Korrosionserscheinungen bei Fässern mit radioaktiven Abfällen im Kernkraftwerk Brunsbüttel

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Fortsetzung der Kaverneninspektion im Kernkraftwerk Brunsbüttel

Die Inspektion von Stahlfässern mit radioaktiven Abfällen im Kernkraftwerk Brunsbüttel wird fortgesetzt.

BRUNSBÜTTEL/KIEL – Dazu will die Betreibergesellschaft Vattenfall die Kaverne Nr. 5 an diesem Donnerstag (19.06.2014) öffnen und anschließend die darin enthaltenen Fässer mittels einer Spezialkamera auf etwaige Korrosionserscheinungen untersuchen.

Ziel ist es, einen vollständigen Überblick über den Zustand aller Behälter zu bekommen, bevor sie geborgen und in endlagerechte Behältnisse umgefüllt werden. Zu der Untersuchung der Fässer zählt auch eine radiologische Charakterisierung mittels Oberflächendosisleistungsmessung.

2012 war bei Umfüllarbeiten ein stark verrostetes und teilweise zerstörtes Fass entdeckt worden. Eine erste umfassende Kamera-Inspektion im Februar 2014 in der Kaverne 4 hatte die Annahme bestätigt, dass weitere Fässer korrodiert sind. Die Kamera-Inspektion ergab, dass von 70 Fässern 18 Altfässer starke äußerlich sichtbare Korrosionserscheinungen aufwiesen. Insgesamt lagern in den unterirdischen Kavernen im Keller des Feststofflagers 631 Stahlfässern mit radioaktiven Abfällen (Filterharze, Verdampferkonzentrate und Mischabfälle) aus dem Leistungsbetrieb des Brunsbüttel-Reaktors.

Die Kavernen sind nur von oben zugänglich und dort durch 110 Zentimeter dicke Betonriegel abgeschirmt. Die Öffnung dieser Riegel und die Arbeiten an den geöffneten Kavernen sind im Hinblick auf den Schutz des Bedienungspersonals und der Bevölkerung unbedenklich. Die Einhaltung der Strahlenschutzvorschriften (wie Betonabschirmungen, Fernbedienung, vorsorglicher Atemschutz)  werden von der Reaktorsicherheitsbehörde mit Unterstützung durch Sachverständige des TÜV NORD überwacht.

Aufgrund der bislang festgestellten Korrosionserscheinungen ist Vattenfall gezwungen, verstärkte Strahlenschutzmaßnahmen bei der Handhabung der Fässer einzusetzen. Mittlerweile hat die Betreibergesellschaft eine neuartige Bergungseinrichtung konzipiert. Damit sollen nach Abschluss der Inspektionen sämtliche Fässer geborgen und in endlagerfähige Behältnisse umgefüllt werden. Bis das Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen genutzt werden kann (voraussichtlich ab 2021), sollen die Behältnisse im geplanten Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Standort zwischengelagert werden.

Hintergrund zum Inhalt der Kaverne 5:

In der jetzt zur Untersuchung anstehenden Kaverne 5 befinden sich neben radioaktiven Pumpenteilen aus dem Reaktorbetrieb auch 21 stählerne Rollreifenfässer mit Abfällen aus der belgischen kerntechnischen Anlage am Standort Mol. Diese Stahlfässer beinhalten getrocknete Schlämme, die nach dem Trocknen mittig einbetoniert und zusätzlich in Stahlringe eingelassen worden waren. Sobald detaillierte Informationen aus der anstehenden Kamerainspektion über den äußerlichen Zustand der Fässer vorliegen, wird darüber zu entscheiden sein, wie eine Verpackung nach den zu erwartenden Endlagerbedingungen für Schacht Konrad in Niedersachsen realisiert werden kann.

Hintergrund zu den „Mol-Fässern“:

Abfälle aus deutschen Kernkraftwerken sollten vor gut 30 Jahren im belgischen Mol endlagergerecht verpackt (konditioniert) werden. Diese Fässer enthielten nach der Konditionierung auch Rückstände aus belgischen Kernkraftwerken, was vertragswidrig war. Sie wurden damals falsch deklariert; dies wurde bekannt und entwickelte sich damals zu einem Skandal. Die Bundesregierung und die damaligen Landesregierungen verständigten sich darauf, dass die Abfälle bei jenen deutschen Kernkraftwerksbetreibern eingelagert werden sollten, die Abfälle nach Mol hatten liefern lassen. Dazu gehörte auch Brunsbüttel. Mehrere staatliche Stellen ließen bundesweit einen Teil der Fässer und der Abfälle exemplarisch untersuchen. Nach diesen Untersuchungen ergab sich, dass von den radioaktiven Abfällen keine Gesundheitsgefahren ausgingen. Außerdem wurde festgestellt, dass die Radioaktivität der Fässer mit sehr großem Abstand unterhalb der Grenze lag, die für radioaktive Abfälle gilt, die in die Endlagerstätte Konrad verbracht werden dürfen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter:  http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/Reaktorsicherheit …

PM: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume S-H

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