18. EUROFORUM-Jahrestagung Stadtwerke 2014

Was bedeutet der Ausbau der erneuerbaren Energien für die Verteilnetze? - Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung, Trianel GmbH, Aachen / Pressebild
Was bedeutet der Ausbau der erneuerbaren Energien für die Verteilnetze? – Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung, Trianel GmbH, Aachen / Pressebild

Tageszusammenfassung der 18. EUROFORUM-Jahrestagung Stadtwerke 2014 vom 15. Mai 2014

Herausforderung Energiewende – Was bedeutet der Ausbau der erneuerbaren Energien für die Verteilnetze?

(WK-intern) – Die Energiewende verändert das komplette Versorgungssystem. Im Norden wird zunehmend erneuerbarer Strom eingespeist, während vor allem in Süddeutschland bis 2022 die Kernkraftwerke vom Netz gehen.

Da dort jedoch die großen Verbrauchszentren liegen, steigt der Bedarf an Netzkapazitäten vor allem im Mittel- und Hochspannungsbereich. Nicht nur das Stromübertragungsnetz, auch die Stromverteilnetze müssen ausgebaut und modernisiert werden, denn an sie wird der überwiegende Teil der regenerativen Erzeugungsleistung angeschlossen. Annegret-Claudine Agricola von der Deutschen Energieagentur (dena) stellte zu Beginn des dritten Konferenztages Zahlen aus der dena-Verteilnetzstudie vor: Demnach müssen die Stromverteilnetze in Deutschland bis 2030 in einer Größenordnung von 135.000 km bis zu 193.000 km ausgebaut und auf einer Länge von 21.000 bis zu 25.000 km umgebaut werden. Dafür müssten zwischen 27,5 Milliarden und 42,5 Milliarden Euro investiert werden. Insbesondere der Einsatz innovativer Netzbetriebsmittel, die Anpassung technischer Richtlinien sowie die Abregelung der Erzeugungsspitzen dezentraler Erzeugungsanlagen könnten den Netzausbaubedarf jedoch verringern.

In der anschließenden Diskussionsrunde, an der Peter Franke (BNetzA), Jan Deuster (Stadtwerke Andernach) und Dr. Andreas Cerbe (RheinEnergie AG) teilnahmen, ging es um die Frage, wie es in der neuen Regulierungsperiode für die Stadtwerke nun weitergeht. Dabei betonte Dr. Andreas Cerbe, dass der dynamische Ausbau der erneuerbaren Energien vor allem auf dem Land große Veränderungen mit sich bringe. Hier würde deutlich mehr Energie eingespeist als verbraucht. Die Verteilnetze seien nicht darauf ausgelegt und könnten aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen mit dem schnellen Ausbau der Erneuerbaren nicht Schritt halten. Er forderte daher, die Geschwindigkeiten zu synchronisieren, Erzeugung und Verbrauch müssten in Einklang gebracht werden. „Die Versorgungsqualität muss gewährleistet sein. Da hängt unsere gesamte Volkswirtschaft dran“, so Dr. Andreas Cerbe.

Von Smart Grid bis Demand Side Management Konzepte für effiziente und wirtschaftliche Verteilnetze

Welche Lösungen bieten sich Netzbetreibern, um die Herausforderungen bei den Verteilnetzen im ländlichen Raum zu meistern? Stefan Willing von der RWE Deutschland AG stellte das vom Wirtschaftsministerium geförderte Verbundprojekt Smart Country vor, dessen Modellregion im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz liegt. Um die Energieflüsse im dortigen Testnetz auszugleichen, werde z. B. ein Biogasspeicher eingesetzt. Dessen Methan werde an sonnen- und windarmen Tagen zur Verstromung im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess genutzt. Angesichts der zunehmenden Schwankungen im Netz durch das Einspeisen volatiler Energien und die zunehmende Eigenstromerzeugung durch PV-Anlagen oder Mini-Blockheizkraftwerke brauche es zudem ein intelligentes Stromnetz. Hier setze das Projekt Smart Operator an, um Stromangebot und -nachfrage besser zu koordinieren.

Die zunehmenden Lastschwankungen im Netz waren auch für Dr. Christof Bauer von der Evonik Industries AG Thema. Der Bedarf an kurzfristigen Flexibilitäten steige im Zuge der Energiewende. „Da haben wir keinen Plan in der Tasche. Das System ist jetzt schon an vielen Stellen am Anschlag“, so Dr. Christof Bauer. Speicher seien hier keine Lösung: Allein um die Tagesproduktion einer 3 MW-Windturbine bei Volllast zu speichern, bräuchte es eine Vielzahl an Lithium-Ionen-Batterien (Wirkungsgrad 90 %). Würde man die aufeinanderstapeln, wäre der Turm fast so hoch wie das Windrad (90 m). Größeres Potenzial sehe er im Demand Side Management – also der kurzfristigen Reduktion bzw. Erhöhung des Stromverbrauchs und der Anpassung der Produktionsplanung an Preissignale des kurzfristigen Strommarktes. Hier gelte es jedoch regulatorische Hemmnisse aufzuheben, um so Innovationen zu ermöglichen.

PM: 18. EUROFORUM-Jahrestagung Stadtwerke 2014

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