Studie: Ausgleichsenergiekosten der Ökostrombilanzgruppe für Windkraftanlagen

Kosten könnten um 75% niedriger sein - © IG Windkraft - www.igwindkraft.at
Kosten könnten um 75% niedriger sein – © IG Windkraft – www.igwindkraft.at

Doppelte Kosten bei gleicher Leistung

IG Windkraft präsentiert eine aktuelle Studie zum Marktversagen im Ausgleichs- & Regelenergiemarkt

(WK-intern) – Wien -In den letzten beiden Jahren haben sich die Kosten der Ausgleichsenergie in Österreich mehr als verdoppelt. Mit der heute präsentierten neuen Studie „Ausgleichsenergiekosten der Ökostrombilanzgruppe für Windkraftanlagen“ von Jürgen Neubarth, e3 consult, wird sehr deutlich:

Der Löwenanteil der Zahlungen wird den Windkraftbetreibern aufgebürdet, obwohl diese nur für einen Teil der Kosten verantwortlich sind und ihnen auch keine Möglichkeit gegeben wird die Kosten zu reduzieren. Noch dazu gibt es enorme ungenutzte Potentiale für eine effizientere Integration von Windstrom in das österreichische Stromversorgungssystem, mit denen die hohen Kosten deutlich reduziert werden könnten. „Trotz vieler Diskussionen in den letzten beiden Jahren hat sich die Situation kaum geändert. Dabei stellt sich natürlich die Frage, warum die Akteure wie E-Control und OeMAG nicht aktiver sind“, stellt Stefan Moidl, IG Windkraft, fest und ergänzt: „Es ist höchst überfällig das System massiv weiterzuentwickeln.“

Aufgrund einer Gesetzesänderung des ElWOG 2010 führte die E-Control im Jahr 2012 eine marktbasierte Beschaffung von Sekundärregelleistung ein und änderte die Systematik zur Berechnung der Ausgleichsenergiepreise. Parallel dazu sind die Kosten für Ausgleichsenergie in Österreich in den vergangenen Jahren spürbar und gegen den internationalen Trend gestiegen – seit 2011 um mehr als das 2,5 fache. „Insgesamt explodierten auch die Kosten des gesamten Regelenergiemarktes von 90 Mio. Euro auf über 170 Mio. Euro pro Jahr“, berichtet Moidl und setzt fort: „Eine Kostensenkung ist noch immer nicht in Sicht.“

Zwtl: Ausgleichsenergie zum Großteil von Erneuerbaren bezahlt

Erneuerbare Energien treffen die Zahlungen für Ausgleichsenergie besonders stark, denn sie tragen einen wesentlichen Teil dieser Kosten. Die wenigen Teilnehmer des Regelenergiemarktes, die klassischen Energieerzeuger, reiben sich die Hände, denn zu ihnen fließen die zusätzlichen knapp 80 Mio. Euro. „Es ist unerträglich, dass die Erneuerbaren, wie die Windenergie, wenigen klassischen Energieversorgern zu einem Körberlgeld verhelfen, während die gestiegenen Kosten die Windkraftbetreiber beinahe in den Ruin treiben“, erklärt Moidl. „Mittlerweile sind die gesamten Belastungen auf 50% des Strommarktpreises angestiegen und liegen zwischen 1,6 und 1,7 Cent pro Kilowattstunde,“ so Moidl.
Auch die Kostenaufteilung bei der Ausgleichsenergie weist einen ungerechtfertigten Überhang zu Ungunsten der Windenergie auf. „Ein Großteil der Kosten für Ausgleichsenergie wird von der Ökostrombilanzgruppe getragen. Für die anderen Bilanzgruppen in der Regelzone der APG, die jedoch 75% der Ausgleichsenergiemengen verursachen, sind in Summe praktisch keine Kosten für ihre Bilanzgruppenabweichungen entstanden“, erklärt Studienautor Neubarth.

Zwtl: n Österreich kostet die Ausgleichsenergie für Windkraftanlagen drei bis vier Mal mehr

Die neue Studie „Ausgleichsenergiekosten der Ökostrombilanzgruppe für Windkraftanlagen“ führt auch Vergleiche mit anderen europäischen Staaten an. „In Österreich zahlen Windparkbetreiber für Ausgleichsenergie im Schnitt 3 bis 4 Mal mehr als in anderen europäischen Staaten – damit ist Österreich einsamer Spitzenreiter“, erklärt Neubarth und ergänzt: „Und das obwohl zum Beispiel in den Bilanzkreisen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber der Wind- und PV-Stromanteil mit 60% deutlich größer ist, als der Windstromanteil an der österreichischen Ökostromerzeugung der OeMAG mit 40%.“

Zwtl: Ökostrombilanzgruppe braucht Effizienzschub

Aus Sicht von Neubarth besteht „bei der Bewirtschaftung der Ökostrombilanzgruppe noch ein erhebliches Effizienz- und damit Kosteneinsparungspotential“. Bilanzgruppen in Europa mit ähnlich großem Windanteil handeln alle im Intra-Day-Markt um die Kosten zu reduzieren. „Im deutschen Markt können zum Beispiel die Übertragungsnetzbetreiber ihren Bedarf an Ausgleichsenergie für die Ökostrombewirtschaftung durch einen aktiven Intra-Day-Handel mittlerweile annähernd halbieren“, so Moidl und ergänzt: „Warum die OeMAG ausschließlich im Day-Ahead-Markt handeln muss und damit die Ausgleichsenergiekosten in die Höhe treibt ist mir wirklich unverständlich, vor allem auch weil das Ökostromgesetz die OeMAG wortwörtlich dazu verpflichtet alle Möglichkeiten der Minimierung der Aufwendungen für die Ausgleichsenergie auszuschöpfen“.
Auch bei der Einspeiseprognose der Windkraft für die OeMAG Bilanzguppe sieht Neubarth noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten.

Zwtl: Kosten könnten um 75% niedriger sein

Alles in allem muss der österreichische Regel- und Ausgleichsenergiemarkt möglichst rasch weiterentwickelt werden. „Im Benchmark ausgewählter europäischer Länder lässt sich das relative Einsparpotential für Österreichs Windkraftanlagenbetreiber mit etwa 75% abschätzen“, erläutert Neubarth. „Wie lange müssen die erneuerbaren Energien die klassischen Energieversorger noch mit Millionenbeträgen subventionieren?“, fragt Moidl und ergänzt abschließend: „Es ist höchste Zeit faire und kostengünstigen Ausgleichsenergiepreise für die Erneuerbaren zu garantieren und dafür den Regel- und Ausgleichsenergiemarkt in Österreich weiterzuentwickeln. Es braucht dringend rasche Reformen, unsere Studie gibt Hinweise wie es gehen kann.“

PM: IG Windkraft

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Schreibe einen Kommentar

Top