Internationale Windkunst in Nordhessen 7. bewegter wind 17.-31.8.2014

7. Internationaler Kunstwettbewerb "bewegter wind" 17.-31.8.2014
7. Internationaler Kunstwettbewerb “bewegter wind” 17.-31.8.2014

Die Preisträger des 7. Internationalen Kunstwettbewerbs

(WK-intern) – Das Wettbewerbsthema « between » hat sich während des 7. Windkunstfestivals auf sehr vielfältige Weise manifestiert. Schon die Ausstellungsorte im Windpark Söhrewald und am Schenkelsberg in Kassel-Oberzwehren boten Kontraste zwischen Stadtlandschaften, Waldpfaden und Weitblicken.

Die thematische Umsetzung der fast 60 Künstlerinnen und Künstler zeigte reizvoll und differenziert, wie Künstlersprache und Arbeitsstil sich der Aufgabe gestellt haben. Es waren genau diese kleinen Situationen « dazwischen », die manchmal den Atem anhalten liessen um auch die kleinste Windbewegung im Kunstwerk mitzubekommen.

Bei den Ausstellungsrundgängen kam man ins Gespräch über Kunst, Wetter und die Orte, zu denen die Kunst gelockt hatte. Man konnte Kunst in Kassel an Orten erleben, die sonst für andere Themen stehen. Dabei Stadtteile, Waldwege und Windaspekte neu zu entdecken sind erwünschte Nebeneffekte. Der TalkWalk des Spaziergangsforschers Bertram Weisshaar ist ein bleibendes Angebot.

Einige Arbeiten wie der « Windtranslator » von Dimitri Dimov und Lora Azzah, der « Klang der Stille » von Peter Schäck, « Leicht wie der Wind » von Peter Neuberger, « Zwischen Schwarz und Weiss » von Anke Sauer, Tornadoformen von Emil Dobriban und « Fresh Relocate » von Vagaram Chouadry entwickelten sich zu Publikumslieblingen. Andere Arbeiten waren leiser und subtiler in ihrer Wirkung. Besucher erzählten, dass sie zweimal kamen um sie in allen Aspekten wahr zu nehmen.

Die Preisjury hatte sich einer umfassenden Aufgabe zu stellen um die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen 7. Kunstwettbewerbs zu ermitteln.

Jurymitglieder waren :

Bernhard Balkenhol, geb. 1951, studierte 1970-75 Grafik Design und Kunst/Visuelle Kommunikation für das Lehramt Gymnasium an der HfbK Kassel und war lange Zeit Kunsterzieher an einem Gymnasium in Darmstadt. Seit 1988 lehrt er an der Kunsthochschule Kassel Kunstdidaktik mit den Schwerpunkten Methoden der Kunst und Vermittlung von Kunst. Seit 1996 – 2014 leitete er den Kasseler Kunstverein und hat dort zahlreiche Ausstellungen kuratiert.

Christof Kalden, geb.1961,

1982-90 Studium der Theologie in Marburg/L

1990-95 Studium der Bildhauerei an der Alanus Hochschule in Alfter

Lebt und arbeitet zur Zeit als freischaffender Bildhauer in Kassel.

Frei künstlerische Objekte, Auftragsarbeiten und Projekt bezogene pädagogische

Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen.

Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK)

Kordula Klose, geb.1955

1975 – 1981 Studium der Metallbildhauerei an der Kunstakademie Kassel

seit 1988 Plastische Arbeiten für den öffentlichen Raum

Kordula Klose ist Bildhauerin, lebt und arbeitet in einem ehemaligen Bahnhof in Calden – Fürstenwald. Dort betreibt sie ein kleines Café, in dem sie auch ein ambitioniertes Kulturprogramm realisiert.

Der Text zur Juryentscheidung nach dem Jurytreffen  am 28.8.2014

Ausstellung bewegter wind , Thema  between

Für die Jurierung der Arbeiten der diesjährigen Ausschreibung des Internationalen Kunstwettbewerbs between startete die Jury, bestehend aus Bernhard Balkenhol, Christof Kalden, Kordula Klose am Standort Schenkelsberg in Oberzwehren zu einem ausführlichen Rundgang. Gemäß des Themas between gingen sie auf die Suche nach Sichtbarem, Hörbarem, Fühlbarem und Erlebbarem in den Interaktionen, Entwicklungen, Bewegungen und Zwischenzuständen der Kunst gemacht.

