5. OLEC-Jahrestagung liefert Fakten zur Windenergienutzung im Nordwesten

Windenergie braucht Fläche und Akzeptanz

Niedersachsen hat gute Chancen, das führende Windenergieland in Deutschland zu bleiben.

Dafür sind neue Flächen, aber auch alternative Vermarktungsmodelle für den Ökostrom notwendig, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern.

(WK-intern) – Auf der fünften Jahrestagung des Oldenburger Energieclusters OLEC e.V. nahmen Experten und Politiker die Perspektiven der Technologie genauer unter die Lupe. Mit 80 Teilnehmern gab es erneut eine hohe Resonanz auf die Veranstaltung des Netzwerkes.

Mit 5530 Anlagen und einer installierten Nennleistung von 7,8 Gigawatt ist Niedersachsen unangefochten an der Spitze der Windstatistiken. Das sind knapp 25 Prozent der gesamten installierten Leistung in Deutschland und in keinem anderen Bundesland wird mehr Windstrom erzeugt. „Niedersachsen profitiert wirtschaftlich erheblich von der Windenergie und gehört zu den absoluten Gewinnern der Energiewende. Darum haben wir auch eine besondere Verantwortung und müssen etwas tun“, unterstreicht Dr. Christoph Schmidt-Eriksen, vom Referat für erneuerbare Energien am niedersächsischen Umweltministerium. Konkret will die Landesregierung bis Anfang 2015 einen Windenergieerlass vorlegen und dessen Ergebnisse verbindlich in neue Raumordnungspläne gießen. Danach sollen umgerechnet auf die Landkreise 1,4 Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete für die Windenergie ausgewiesen werden, um bis 2050 eine Leistung von 20 Gigawatt zu erreichen. „Wir brauchen dringend neue Flächen für den Zubau, aber auch für den Austausch von alten gegen neue Anlagen. Dabei wird es aufgrund der räumlichen Strukturen aber keine konfliktfreie Planung geben. Wer den Menschen einen sehr großen Abstand zur Wohnbebauung als Puffer verspricht, verabschiedet sich von der Energiewende“, sagt er.

Insgesamt plant die Landesregierung mit 4000 Anlagen, wobei ein Großteil des Bestandes durch neue und leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden soll. Bisher konzentriert sich die Windenergie auf die Landkreise Aurich, Cuxhaven, Emsland und Diepholz. Dort stehen etwa 30 Prozent der niedersächsischen Leistung. Einen hohen Zuwachs hat das Deutsche Windenergie Institut DEWI zudem in den Landkreisen Friesland und Soltau-Fallingbostel ausgemacht und sieht in einigen Regionen noch Potenzial. „Es gibt Luft nach oben, aber in einigen windstarken Regionen kein Flächenpotenzial mehr für den Zubau“, stellt Till Schorer vom DEWI fest. Dabei muss die Branche auch mit dem neuen EEG rechnen, das Kürzungen der Förderung vorsieht, die vor allem für windstarke Regionen greift. Je nach Standort liegen diese in einer Spanne zwischen sieben und 18 Prozent. Zudem weht der Wind nicht so, wie in den langfristigen Prognosen unterstellt wurde. Daher sinken die Ertragsaussichten an den niedersächsischen Standorten um zusätzlich 8,6 Prozent. „Die künftigen Projekte müssen hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit neu bewertet werden“, so Dr. Knud Rehfeld, Geschäftsführer der Deutschen WindGuard. Daher komme es neben der Ausweisung von Flächen vor allem auf die Technologie an. „Durch die Absenkungen entsteht ein hoher Kostendruck. Auf den muss die Branche reagieren, zumal ein Großteil der niedersächsischen Standorte nicht besonders windstark ist. Eine Lösung liegt in der Optimierung der Windenergieanlagen, damit mehr Kilowattstunden erzeugt werden“, sagt er.

Und dieser Strom ist zumindest an den Küsten schon konkurrenzfähig. Auch das kann sich für den Nordwesten noch auszahlen, glaubt Timo Poppe. „Langfristig gesehen werden sich Industrieunternehmen eher im Norden ansiedeln, weil hier der Strom günstiger sein wird als im Süden Deutschlands“, stellt der Generalbevollmächtigte Infrastruktur der EWE AG fest. Und mit diesem Strom ist es ohnehin so eine Sache. Während die Stromkunden Milliarden für die EEG-Umlage zahlen, können sie keinen heimischen Ökostrom beziehen. Der wird stattdessen an der Börse verramscht und zu grauem Strom vermischt. Über diesen Fakt wurde auch auf der OLEC-Veranstaltung lebhaft gestritten. „Für die Akzeptanz ist es wichtig, dass Kunden Strom aus regionalen oder lokalen EEG-Anlagen beziehen können“, findet Ruth-Brand-Schock, politische Sprecherin von Enercon. Darum hat der Windanlagenbauer seit neuestem auch Stromtarife im Angebot, die zu 100 Prozent aus deutschen Anlagen gedeckt werden.

An einem neuen Vermarktungsmodell für deutschen Ökostrom arbeiten auch engagierte Energiehändler. „Der lokale Bezug ist wichtig und darum brauchen wir ein ehrliches Marktmodell für deutschen Ökostrom, dass ohne Zertifikate für norwegische Wasserkraft funktioniert“, fordert Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy. Während an diesem Konzept auch große Unternehmen interessiert seien, ist die Politik verhaltener. Karsten Becker, energiepolitischer Sprecher der SPD im Landtag wies auf die Kosten und drauf hin, „dass es für alle Kunden ein bezahlbares Angebot geben muss und viele den Anbieter eher wegen des Preises wechseln“. Ähnlich äußerte sich auch Axel Miesner von der Landtagsfraktion der CDU. Allerdings stellte sich auf der Podiumsdiskussion auch die Frage nach der politischen Verantwortung. Schließlich ist das EEG für den Staat kostenneutral, weil er die Ausgaben auf den Stromkunden abwälzt und gleichzeitig über Steuern und Abgaben an jeder Kilowattstunde mitverdient. „Eine Reduzierung der Stromsteuer für den Bezug von Energie aus EEG-Anlagen würde viele Probleme lösen und die Nachfrage ankurbeln“, ist sich Volker Bajus von der Landtagsfraktion der Grünen sicher. Mit dem Vorschlag einer generellen Absenkung der Stromsteuer konnte sich Niedersachsen bei der Reform des EEG jedoch nicht durchsetzen.

Den Rückblick zur Veranstaltung sowie alle Präsentation der Referenten finden Sie hier.

PM: OLEC

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