AKW-Brunsbüttel: Atomaufsicht rechnet auch in Kaverne III mit erheblich beschädigten Fässern

Vattenfall-Kernkraftwerk Brunsbüttel: Kavernen-Inspektion geht weiter

BRUNSBÜTTEL/KIEL – Im Kernkraftwerk Brunsbüttel soll am Freitag (10. Oktober 2014) eine weitere Kaverne mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen zur Inspektion geöffnet werden.

(WK-intern) – In der Kaverne III lagern insgesamt 75 Fässer, weit überwiegend mit Verdampferkonzentrat aus dem Reaktorbetrieb. Zunächst werden Temperatur und Feuchtigkeit in der Kaverne gemessen. Am kommenden Montag beginnen dann die visuellen Inspektionen der Fässer. Dies teilte die Atomaufsicht heute (9. Oktober 2014) mit.

In der vergangenen Woche hatte die Vattenfall-Betreibergesellschaft die Inspektion der Kaverne I abgeschlossen. Da die ersten Einlagerungen in der Kaverne III im Jahre 1979 erfolgten, rechnet die Atomaufsicht auch hier mit erheblichen Schäden.

Insgesamt sind in den Kavernen bisher 335 Fässer inspiziert worden, von denen 102 stark beschädigt waren (wanddurchdringende Korrosion, Austritt von Fassinhalt, Deckel lose o.ä.) Fristgerecht Ende September hat Vattenfall der Atomaufsichtsbehörde einen ersten Entwurf für ein Bergungskonzept vorgelegt, das gegenwärtig mit der Atomaufsicht erörtert und dann von Sachverständigen geprüft werden wird. Das Konzept muss auch in Zukunft noch erweitert werden. Grund sind die bei der letzten Inspektion der Kaverne II festgestellten Schäden, insbesondere der Fund eines deformierten Fasses sowie ausgetretenen Fassinhalts. Beides lässt sich mit den bislang entwickelten Greifvorrichtungen nicht bergen. Auch für die weiteren Inspektionen ist nicht auszuschließen, dass neue Erkenntnisse die Erweiterung der Bergeeinrichtung notwendig machen. Die Atomaufsicht verfolgt das Ziel, dass die Betreibergesellschaft die Inspektionen bis Jahresende abschließt und danach so schnell wie möglich mit der Bergung beginnt. Das soll verhindern, dass sich der Zustand der Fässer weiter verschlechtert.

Hintergrund:

In sechs unterirdischen Lagerstätten (“Kavernen”) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle (631 Fässer) aus dem Reaktorbetrieb. Es handelt sich im Wesentlichen um Filterharze und Verdampferkonzentrate.

Die Fässer lagern in 6 Kellerräumen, den sogenannten Kavernen des Kernkraftwerks. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie bilden mit Betonwänden und Betonriegeln die Barriere, um die Umwelt vor Strahlung zu schützen. So sind sie durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann.

Die Abfälle sind auf die Endlagerung im niedersächsischen “Schacht Konrad” vorzubereiten, u.a. durch Verpackung aller Abfälle in bauartgeprüfte, speziell zugelassene Behälter. Das Endlager Konrad wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die Fässer am Standort Brunsbüttel gelagert werden, zunächst in den bereits bestehenden Transportbereitstellungshallen, dann in einem neu zu errichtenden Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, das im Zuge des beantragten Rückbaus des Kernkraftwerks entstehen soll.

Die Kavernen sind nur von oben zugänglich. Die Öffnung der Betonriegel und die Arbeiten an den geöffneten Kavernen sind im Hinblick auf den Schutz des Bedienungspersonals und der Bevölkerung unbedenklich. Die Einhaltung der Strahlenschutzvorschriften (wie Betonabschirmungen, Fernbedienung, vorsorglicher Atemschutz) werden von der Reaktorsicherheitsbehörde mit Unterstützung durch Sachverständige des TÜV NORD überwacht.

PM: Land S-H

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