Wärmedämmung durch Begrünung von Häusern an der Fassade und auf dem Dach

Grüner Innenhof in Wien / Pressebild: / Copyright: TU Wien
Grüner Innenhof in Wien / Pressebild: / Copyright: TU Wien

Die Fassade lebt! Transparente Photovoltaikzellen sollen Strom erzeugen, darunter wuchern grüne Pflanzen.

Gärten an Fassaden und Dächern könnten Energie sparen und das lokale Klima verbessern.

In einem Forschungsprojekt der TU Wien wird untersucht, wie das am besten geht.

(WK-intern) – Für ihre Forschung wurde Azra Korjenic nun mehrfach ausgezeichnet.

Von alten, steinernen Gemäuern bis zu modernen Wärmedämmsystemen haben sich die Fassaden unserer Gebäude dramatisch verändert.

Vielleicht steht nun der nächste radikale Schritt vor der Tür: an der TU Wien experimentiert man derzeit mit der Begrünung von Häusern, sowohl an der Fassade als auch auf dem Dach. Transparente Photovoltaikzellen sollen Strom erzeugen, darunter wuchern grüne Pflanzen. Sie erhöhen durch Kühlung der Photovoltaik-Module den Ertrag und sorgen gleichzeitig für Wärmedämmung und eine Regulierung der Luftfeuchtigkeit. Dieses neue Konzept kann sowohl für Neubauten als auch für die Altbausanierung eingesetzt werden. Prof. Azra Korjenic wurde für ihre Forschung im Bereich des ökologisch nachhaltigen Bauens nun mit zwei wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet.

Pflanzen sorgen für besseres Klima

Drei Jahre lang hat Prof. Azra Korjenic zusammen mit ihren TeamkollegInnen vom Institut für Hochbau und Technologie der TU Wien Messungen durchgeführt, um den Zusammenhang von Pflanzenbewuchs und Mikroklima zu erforschen. „Innenhöfe mit Begrünung sind im Sommer um einige Grad kühler als ähnliche Höfe ohne Pflanzenbewuchs“, erklärt sie. Bei der Sammlung der Daten arbeitet sie auch mit der technischen Universität Brünn zusammen.

Ein flaches Metalldach kann in Wien im Sommer eine Temperatur von 80 Grad erreichen – ein begrüntes Dach wird nicht wärmer als die umgebende Luft. Die Pflanzen wirken als Dämmschicht, durch die Verdunstung von Wasser entsteht außerdem ein zusätzlicher Kühlungseffekt.

Das funktioniert nicht nur auf dem Dach, sondern auch an der Fassade, etwa indem man sie mit Pflanzentrögen behängt oder ein bepflanzbares, vorgehängtes Fassadensystem errichtet. Vor den Pflanzen kann man transparente Photovoltaik anbringen, die 80% des Lichts für die Pflanzen durchlassen.

Bautechnologisch kaum erforscht

Dieses Konzept wurde bautechnologisch bisher kaum erforscht: „Der Energiebedarf von Gebäuden lässt sich heute am Computer sehr genau berechnen, besonders für Null- und Plus-Energie-Häuser ist das wichtig. Für die Planung von begrünten Fassaden fehlten bisher aber einfach verlässliche Daten und Simulationsmodelle“, erklärt Azra Korjenic. Das möchte sie nun ändern: Durch die Sammlung von Messdaten soll es möglich werden, für ein bestimmtes Haus die energetisch optimale Lösung zu berechnen. Auch die strittige Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses möchte sie beantworten.

Außerdem gibt es wichtige bautechnische Fragen, die noch geklärt werden müssen, damit der Fassadenbewuchs eine optimierte leistungsfähige, kostengünstige und dauerhafte Lösung für „Stadt der Zukunft“ wird: Wie kann man die Tröge verankern, ohne zusätzliche Wärmebrücken zu schaffen? In welche Fällen reichen einfache Kletterpflanzen aus, wo benötigt man ein ausgeklügeltes Schichtsystem, um den richtigen Effekt zu erzielen?

„Die Auswahl der Pflanzen spielt natürlich eine wichtige Rolle“, erklärt Azra Korjenic. Daher arbeitet sie eng mit der Wiener Universität für Bodenkultur zusammen. Unterschiedlicher Pflanzenbewuchs wird in unterschiedlichen Umgebungen getestet.

Die bisherigen Messergebnisse stimmen zuversichtlich: Dass Fassadenbegrünung funktioniert und für ein angenehmeres Mikroklima sorgt, gilt bereits als erwiesen. Die Pflanzen regulieren nicht nur Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sie haben auch einen positiven Einfluss auf die Stadt, indem sie Feinstaub binden, Lärm mindern, Hitzeinseln entgegenwirken und durch die Speicherung von Regenwasser Überflutungen verhindern können. Nichtzuletzt sind Pflanzen einfach schön: „Es lebt sich angenehmer, umgeben von Grün“, ist Korjenic überzeugt. Bei Neubauten lässt sich die Fassadenbegrünung ganz einfach von Anfang an einplanen, doch auch bei der Altbausanierung sieht Azra Korjenic großes Potenzial für grüne Fassaden und Dächer.

Wissenschaftliche Preise

Azra Korjenic forscht nicht nur an Fassadenbegrünung, sondern an vielen anderen Themen rund ums energieoptimierte und ökologisch nachhaltige Bauen. Dafür wurde sie nun gleich mit zwei Preisen

ausgezeichnet: Am 15. Mai erhielt sie für ihre Habilitationsschrift den VCE-Innovationspreis für Exzellenzforschung im Ingenieurbau (dotiert mit 5000 Euro), im März erhielt sie den ÖGUT-Umweltpreis (ebenfalls mit 5000 Euro dotiert).

PM: TU Wien

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