experten aus verschiedenen Bereichen der Offshore Windindustrie über 500 Risiken und benennen konkrete Schutzmaßnahmen. Der OCoP schafft Risikotransparenz und ist eine Anleitung zum Risikomanagement beim Bau und beim Probebetrieb von Offshore-Windkraftanlagen.

Der OCoP steht hier zum Download bereit.

Pressemitteilung der Versicherungswirtschaft (VdS)

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