Französische Atomindustrie landet in der Wirklichkeit, im Konkurs

Pressefoto: Hans-Josef Fell
Pressefoto: Hans-Josef Fell – Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG

Atomrenaissance geht in Konkurs

  • Aufrüttelnder UNEP-Bericht: Die Zeit läuft davon
  • VIK gibt irreführenden Industriestrompreis-Index heraus

(WK-news) – Die vielbeschworene Renaissance der Atomenergie landet in Wirklichkeit im Konkurs von AREVA, EDF und wohl auch des französischen Staates.

Immer wieder wurde und wird der Atomausstieg Deutschlands von den Atombefürwortern hämisch als Sonderweg der dummen Deutschen diffamiert.

Der französische Neubau des Reaktors in Flamanville und das finnische Projekt in Oikilouto galten als leuchtende Beispiele für die von billiger Energiezeugung getragene Atomrenaissance. In einem Bericht des Handelsblattes (s. Ausgabe vom 20. November) wurde gestern aber klar aufgezeigt: Die Atomenergie bringt den einst stolzen französischen Atomkraftwerksbauer AREVA schnurstracks in den Konkurs, vor allem wegen der Finanzdesaster Flamanville und Oikilouto.

Seit 2011 hat AREVA bereits 3,1 Mrd. Euro Verluste eingefahren. 2014 werden wohl nochmal 1 Mrd. Euro dazu kommen. Da keine Besserung in Sicht ist, wird das Eigenkapital von AREVA dann wohl in zwei bis drei Jahren völlig aufgebraucht sein. Gleichzeitig werden auch die finanziellen Belastungen des hochverschuldetet Atomkraftwerksbetreiber EDF immer höher, unter anderem wegen des Finanzdebakels in Flamanville.

Nun soll der französische Staat AREVA mit Milliardensubventionen vor dem Konkurs retten. Eine äußerst fragwürdige Strategie, denn auch Frankreich ist hoch verschuldet. Die französischen Staatschulden belaufen sich derzeit auf 93,5% des BIP, was deutlich über der Vorgabe des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU von 60% des BIP liegt. Das ist die derzeitige Situation Frankreichs, die der Atomrenaissance geschuldet ist. Nun hat die französische Regierung die Wahl: Entweder geht AREVA bankrott oder der französische Staat.
Wann endlich begreifen die Atomkraftbefürworter, dass die Atomenergie nicht nur zur radioaktiven Verseuchung großer Landstriche führt, nicht nur in die atomare Bewaffnung, sondern auch ganze Konzerne und Staaten ökonomisch ruiniert?

Aufrüttelnder UNEP-Bericht: Die Zeit läuft davon

Das United Nations Environment Programme (UNEP) hat in seinem neuen „Emissions Gap Report“ wieder einmal erschütternde Zahlen vorgelegt. Die Berechnungen zeigen, dass die Weltgemeinschaft es mit den jetzigen Maßnahmen nicht einmal schafft, den globalen Temperaturanstieg auf 2 Grad zu begrenzen. Dafür müsste der Treibhausgasausstoß 2020 bereits 4 Prozent unter dem Wert von 2010 liegen (s. Grafik). Doch auch dann hätte der Klimawandel verheerende Folgen für die Menschheit. Daher ist nur eine Strategie mit Nullemissionen und einer Kohlenstoffreinigung der Atmosphäre eine Chance, dem Klimawandel wirksam zu begegnen.
Trotzdem sind die Entscheidungsträger und Think-Tanks noch immer der alten Rhetorik der letzten zwanzig Jahre verhaftet und fordern dieselben Maßnahmen, die zu nichts geführt haben außer den höchsten globalen CO2-Emissionen aller Zeiten im letzten Jahr.
Beim gestrigen Treffen der UN-Initiative Sustainable Development Solutions Network (SDSN) zur Klimafinanzierung zeigte sich abermals diese Tendenz: Die meisten Redner machten nur Vorschläge zum Green Climate Fund (GCF), der, ausgestattet mit 100 Mrd. US-Dollar, Klimaschutzmaßnahmen befördern soll. Es gab kaum Vorschläge, wie der Finanzwirtschaft Anreize gegeben werden könnten, um private Investitionen vollständig in den Klimaschutz umzulenken.
In meinem Redebeitrag hob ich hervor, dass der GCF kaum mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, angesichts der jährlichen privaten Investitionen von etwa 3.000 Mrd. US-Dollar in das fossile Energiesystem und jährlichen 550 Mrd. US-Dollar staatlicher Direktsubventionen in den fossilen Sektor. Daher forderte ich Rahmensetzungen wie Einspeisevergütungen, CO2-Steuer und Subventionsabbau. Um den GCF positiv wirken lassen zu können, muss das Geld genutzt werden, um private Investitionen anzureizen, und somit eine höhere finanzielle Wirkung zu erreichen. Ein gutes Modell hierfür ist etwa das GET-FiT-System (Global Energy Transfer Feed-in Tariffs) für Entwicklungsländer, ein Programm der Deutschen Bank und der KfW-Bank im Auftrag der UN (s. z. B.: www.getfit-uganda.org).

VIK gibt irreführenden Industriestrompreis-Index heraus

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) tritt seit Jahren als Kritiker der Erneuerbaren Energien in der Öffentlichkeit auf. Angeblich würden diese die Industriestrompreise erhöhen.
Er veröffentlicht auch seit einigen Jahren den sogenannten VIK-Index, der die Entwicklungen der Industriestrompreise darstellt. Die Industriestrompreise sind aber aufgrund des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren deutlich gesunken und nicht gestiegen, wie es der VIK behauptet. An seinem eigenen VIK-Index lässt sich dies gut ablesen.
Da der VIK jedoch unentwegt weiter behauptet, Erneuerbare Energien würden zu steigenden Industriestrompreisen führen, passt die Entwicklung des VIK-Indexes nicht zu der vertretenen Position. Nun hat der VIK beschlossen einen neuen Index herauszugeben, der den alten ersetzen soll: den VIK-IndexEndpreis (http://bit.ly/1xblt6H). Der neue Index enthält zusätzlich staatlich induzierte Strompreiselemente, Steuern und Abgaben, welche die Industrie vielfach wegen Befreiungen gar nicht zahlen muss. Aber es soll nun offensichtlich der Eindruck entstehen, die Industriestrompreise seien seit 2002 um 150% gestiegen.
Dieser Wechsel des VIK Index soll also offensichtlich die Öffentlichkeit täuschen: Die real stattfindende preissenkende Wirkung der Erneuerbaren Energien für die Industriestrompreise soll künftig verschwiegen werden – ein erneuter Fall der vielen propagandistischen Handlungen der erbitterten Klimaschutzgegner im VIK.

Infobrief: Hans-Josef Fell

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