Schon während des Rundgangs begann der Dialog, gerade dann, wenn Objekte und Orte  besonders ansprachen.

Aufgefallen ist eine große Bandbreite der verwendeten Medien von Video bis Stahlskulptur und auch der Umsetzung des Themas. Die Standorte waren gut gewählt, gleichzeitig gab es in nur wenigen Fällen eine echte Korrespondenz oder Interaktion von Standort und Objekt.

Gelungen war dies bei Peter Neuberger, dessen Objekt « Leicht wie der Wind 5 » in einem durch Windbruch entstandenen Freiraum zwischen Bäumen gespannt ist, bei Francis Attard, dessen technisch anmutende Arbeit «  Feeling Wind » neben dem Windrad placiert ist wie auch bei Peter Schäck, der raumgreifend den Wald selbst vernetzt hat.

Alle Arbeiten haben das Thema aufgenommen und eine eigene Position war lesbar.

Da keine der umgesetzten Arbeiten aus dem thematischen Rahmen fiel und deshalb die Möglichkeit eines Sonderpreises für eine besondere, aber aus dem Zusammenhang fallende Arbeit ungenutzt geblieben wäre, entscheiden die Juroren, das gesamte Preisgeld auf die drei ersten Preisträger zu verteilen und möchten zusätzlich lobende Erwähnungen aussprechen.

Lobend erwähnt wird die Arbeit «  Wind aktuell » von Wolfgang Heuwinkel, dessen Idee wie auch die Umsetzung gerade durch eine frische Frechheit überzeugt.

Auch die Arbeit von Yu Bogong und Megumi Shimizu «  Tales of the Wind » wird lobend erwähnt. Hier stimmen Material und Standort, die Idee und die Umsetzung sind stimmig und schaffen einen beeindruckenden Raum. Die Windfänger sind  wunderbar von Kassel aus zu sehen und entfalten so auch Fernwirkung. Interessant an dem Standort ist die direkte Nachbarschaft zu der Arbeit «  Windaktuell » wo zerfledderte Zeitungen und die optische Schmuddeligkeit des Ortes im Gegensatz zu der lichten Ästhetik des Objektes « Tales of the Wind » stehen.

Einstimmige Entscheidung gab es für folgende drei Preisträger.

Den 3. Preis mit dem Preisgeld von 500.- Euro erhält Anke Sauer für die Arbeit « zwischen Schwarz und Weiß ».

Anke Sauer hat in einer zurückhaltenden Weise mit einfachen Mitteln einen sehr präsenten Raum geschaffen, der artifiziell ist und doch korrespondierend mit der direkten Umgebung. Sie hat den Ort für die technischen Notwendigkeiten genutzt, die Technik der Verspannung tritt jedoch völlig in den Hintergrund und das zarte Material der Fäden kann sich frei bewegen und entfalten. Der durch die weißen und schwarzen Fäden entstandene Raum nimmt selbst den leisesten Windhauch auf und ist in ständiger Bewegung. Es entsteht ein Zwischenraum, ein beständig wechselnder Zwischenzustand, ein bewegter  poetischer Raum, der den Betrachter bezaubert und berührt.

 

Den 2. Preis, dotiert mit 1500 ,- Euro erhält Burkhard Uliczka

für die Arbeit «  Zwischen Leben leben-  Live between live ».

In einem gerodeten Waldteilstück unweit des Windrades entfalten sich junge Weidenbäume als kleine künstliche Schonung. Die Weiden sind mit schimmernden, blanken Metallkugeln präpariert, in denen der Wald, die Weiden selbst aber auch der Betrachter gespiegelt wird. Diese Kugeln sind so in den Weiden verankert, daß sie zu einer Einheit mit dem Baum einwachsen und das filigrane Weidenlaub spiegelt sich in der blanken Außenhaut der Kugeln, was dieser Arbeit einen gewissen Zauber verleiht.

Natur und artifizieller Eingriff verweben sich in dieser Arbeit in einer stimmigen Einheit.

