Erstmals werden Windräder abgestellt, weil sie nicht mehr kostendeckend produzieren können

Enercon Windanlage / Foto: HB
Die Marktverzerrung auf dem Energiemarkt fordert ihre ersten Opfer / Foto: HB

Windräder werden abgestellt

Die Marktverzerrung auf dem Energiemarkt fordert ihre ersten Opfer: Erstmals werden Windräder abgestellt, weil sie nicht mehr kostendeckend produzieren können.

(WK-intern) – Wien: Die mangelnde Internalisierung externer Kosten von fossiler und Atomstromerzeugung, sowie der starke Anstieg der Kosten für Ausgleichsenergie und Netznutzung führen dazu, dass der Betrieb von Altanlagen kaum mehr möglich ist.

Wir fordern die Politik auf, keine weiteren Unterstützungsmaßnahmen für fossilen Kraftwärmekopplung(KWK)-Strom zu beschließen, sondern einen Ausgleichsmechanismus für Ökostrom-Altanlagen“, erklärt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und ergänzt: „Die Stilllegung funktionsfähiger Ökostrom-Anlagen, die zu sehr geringen Preisen sauberen Strom produzieren, ist volkswirtschaftlicher Unsinn.

Das geplante KWK-Punkte-Gesetz soll die Subventionierung der Kraft-Wärme-Kopplung durch die Verbraucher mit jährlich rund 40 Mio. Euro ermöglichen.“ Trotz dieser enormen Strommarktverzerrungen konnten Windräder aufgrund niedriger Betriebskosten bisher betrieben werden. Immer stärker ansteigende Kosten für Ausgleichsenergie sowie Netznutzung haben nun die Situation jedoch zugespitzt.

Ausgleichsenergie erzwingt Abstellen der Windräder

Vier Windräder in Groissenbrunn und Deutsch Wagram an der Donau mussten am 1. Juli abgestellt werden, weil sich der Betrieb nicht mehr rentiert.
In Österreich müssen die Windkraftbetreiber überzogene Kosten für Ausgleichsenergie bezahlen. „Mittlerweile liegen diese Zahlungen fast bei der Hälfte des aktuellen Großhandelspreises für Strom“, erklärt Moidl und fordert: „Diese Kosten müssen drastisch reduziert werden. In vergleichbaren Ländern wie Deutschland sind diese drei bis vier Mal niedriger. Die Kosten steigen laufend an, eine Handvoll Unternehmen verdient dabei exorbitante Summen. Die E-Control muss ihre Rolle als Regulator wahrnehmen und einen funktionierenden Markt initiieren.“ „Es ist volkswirtschaftlicher Unsinn, dass voll funktionsfähige Windräder aufgrund mangelhafter Rahmenbedingungen abgestellt werden müssen“, ist Leopold Lang, Windkraftbetreiber in Groissenbrunn, enttäuscht. „Es geht doch nicht an, dass in Österreich Kohle- und Gaskraftwerke subventioniert werden und diese an sich günstigere Windkraftwerke verdrängen“, ergänzt Walter Enzinger, Betreiber einer Windkraftanlage in Gföhl.

Nachträgliche Kürzung der Tariflaufzeit

Die betroffenen Anlagenbetreiber haben Ende der 90er Jahre im Vertrauen auf die NÖ Einspeisetarifverordnung investiert, welche von einer Nutzungsdauer der Anlagen von 15 Jahren ausging. Unglücklicherweise wurde bei Überführung des Fördersystems ins Ökostromgesetz 2002 eine Reduktion der Tariflaufzeit auf zehn Jahre vorgenommen. Dies kam völlig unerwartet und ohne sachliche Begründung. „Wir glauben, dass dies rechtlich nicht haltbar ist und haben daher geklagt.
70 Personen aus der Region haben sich an diesem Windrad beteiligt. Allein mit Blick auf unsere Beteiligten können wir nicht akzeptieren, dass die uns zugesagten Rahmenbedingungen nicht eingehalten werden“, erklärt Peter Ramharter, Geschäftsführer der Bucklige Welt Wind WICON Engineering GmbH&Co KG.

Gesetzliche Lösung für Altanlagen

Angesichts des im Parlament diskutierten KWK-Punkte-Gesetzes fordert Moidl: „Das Maß ist nun voll. Die Bevorzugung der fossilen Stromerzeugung muss endlich aufhören. Wir fordern stattdessen eine gesetzliche Lösung für Ökostrom-Altanlagen. Solange es keinen freien Wettbewerb gibt, muss es auch für Ökostrom-Altanlagen einen Mindestpreis geben.“

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PM: IG Windkraft

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