Die Atomaufsicht meldet: Bisher 38 von 217 untersuchten Atommüllfässer im Kernkraftwerk Brunsbüttel mit schweren Beschädigungen

Bundesamt für Strahlenschutz hat nichts mehr unter Konrolle / Grafik: HB
Bundesamt für Strahlenschutz hat nichts mehr unter Konrolle – Asse ist einsturzgefährdet, die Rückholung ist laut BfS “sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar”. Radlader beim Abkippen von Atommüll-Fässern in der Asse, gleiches wird wohl auch im Schacht Endlager Konrad in Niedersachsen geschehen / Grafik: HB

Bei der Inspektion der Kavernen des Kernkraftwerks Brunsbüttel sind bislang an 38 Fässern mit schwach- bis mittelradioaktiven Abfällen starke Rostschäden oder andere schwere Beschädigungen festgestellt worden.

(WK-intern) – Teilweise ist die Korrosion wanddurchdringend, teils sind Fassinhalte ausgetreten. Insgesamt sind von 631 Fässern bisher 217 untersucht worden. Das berichtete Energiewendeminister Robert Habeck heute (12. September 2014) dem Landtag in Kiel.

KIEL/BRUNSBÜTTEL – Besonders starke Schäden wiesen 20 von 118 Fässern in der Kaverne II auf, die im August inspiziert worden war. Zum Teil waren sie so beschädigt, dass Fassinhalte ausgetreten sind und sich auf dem Boden der Kavernen ausgebreitet haben. Hinweise auf Schäden an den Kavernen selbst haben die Untersuchungen dagegen nicht ergeben.

Bislang hat der Betreiber des Kernkraftwerks, Vattenfall, drei von sechs Kavernen (Kaverne II, IV und V) mittels einer Spezialkamera inspiziert. “Die Atomaufsicht drängt darauf, dass die Inspektion der drei weiteren Kavernen bis Jahresende abgeschlossen ist. Ziel sollte sein, dass Vattenfall danach so schnell wie möglich mit der Bergung beginnt. Wir dürfen nicht riskieren, dass der Zustand der Fässer sich weiter verschlechtert”, sagte Minister Habeck.

Die Inspektion der Kaverne II hatte ergeben, dass vor allem Fässer, die 1983 und 1985 eingelagert worden waren, korrodiert sind. Allerdings wiesen auch Fässer, die Ende der 90er Jahre befüllt wurden, Rostschäden auf. Gesundheitsgefahren für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Kernkraftwerks und für die Bevölkerung bestehen nicht, da die Kavernen durch meterdicke Betonriegel von der Umgebung abgeschirmt sind.

Die Atomaufsicht hat den Betreiber Vattenfall aufgefordert, bis Ende September ein spezielles Bergungskonzept vorzulegen, mit dem alle Fässer sicher gehandhabt werden können, um sie in sichere Behältnisse zu verpacken. “Die Atomaufsicht führt laufend Gespräche mit Vattenfall. Bislang liegt das Unternehmen im Zeitplan”, sagte Habeck.

Die Atomaufsicht hat zudem eine umfassende Analyse der Lagerungspraxis der vergangenen knapp 40 Jahren veranlasst, bei der sie auch externe Sachverständige hinzuziehen wird. “Für die Kernkraftwerke Krümmel und Brokdorf wissen wir, dass es keine vergleichbare Problematik gibt. Dennoch werden wir uns die Einlagerungsbedingungen und die Kontrollmechanismen genau ansehen. Wir müssen sicherstellen, dass es solche Befunde nicht noch einmal gibt”, sagte Habeck. “In der Vergangenheit wurde immer darauf gesetzt, dass die Fässer bald in das Endlager Konrad in Niedersachsen kommen und sie so lange schon noch halten würden. Das Prinzip Wegsehen darf aber nicht Grundlage für den Umgang mit Atommüll sein.”

Hintergrund:

In unterirdischen Lagerstätten (“Kavernen”) des Kernkraftwerks Brunsbüttel befinden sich schwach- und mittelradioaktive Abfälle (631 Fässer) aus dem Reaktorbetrieb. Es handelt sich im Wesentlichen um Filterharze und Verdampferkonzentrate.

Die Fässer lagern in 6 Kellerräumen, den sogenannten Kavernen des Kernkraftwerks. In den 631 Stahlfässern werden radioaktive Abfälle (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Reaktors aufbewahrt. Die Kavernen befinden sich im Keller des Feststofflagers. Sie bilden mit Betonwänden und Betonriegeln die Barriere, um die Umwelt vor Strahlung zu schützen. So sind sie durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel von oben her abgeschirmt. Diese Betonriegel reduzieren die Strahlung so weit, dass oberhalb der Kaverne unter Strahlenschutzmaßnahmen gefahrlos gearbeitet werden kann.

Die Abfälle sind auf die Endlagerung im niedersächsischen “Schacht Konrad” vorzubereiten, u.a. durch Verpackung aller Abfälle in bauartgeprüfte, speziell zugelassene Behälter. Das Endlager Konrad wird voraussichtlich Anfang des kommenden Jahrzehnts zur Verfügung stehen. Bis dahin sollen die Fässer am Standort Brunsbüttel gelagert werden, zunächst in den bereits bestehenden Transportbereitstellungshallen, dann in einem neu zu errichtenden Zwischenlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, das im Zuge des beantragten Rückbaus des Kernkraftwerks entstehen soll.

Was ist Verdampferkonzentrat?

Die im Kontrollbereich eines Kraftwerks anfallenden Abwässer müssen gesammelt und gereinigt werden, bevor sie wieder an das Flusswasser abgegeben werden. Dies geschieht in Verdampferanlagen. Die Konzentrate, in denen die Radioaktivität des Abwassers zu 99,9% zurückbehalten wird, müssen gesammelt, getrocknet und gelagert werden. Die Abfälle enthalten trotz der Jahrzehnte langen Abklingzeit noch relevante Mengen an Cäsium 137, einem typischen Abfallprodukt der Kernspaltung.

Bei der Inspektion der Kaverne II hatte sich herausgestellt, dass aus Fässern mit Verdampferkonzentraten Fassinhalt ausgetreten und sich in breiiger Form auf einer Folie am Boden gesammelt hatte, die die Betreibergesellschaft vor der Einlagerung der Fässer ausgelegt hatte.

Weitere Informationen zum Ergebnis der Inspektionen sowie zu der grundsätzlichen Problematik finden Sie im Internet unter:

http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/ReaktorsicherheitStrahlenschutz/Reaktorsicherheit/Brunsbuettel/KkwBrunsbuettel_node.html

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume S-H

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