Wirtschaftsfaktor, Landschaftspfleger oder Umweltsünder? Die Bedeutung der Agrarwirtschaft für den ländlichen Raum

Mehr als 100 Meter tief ist die Gülle in den ländlichen Böden, alle Hausbrunnen sind bereits verboten
In der Schweiz und in Österreich lange schon verboten, in Deutschland werden weiterhin Oberflächenwasser und Grundwasser durch die Landwirtschaft verseucht, doch deutsche Politiker und Bauernverband sehen noch immer keinen Handlungsbedarf / Foto: HB

17. Berliner Gespräch über die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaftlichen Räume

Experten diskutieren auf dem 17. Berliner Gespräch Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft

(WK-intern) – Beinahe 120 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft konnte die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V. (FNL) am Abend des 16. Oktober 2014 zu  ihrem 17. Berliner Gespräch mit dem diesjährigen Titelthema: „Wirtschaftsfaktor, Landschaftspfleger, Umweltsünder? Die Bedeutung der Agrarwirtschaft für den ländlichen Raum.“ begrüßen.

In der Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund ging es dabei nach den Begrüßungsworten des FNL-Geschäftsführers Dr. Anton Kraus und Grußworten seitens des Gastgebers durch Ministerialdirigent Konrad Schmid zuvorderst um die Bedeutung, die die deutsche Agrarwirtschaft zukünftig in den ländlichen Räumen spielen wird und kann.

In ihrem Impulsvortrag machte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Maria Flachsbarth, MdB, sogleich deutlich, dass eine starke, zukunftsorientierte Landwirtschaft und damit die positive Entwicklung der ländlichen Räume ein wichtiges Thema für die Bundesregierung sei. Dazu gehöre auch die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland. „Wir wollen in Deutschland Haltungsbedingungen weiterentwickeln, die dem Tierwohl bestmöglich gerecht werden und eine wirtschaftlich auskömmliche Veredelungswirtschaft in unserem Land ermöglichen.“ Darüber hinaus erörterte die Parlamentarische Staatssekretärin einige aktuelle gesetzgeberische Aktivitäten ihres Ministeriums.

Daran anschließend entwickelte sich unter Leitung des Moderators Detlef Steinert, Chefredakteur des dlz agrarmagazins, eine angeregte Diskussion zwischen der Impulsgeberin Dr. Maria Flachsbarth, MdB, sowie dem Bundestagsabgeordneten und Obmann im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung, Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen), Hermann Kroll-Schlüter, Präsident  des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes (ILD), und Joachim Rukwied, Vorsitzender des Vorstandes der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft und Präsident des Deutschen Bauernverbandes.

Joachim Rukwied stellte dabei heraus, dass die Regionen in Deutschland, die zu den prosperiendsten gehören, eine starke Land- und Agrarwirtschaft beherbergen. Er ergänzte weiter: „Die Landwirtschaft ist eine Zukunftsbranche, die Innovation und Tradition zu verbinden weiß. Unsere Landwirte arbeiten tagtäglich verantwortungsvoll mit ihren Tieren, mit den natürlichen Ressourcen Luft, Wasser und Boden. So tragen sie seit Generationen dazu bei, dass sich Deutschlands Kulturlandschaften vielfältig entwickeln.“

Kritischer positionierte sich zur Rolle der Landwirtschaft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner, der sich hinsichtlich agrarstruktureller Entwicklungen Sorgen macht: „Mittlerweile findet häufig das Prinzip „Wachsen durch Weichen“ Geltung und ich frage mich schon, ob die Wachstumsaktivitäten landwirtschaftlicher Betriebe in dieser Form erstrebenswert sind?“ Hermann Kroll-Schlüter ging in seiner Positionierung auf einen weiteren, zurzeit häufig diskutierten Aspekt ein. „Regionalisierung bedeutet, ein größeres Innovationspotenzial zu erschließen. Es bedeutet auch, größere Unterschiede zwischen den Regionen zu akzeptieren. Regionalität schafft und gibt Raum für die konkrete Verantwortung und diese Verantwortung gibt dem Leben der Menschen vor Ort einen Sinn.“

Die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth, MdB, betonte aus ihrer Sicht noch einmal die grundsätzliche Bedeutung der Agrarwirtschaft für die ländlichen Räume: „Landwirtschaft macht das Landleben, die ländlichen Räume erst lebendig. Sie ist auch Grundlage vielen sozialen und kulturellen Engagements, wie beispielsweise die Aktivitäten der LandFrauen eindrucksvoll dokumentieren.“

In einem kurzen Statement konnte FNL-LandRat Ulrich Löhr deutlich machen, inwieweit Landwirte heutzutage vor Ort häufig persönlich unter pauschaler Kritik an ihrer Arbeit zu leiden hätten und wie negative Stimmungsmache weit in die Privatsphäre hineinreiche. Dorota Bialczak, polnische Botschaftsrätin für Landwirtschaft und Mitglied im Vorstand des Veranstaltungspartners, dem Club der Berliner Agrardiplomaten, lieferte den anwesenden Gästen einen Blick über die nationale Debatte hinaus. Deutlich wurde dabei, dass die Diskussion über die Rolle der Landwirtschaft im Nachbarland Polen nicht vergleichbar sei mit der zurzeit eher kritischen Stimmung in Deutschland, sondern man sich ganz eindeutig auf die positive wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konzentriere und negative Stimmen hinsichtlich Tierhaltungs- oder Umweltschutzfragen bisher kaum zu vernehmen seien.

Zum Abschluss standen alle Teilnehmer den Zuschauern für Fragen zur Verfügung, so dass sich vor dem Ausklang des Abends eine kurze Diskussion entwickelte.

PM: Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL)

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