Österreich: Trotz Benachteiligung, Biogas im Erdgasnetz steigt um 52 Prozent

Power-to-Biogas zur Stabilisierung des Stromnetzes / Foto: HB
Power-to-Biogas zur Stabilisierung des Stromnetzes / Foto: HB

Die ins Erdgasnetz eingespeiste Menge an Biogas wird heuer im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent steigen.

Dieses Jahr gingen bis dato zwei neue Großanlagen ans Netz.

(WK-news) – Im Gegensatz zur Direktverstromung gibt es für das Einspeisen von Biogas ins Gasnetz nicht nur keine Förderungen, sondern sogar eine zusätzliche Belastung durch die Erdgasabgabe, kritisiert der Fachverband Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen.

Wien – In Österreich gewinnt die Energieversorgung mit Biogas zunehmend an Bedeutung: Es gibt rund 300 Biogasanlagen in Österreich. Das dort produzierte Gas wird anschließend etwa in Blockheizkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt. So können pro Jahr rund 550 Gigawattstunden geförderter Ökostrom produziert werden. Das entspricht dem Jahresbedarf von rund 16.000 Haushalten.

Neben dieser direkten Verstromung wird aufbereitetes Biogas in Form von Biomethan (= Bioerdgas) in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg direkt in das Erdgasnetz eingespeist. „Von Jänner bis Mai 2014 waren es bereits mehr als 35 Gigawattstunden. 2013 wurden insgesamt 55 Gigawattstunden eingespeist. Im Jahresperiodenvergleich entspricht das einer Steigerung von 52 Prozent”, sagt Mag. Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) und Sprecher der Initiative Gas.

Benachteiligung von Biomethan

Trotz der Steigerung wird die Einspeisung von hochqualitativem Biomethan in das Erdgasnetz nur stiefmütterlich vorangetrieben: „Das Einspeisen von Biomethan geht zögerlich voran, da es ab der Einspeisung steuerlich wie Erdgas behandelt wird, während es bei Direktverstromung gestützte Ökostromtarife gibt. Wenn wir Treibhausgase und Luftschadstoffe reduzieren wollen, braucht es hier eine Reform”, sagt Mock. Anlagen, die ihr aufbereitetes Biogas ins Erdgasnetz einspeisen sind vielversprechend, da das aufbereitete Biogas die gleichen Qualitäten wie Erdgas besitzt, aber so gut wie CO2 neutral ist.

Aus Biogas wird Biomethan (Bioerdgas)

Um Biogas in das Erdgasnetz einzuspeisen, muss es auf Erdgasqualität aufbereitet werden. In einem speziellen Verfahren wird der Methangehalt von 50-75 Prozent auf mindesten 98 Prozent gehoben. 2005 wurde die erste österreichische Aufbereitungsanlage in Betrieb genommen. Mittlerweile sind neun solcher Anlagen am Netz und speisen insgesamt bis zu sieben Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr in das Gasnetz ein. Doch gibt es laut Mock Potential für mehr: Nach Schätzungen des FGW könnten mit biogenen Abfällen in den bestehenden Anlagen zehn Millionen Kubikmeter Biomethan eingespeist werden. Würde man den Ausbau von Biogasanlagen weiter forcieren, ergäbe sich in Österreich eine Produktion von bis zu 700 Millionen Kubikmetern Bioerdgas.

Zwei neue Großanlagen

In Lustenau, Vorarlberg, werden seit diesem Jahr aus 18.600 Tonnen biogenen Abfällen pro Jahr 50 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das Gas wird durch die Vergärung von biogenen Abfällen aus ganz Vorarlberg produziert. Nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Energiegräser werden in der Anlage nicht vergärt. Nach der Aufbereitung hat das Biogas einen Brennwert von 10,98 Kilowattstunden pro Kubikmeter und damit die gleiche hohe Qualität wie Erdgas. Das produzierte Biomethan wird mit 500 Kubikmeter pro Stunde ins Erdgasnetz eingespeist und versorgt derzeit 300 vorarlbergische Haushalte. „Das Biomethan wird aus dem Land für das Land produziert”, sagt Dipl.-Ing. Johann Böckle von der Vorarlberger Energienetze GmbH.

Biogasanlagen leisten einen großen Beitrag zur CO2-Reduktion: Die Kapazität ist vorhanden, um bis zu 15.000 Haushalte in Vorarlberg mit 20 Prozent Biogas oder 3.000 Haushalte mit reinem Biogas zu versorgen. Die Kosten um einen Einfamilienhaushalt mit Biogas zu versorgen, sind etwa 80 bis 100 Euro mehr im Jahr als bei herkömmlichen Erdgas. „Der Vorarlberger ist bereit das zu bezahlen, um einen Beitrag zur Energieautonomie und für die Umwelt zu leisten”, sagt Böckle.

Im Juni ging eine weitere Großanlage in Margarethen am Moos ans Netz. Das erzeugte Gas wird zur Stromerzeugung verwendet und in das Erdgasnetz der EVN eingespeichert. Die eingespeiste Menge reicht aus, um 2.000 Haushalte zu versorgen. Derzeit werden rund 800 Kubikmeter Rohbiogas pro Stunde in der Biogasaufbereitungsanlage verarbeitet.

Über Biogas

Biogas entsteht durch Vergärung organischer Rohstoffe. Dabei werden in feuchter Umgebung und unter Luftabschluss biogene Abfälle, Nebenprodukte aus Industrie und Landwirtschaft und nachwachsende Rohstoffe zu Methan, Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Dieses Biomethan kann dann zur Strom- und Wärmeerzeugung in großen und kleinen dezentralen KWK-Anlagen verwendet werden. Bei entsprechender Qualität kann das Biomethan auch ins Erdgasnetz eingespeist werden und wird damit zum „Bioerdgas”. Aus 1,3 Kilogramm Bioabfall kann rund eine Kilowattstunde Energie gewonnen werden. Aus 1.000 Kilogramm Bioabfall kann für Wärme für eine vierköpfige Familie in einer 130 Quadratmeter Wohnung gewonnen werden.

PM: FGW / Fachverband der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Schreibe einen Kommentar

Top