Kritik am neuen EEG bei Windenergie-Fachtagung im Kieler Schloss

(WK-intern) – Von einer Ruhe nach den Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) war unter den 200 Teilnehmern der Windkraft-Konferenz windWERT in Kiel wenig zu spüren. „Wir können davon ausgehen, dass wir, was Novellierungen angeht, kaum noch zur Ruhe kommen“, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands WindEnergie (BWE) mit Blick auf die vom Bundeswirtschaftsminister bereits angekündigte erneute Gesetzesreform für 2016. Das neue EEG war erst zum 1. August dieses Jahres in Kraft getreten. Albers war zusammen mit 14 weiteren Referenten von der Netzwerkagentur windcomm schleswig-holstein zu der Veranstaltung eingeladen worden, um über aktuelle politische und technische Themen der Onshore-Windkraft zu sprechen.

Erst kürzlich hatte der BWE die Zubauzahlen für das erste Halbjahr 2014 präsentiert: 159 Windkraftanlagen mit einer installierten Leistung von 443 Megawatt wurden zwischen Januar und Juni dieses Jahres im nördlichsten Bundesland aufgestellt. Damit lag Schleswig-Holstein mit weitem Abstand vor den anderen Bundesländern. Dr. Markus Hirschfeld vom Energiewendeministerium in Kiel ergänzte, 400 weitere Projekte seien bereits beantragt worden und befänden sich in Bearbeitung.

Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), sieht in der Energiewende auch weiterhin eine große Chance, Schleswig-Holsteins wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig zu stärken. Dazu seien konstruktive Ideen und Innovationsfreude gefragt. „Gerade im Bereich der Windenergietechnik ist die Weiterentwicklung des Know-hows – etwa zur Steigerung der Effizienz von Anlagen und Energiespeichern – unverzichtbar. Nur so können qualifizierte Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden“, erklärte Westermann-Lammers. Die IB.SH hat seit Anfang der 1990er Jahre als Konsortialpartner der regionalen Kreditwirtschaft Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien mit einem Investitionsvolumen von 2,6 Mrd. Euro kofinanziert.

Der Windkraftanlagen-Bauboom des ersten Halbjahres ist zum Teil auf Vorzieh-Effekte zurückzuführen. Für Windparks, die noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, gilt in der Regel noch das alte EEG mit höherer und vor allem sicherer Vergütung für den erzeugten Strom. Nach dem neuen EEG soll die Vergütung in Abhängigkeit vom Zubau vierteljährlich neu berechnet werden. Projektfinanzierungen seien weiterhin möglich, erklärte Holger Zervas, Leiter des Bereichs Firmenkunden der IB.SH. Allerdings würden die Kreditinstitute bei der Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Projekten in Zukunft voraussichtlich höhere Ansprüche an die Projektbeteiligten sowie die Eigenmittelausstattung und die Kapitalreserve stellen.

Ab 2017 soll die Vergütung für Erneuerbare-Energien-Projekte über Ausschreibungen ermittelt werden. Den Zuschlag würde dann das Unternehmen erhalten, das grünen Strom zum vermeintlich günstigsten Preis produzieren kann. Dieser Punkt des neuen EEG wurde während der windWERT von mehreren Referenten kritisiert. Studien aus anderen Ländern belegen, dass die Anzahl der Markteilnehmer durch Ausschreibungsverfahren abnehmen kann. Dadurch sind Preissteigerungen möglich. Hermann Albers bezeichnete es als einen „Schritt zur Remonopolisierung“ der Energiewirtschaft. „Dieses EEG geht exakt in die falsche Richtung“, erklärte Professor Dr. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg und appellierte an die Teilnehmer, der Bundesregierung dies deutlich zu machen. Gegen den Willen der Bevölkerung und der großen Energieversorgungsunternehmen werde die Bundeskanzlerin keine Ausschreibungsmodelle durchsetzen. Hohmeyer präsentierte außerdem seine Thesen, nach denen Deutschland bis zum Jahr 2035 seine Energieversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umstellen und die EEG-Umlage trotzdem unter 3,5 Cent pro Kilowattstunde halten könne.

Um innovative Windmesssysteme, die eine optimale Ausrichtung der Windkraftanlage erlauben, Verbesserung der Strömung an den Rotorblättern und weitere Möglichkeiten der Ertragsoptimierung ging es in den technischen Vorträgen. „Die Integration der wetterabhängig schwankenden Windenergie in das Stromnetz, die Anpassung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen an die Nachfrage und die Umsetzung der politischen Ziele der Energiewende sind Themen, die Stoff für viele weitere Konferenzen liefern“, sagte Holger Arntzen von der Netzwerkagentur windcomm. Die nächste windWERT findet am Dienstag, 25. August 2015, wieder im Kieler Schloss statt. Näheres dazu unter www.windcomm.de.

PM: windcomm schleswig-holstein – Netzwerkagentur Windenergie

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Top