 

Den 1. Preis, dotiert mit 2500,- Euro erhält Hannah Streefkerk

für die Arbeit «  to remember ».

Diese Arbeit hat in allem überzeugt. Die Korrespondenz mit dem Ort und gleichzeitig die deutliche Abgrenzung als artifizieller Eingriff.. Durch eine Dichte und starke Präsenz gerade ohne Wucht und raumgreifende Eingriffe.

Wie ein Sog zieht es den Betrachter in eine Miniaturwelt auf dem Waldboden, auf dem sich die zarte Arbeit entfaltet.

Mit großer Materialsensibilität sind die Blätter gleich den natürlichen Blättern nachgebildet und mit Sorgfalt  auf dem Waldboden befestigt. Überzeugt hat die Verarbeitung und Umsetzung der Idee der Arbeit. Die Vergänglichkeit zu konservieren als künstlerische Sichtbarmachung und  so über das Erinnern poetisch zu erzählen ist hier überzeugend gelungen.

Hier ist Kunst entstanden als eigenständige Antwort auf Natur.

 

In allen drei preigekrönten Arbeiten hat uns die Poesie der Idee wie auch der Umsetzung besonders berührt.

Kordula Klose, Bernhard Balkenhol, Christof Kalden

Weitere Informationen zu den PreisträgerInnen hier :

  1. Preis Hannah Streefkerk : http://hannahstreefkerk.viewbook.com/
  2. Preis Burkhard Uliczka : https://www.facebook.com/pages/Charles-Galerie-von-Burkhard-Uliczka/222003237914359
  3. Preis Anke Sauer : http://anke-sauer-kites.net/

Lobende Erwähnungen :

Wolfgang Heuwinkel http://www.w-heuwinkel.de/

Yu Bogong http://www.magician-space.com/ennews_details.aspx?id=111

und Megumi Shimizu : https://www.facebook.com/megumi.shim

 

Die Preisverleihung und Finissage

Das Team von einfachessen hatte am Morgen im Windpark Söhrewald zum Waldfrühstück inmitten der Ausstellung geladen. Die letzte Gelegenheit zu einem Ausstellungsrundgang wurde an beiden Orten genutzt. Ausstellungsbesuchern und Künstler kamen ins Gespräch über Windkunst in Landschaft.

Um 17 Uhr fand die öffentliche Preisverleihung in der Schenkelsbergschule in Kassel-Oberzwehren statt. Die Schulleiterin Daniela Dietrich-Krug, Reta Reinl für « bewegter wind e.V. » und Christof Nolda, Stadtbaurat der Stadt Kassel begrüßten die Gäste.

Welf Kerner interpretierte Windmusik mit seinem Akkordeon. Ausstellungsimpressionen wurden gezeigt um die Atmosphäre der letzten Wochen zu beschreiben.

Die Förderer des Festival überbrachten Grüße von der SUN- STadtwerkeunion Nordhessen, dem Umwelt-und Gartenamt der Stadt Kassel, dem Landkreis Kassel, der Kasseler Sparkasse, art regio-Sparkassen Versicherung, den Städtischen Werken, dem Bundesverband Windenergie, Baureka und der delta Waldeck-Frankenberg. Ohne diese Förderer ,das Engagement der Künstlerinnen-und Künstler und vieler Helfer könnte « bewegter wind » nicht stattfinden.

Christof Nolda verlas die Begründung der Jury und überreichte zusammen mit Reta Reinl die Preise.

Künstler und Besucher stießen an und brachen gemeinsam zu einem letzten Ausstellungsgang am Schenkelsberg auf.. Das 7. Windkunstfestival klang beschwingt aus und zeigte einmal mehr faszinierende Aspekte des Windes.

Hintergrund:

7. Internationaler Kunstwettbewerb:

Zum Thema „between“ ist der Kunstwettbewerb ausgeschrieben und aus 140 Bewerbungen aus 24 Ländern wurden fast 60 Exponate ausgewählt, die jetzt in sehr unterschiedlichen Landschaftssituationen präsentiert werden. Windobjekte, Installationen, Performances und Videos werden präsentiert. Es gibt Windtürme, Tornado-Skulpturen, sich erneuernde Herzen, riesige QR-Codes, Audioinstallationen, wehende Schwarz-Weis-Räume, Kokons zwischen Netzen und noch so viel mehr zu entdecken.

