Energiespeicher sind mittelfristig für Netzstabilität nötig – aber keine Alternative zum Netzausbau

Exemplarische Darstellung der EE-Einspeisung und der Verbraucherlast im Winter (5. Kalenderwoche im Wetterjahr 2011), Quelle: Eigene Darstellung auf Basis eigener Simulationen (IWES)
Exemplarische Darstellung der EE-Einspeisung und der Verbraucherlast im Winter (5. Kalenderwoche im
Wetterjahr 2011), Quelle: Eigene Darstellung auf Basis eigener Simulationen (IWES)

Energiewendeminister Robert Habeck stellt Studie vor

KIEL – „Energiespeicher sind mittelfristig für Versorgungssicherheit und Netzstabilität von Bedeutung, derzeit hat aber der Netzausbau in Schleswig-Holstein oberste Priorität.”

(WK-intern) – Dieses Fazit zieht Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck aus einer Studie, die das Ministerium beim Beratungsunternehmen Ecofys und dem Fraunhofer Institut IWES in Auftrag gegeben hat. Darin wurden aktuelle und künftige Speichermaßnahmen betrachtet und Empfehlungen für systematische Entwicklungen erarbeitet.

„Speicher sind eine Schlüsseltechnologie für eine intelligente Energiewendeinfrastruktur. Wir brauchen sie dann, wenn die Erneuerbaren Energien einen sehr hohen Anteil an der Stromversorgung stellen – voraussichtlich gegen Ende des kommenden Jahrzehnts“, sagte Habeck.

„Die Studie zeigt aber, dass Speicher keine Antwort auf Netzengpässe und regionale Stromüberschüsse sind. So ärgerlich es ist, wenn Strom aus Wind und Sonne teilweise nicht eingespeist werden kann – um diesen überschüssigen Strom zu speichern, müssten sehr große und leistungsintensive Speicher zum Einsatz kommen. Diese sind – gleich welche Technologie – noch weit von der Wirtschaftlichkeit entfernt“, sagte Robert Habeck. „Ein rascher Netzausbau ist sinnvoller und kostengünstiger. Wenn das jetzt geplante Leitungsnetz in Schleswig-Holstein Wirklichkeit ist, wird es faktisch keinen überschüssigen Strom aus Erneuerbaren Energien mehr geben. Deshalb treiben wir den Netzausbau weiter energisch voran.“

Mittelfristig müssten Speicher aber ihren Beitrag für Versorgungssicherheit und Netzstabilität leisten. „Dann müssen sie große Teile der Aufgaben übernehmen, die heute konventionelle Kraftwerke haben“, sagte Habeck. An dieser Funktion von Speichern werde das Land seine Innovationsstrategien ausrichten. „Wir werden Forschung und Entwicklung von Speichern als Teil des Energiesystems fördern, hier muss und wird die Politik eine gezielte Unterstützung leisten.“ Es seien dabei nicht nur technologische Entwicklungen zu unterstützen sondern ebenso Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen anzustellen und die Entwicklung von Geschäftsmodellen voran zu treiben.

Netzstabilität und Versorgungssicherheit ließen sich volkswirtschaftlich sinnvollerweise aber nur bundesweit und im europäischen Zusammenhang betrachten, sagte Habeck. „Der Ausbau des deutschen und die Stärkung eines europäischen Stromnetzes sowie die Bereitstellung von Flexibilitäten und von Netzmonitoring schaffen die Bedingungen, unter denen sich die Marktfähigkeit von Speichern entscheidet.“ Jedes neue Strommarktdesign muss hierfür die entscheidenden Anreize liefern.“ Mit der Studie sei in Schleswig-Holstein nun die strategische Grundlage gelegt, um zu entscheiden, wie Forschung und Entwicklung von Speichern in Schleswig-Holstein sinnvoll gefördert werden können.

Kernpunkte der Studie

• In den Blick genommen wurden nahezu alle Speichertechnologien, teils anhand von konkreten Projekten aus Schleswig-Holstein. Zu den Technologien gehören elektrochemische Speicher (Batterien), mechanische Speicher wie Pumpspeicherkraftwerke und Druckluftspeicher und chemische Speicher (zB wasserstoffbasierte Speicher). Technische Potenziale stellen demnach in Schleswig-Holstein keine Begrenzung dar. Allerdings kommen Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu dem Schluss, dass ein marktgetriebener Einsatz von Speichern in naher Zukunft nicht zu erwarten ist.

• Bei differenzierten Bewertungen müssen sich die Speichermöglichkeiten daran messen lassen, wo dezentral Storm erzeugt wird, wo es zu Engpässen kommt und wie Strom aus und in andere Regionen transportiert wird. Beim heutigen Übertragungsnetz sind in Schleswig-Holstein bis 2020 nur maximal 1600 Stunden mit negativer Residuallast zu erwarten – also Stunden, in denen mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Bei Netzengpässen wird Strom, der nicht eingespeist werden kann, derzeit im Rahmen des Einspeisemanagements abgeregelt. Die Intensität dieser Maßnahmen schwankt zeitlich stark und ist lokal unterschiedlich. Daher ist eine angemessene Dimensionierung von Speicherkapazitäten zur vollständigen Aufnahme von abgeregeltem Strom (Überschussstrom) per se nicht darstellbar. Ein Einsatz von z.B. Batterielösungen an einzelnen Netzknotenpunkten ist laut der Studie eine individuelle betriebswirtschaftliche Entscheidung und der Betrieb lediglich bis zum erfolgten Netzausbau sinnvoll.

• Mit dem geplanten Netzausbau auf der Verteil- und Übertragungsnetzebene wird es darüber hinaus in Schleswig-Holstein keine nennenswerten Überschusssituationen mehr geben. Speicher sind demnach keine Alternative zum Netzausbau, wenn es darum geht, regional überschüssigen Strom zu nutzen. Netzausbau ist kostengünstiger als entsprechende Speicherlösungen.

• Gleichwohl können Speicher in der Zukunft eine wichtige Funktion haben. Die anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung zu den potentiellen Nutzeffekten von Speichern in Energiesystemen mit einer hohen Durchdringung mit dezentralen Erzeugungstechnologien und EE Einspeisung ist wegen der strategischen Relevanz und der langfristigen Potentiale gerechtfertigt. Die Förderung entsprechender Initiativen in Schleswig-Holstein ist insbesondere auch wegen der herausragenden Position des Bundeslandes und der Region plausibel. Vor dem Hintergrund der abgeleiteten Erkenntnisse scheint es angemessen, insbesondere systemischen Aspekten des Speichereinsatzes erhöhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Speicherstudie_Kurzfassung.pdf

PM: Nicola Kabel  |  Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume S-H

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