Schleswig-Holsteins erster Klimadeich schützt Büsum

Wattenmeer wird zur Müllhalde der Schiffahrt / Foto: HB
Nationalpark Wattenmeer / Foto: HB

Mit seinem ersten Klimadeich rüstet sich Schleswig-Holstein für die Folgen des Klimawandels.

Nach zweijähriger Bauzeit wurde in Büsum der erste Deich neuen Typs fertiggestellt und vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) abgenommen.

BÜSUM – Der 2,7 Kilometer lange Deich schützt 3200 Hektar des Büsumer Kooges und des Hafenkooges und damit die Stadt Büsum mit ihren 6300 Einwohnern.

„Der Büsumer Deich stand auf der Prioritätenliste des Generalplans Küstenschutz ganz oben“, sagte Dietmar Wienholdt, der im Kieler Küstenschutz- und Umweltministerium die Abteilung Wasserwirtschaft leitet, bei der Bauabnahme. Das Deichprofil, die Deichhöhe und die Kleiabdeckung entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Nun bekommt Büsum einen Deich, der alle heutigen Sicherheitsanforderungen erfüllt und für die verschiedenen Szenarien des Klimawandels gerüstet ist. Neue Deiche in Schleswig-Holstein werden künftig nach diesem Typ gebaut“, sagte Wienholdt.

Die Besonderheit des Klimadeiches sind seine breite Deichkrone und die flache Außenböschung. Sie ermöglicht es, den Kronenbereich des Deiches zu verstärken, ohne die Deichbasis nochmals verändern zu müssen. Sollte es der Meeresspiegelanstieg in einigen Jahrzehnten erfordern, könnte der Deich eine Art Kappe erhalten. Das wäre baulich relativ einfach und kostengünstig. „Unsere Generation hat den Meeresspiegelanstieg mit verursacht. Daher stehen wir in Verantwortung, künftigen Generationen einen guten Schutz zu ermöglichen“, sagte Umweltminister Robert Habeck. Zwar entstünden für den Klimadeich jetzt zehn Prozent höhere Kosten, mit dem Konzept würden künftigen Generationen aber vielfach höhere Ausgaben erspart.“

Der neue Deich ist bis zu 30 Zentimeter höher als bisher und liegt 8,10 bis 8,90 Meter über dem mittleren Meeresspiegel. Die Deichkrone wurde von 2,5 auf 5 Meter verbreitert. Die Außenböschung weist flache Neigungen von 1:9 bis 1:15 auf. Besonderheiten sind eine Watttribüne mit zwei Balkonen sowie zahlreiche gepflasterte Wege, Rampen und Treppen. Sie wurden so gebaut, dass sie auch von Menschen mit Handicap genutzt werden können.

Die unmittelbare Lage am Ortszentrum und die hohe touristische Beanspruchung erforderten besondere Abläufe bei Planung und Bau des Deiches, für den 350.000 Kubikmeter Erde in den Sommerhalbjahren bewegt wurden. So blieb der Zugang zum Watt und zur Familienlagune während der zweijährigen Bauzeit erhalten. „Das war nicht einfach, aber wichtig“, sagte Wienholdt.

Die Gesamtkosten betragen etwa 13,8 Millionen Euro. 7,4 Millionen werden dem Küstenschutz zugerechnet und vom Land, dem Bund und der EU übernommen. 5,6 Millionen Euro entfallen auf Maßnahmen, die nicht dem Küstenschutz dienen und daher von der Gemeinde Büsum mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums (Tourismusförderung) getragen werden.

Hintergrund

In Schleswig-Holstein existieren auf 433 Kilometern Landesschutzdeiche. Sie schützen zusammen mehr als 95 Prozent der insgesamt fast 3.950 Quadratkilometer überflutungsgefährdeten Küstenniederungen. 93 Kilometer dieser Landesschutzdeiche müssen in den kommenden Jahren verstärkt werden. In den letzten 10 Jahren (einschl. 2014) standen durchschnittlich 63 Millionen Euro pro Jahr für den Küstenschutz zur Verfügung. Etwa 20 Millionen davon werden für die Unterhaltung der Küstenschutzanlagen aufgewendet, der Rest wird für Maßnahmen zur Verbesserung des Küstenschutzes wie Deichverstärkungen und Sandaufspülungen eingesetzt.

Das Landesprogramm Schleswig-Holstein wird kofinanziert aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds ELER und dem Europäischen Strukturfonds EFRE.

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein

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