In Zusammenarbeit mit der Stadtwerkeunion Nordhessen (SUN), dem Umwelt-und Gartenamt der Stadt Kassel und engagierten Partnern, Unterstützern und Helfern setzt der Verein „bewegter wind“ diese Idee der Landschaftsausstellung um. Windkunst wird in Nordhessens Landschaft inszeniert und lädt zu Entdeckungen zwischen zeitgenössischer Kunst und dem Naturelement Wind ein.

Veranstalter von Kunstwettbewerb und Landschaftsausstellung ist “bewegter wind” e.V.- Verein zur Förderung der Windkunst und interkultureller Kommunikation, der das Windkunstfestival gemeinsam mit Partnern und Helfern organisiert. Alle zwei Jahre in den letzten beiden Augustwochen werden Kunst, Wind und Natur an wechselnden Ausstellungsorten miteinander inszeniert. Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm begleitet, das zum Entdecken von Landschaft und Exponaten einlädt.

Seit 2004 fand das Windkunstfestival schon an bisher 24 Orten der Region statt. Dabei stellten in 8 Jahren 239 Künstlerinnen und Künstler aus 35 Ländern mehr als 400 Windideen aus. So werden auch in diesem Sommer bewegte und bewegende Objekte animieren zum Kunst-in-Natur-Ausflug. Die Umsetzungen der Künstler überraschen immer wieder auf Neue. Einem Teil der Künstlerinnen und Künstler  wird man bei der Arbeit begegnen können.

„bewegter wind“ seit 2004

Windkunst in Landschaft kann in Nordhessen eine erfolgreiche Vorgeschichte aufweisen. Seit 2004 werden die Kunstwettbewerbe weltweit ausgeschrieben. Seit 10 Jahren schon sind Veranstalter und Künstlerinnen und Künstler dem Phänomen Windkunst auf der Spur.

Internationales Interesse und erfreuliches Feedback führten zur Gründung des gemeinnützigen Vereins „bewegter wind“ zur Förderung der Windkunst und interkultureller Kommunikation. Initiatorin und Kuratorin ist die Künstlerin Reta Reinl.

Ziel ist es, die Windkunst als faszinierende, vielfältige Metapher zu fokussieren und durch Kontinuität und Nachhaltigkeit den Kunstwettbewerb und die weiterführende Vereinsarbeit zu fördern, Kunsterlebnisse in und mit der Natur anzubieten, eine Plattform für internationale Windkunst zu schaffen und Kooperationen zu initiieren.

Windkunst

Was macht die Faszination Wind aus?

Wind ist global. Er ist vielgestaltig und ungreifbar. Bei „bewegter wind“ trifft die Ungestalt des Windes auf die Gestaltungskraft künstlerischer Formen.

Wind ist das einzige Element, das nicht sichtbar ist und erst durch die Beziehung zu den anderen Elementen wahrgenommen wird.  Er ist Naturphänomen und Symbol für Geist. Er steht für Fruchtbarkeit und Verwüstung, Wohltat und Stärke, Leben und Tod. Rund um den Globus findet sich die Ambivalenz seiner Eigenschaften: säuselnd und stürmisch, heulend und wispernd, wild und zahm, warm und kalt, kommunikativ und zentriert. Jede Landschaft ist durch ihn geprägt, jede Kultur ist von ihm beeinflusst. Sein Spiel mit Hoch- und Tiefdruck ist eine Metapher für Kommunikation im Hin- und Her der Winde der Welt. Diese vielfältigen Aspekte eines unsichtbaren Phänomens beschäftigen Künstlerinnen und Künstler weltweit.

Mit freundlicher Unterstützung von

SUN – Stadtwerkeunion Nordhessen // Kassel – documenta Stadt, Umwelt-und Gartenamt //  Kasseler Sparkasse //  Bundesverband WindEnergie // Städtische Werke AG //  art regio- SV Sparkassenversicherung // wpd – think energy // Baureka // delta Waldeck-Frankenberg GmbH // Landkreis Kassel //

PM: bewegter wind

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