Marktexpertise: Norddeutschland erwartet Repowering bei Windanlagen

Windriesen / Foto: HB
Norddeutschland erwartet Repowering bei Windanlagen / Foto: HB

Repowering wächst weiter

  • HSH Nordbank veröffentlicht Marktexpertise „Erneuerbare Energien“
  • Reduzierte Vergütung bremst den Trend nicht
  • Deutliches Leistungsplus der Onshore-Windkraftanlagen erwartet
  • Infrastruktur des Landnetzes muss ausgebaut werden
  • Export gebrauchter Anlagen gewinnt an Bedeutung

(WK-intern) – Hamburg/Kiel – Die im April 2014 beschlossenen Kürzungen der Bundesregierung für den Ausbau der Windenergie an Land bremsen zumindest den Boom beim Austausch älterer Windenergieanlagen durch neue, größere Windräder (Repowering) nicht aus:

Eine deutliche Mehrheit der Branchenexperten (57 Prozent) ist der Meinung, dass die zum Jahresende reduzierte staatliche Förderung der Einspeisevergütung für das Repowering keinen negativen Einfluss auf künftige Projekte haben wird.

Dies ergibt die jetzt erstmals von der HSH Nordbank veröffentlichte Marktexpertise „Erneuerbare Energien“. Sie zeichnet auf Basis einer Kundenumfrage zum Jahreswechsel 2013/2014 ein aktuelles Stimmungsbild zum Thema Repowering in der Onshore-Windenergie in Deutschland.

An der Befragung beteiligten sich rund 40 führende Branchenexperten, darunter Projektentwickler, Investoren, Anlagenbetreiber und Hersteller von Windenergieanlagen. „Die von uns interviewten Experten sehen sogar ein weiter steigendes Potenzial für den Austausch von Alt- gegen nennleistungsfähigere Neuanlagen in Deutschland“, sagt Lars Quandel, Leiter Erneuerbare Energien bei der HSH Nordbank. Demnach lege die Nennleistung von Repowering-Projekten von gut 600 MW in 2014 auf knapp 800 MW in 2016 weiter deutlich zu.

Onshore-Windkraftanlagen erreichen Offshore-Leistung
„Überrascht hat uns bei der Umfrage das Nennleistungsplus, das die Branche bei den neuen Windrädern erwartet“, meint Quandel. Die älteren, jetzt zum Austausch anstehenden Landanlagen haben überwiegend eine Nennleistung von 0,5 bis 1,5 MW. Aktuelle Anlagen leisten durchschnittlich rund drei MW. Zum Vergleich: Die Standard-Nennleistung von Offshore-Anlagen liegt dagegen aktuell bei fünf MW. „54 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass neue Landanlagen mit fünf MW künftig sogar die Größe der Windräder auf hoher See erreichen werden“, ergänzt Patrick Miljes, Leiter des Unternehmensbereiches Energy & Infrastructure der HSH Nordbank.

Trassenkapazität und Anwohner bremsen Repowering
Die Repowering-Euphorie werde nach Angaben von Miljes jedoch vor allem durch zwei Faktoren gedämpft. Zum einen betreffe die beim Ausbau der Offshore-Windenergie geführte Diskussion um den Aufbau und die Anbindung leistungsfähiger Energietrassen auch die Anlagen an Land. Die Nennleistungssteigerungen bei Windparks durch Repowering könnten nur erreicht werden, wenn die Infrastruktur des Stromnetzes ausreichende Kapazitäten für den an Land erzeugten Strom bereithält. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) ist jedoch der Meinung, dass diese Kapazitäten derzeit nicht ausreichend sind. Diesen Engpass bestätigt auch die von der HSH Nordbank und dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Anfang April 2014 veröffentlichte Studie „Stromtransport in Deutschland“: So muss die Erweiterung speziell des Fernübertragungsnetzes deutlich an Fahrt aufnehmen, um das gegenwärtig hohe Maß an Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Zum anderen stellt der Widerstand der Anwohner eine große Herausforderung für die Umsetzung von Repowering-Projekten dar: Diese beschweren sich oft über die im Vergleich zu den Altanlagen deutlich höheren Rotormasten, auch wenn die Gesamtzahl der in einem Windpark installierten Windräder im Zuge des Repowerings deutlich reduziert wird.

Weitere wesentliche Herausforderungen sind laut Quandel die technische und logistische Umsetzbarkeit der neuen Anlagen sowie Umweltschutzbelange. Finanzierungsfragen würden ebenso wie die Erfüllung von planungs- und genehmigungsrechtlichen Anforderungen als weniger relevant bewertet. In der Finanzierung von Repowering-Projekten spielt die HSH Nordbank eine wichtige Rolle. „Allein im vergangen Jahr war bei ca. 30 Prozent unserer neuen Finanzierungen von deutschen Windprojekten Repowering Teil des Projektes“, berichtet Quandel.

Neuer Markt für gebrauchte Anlagen
Oft erreichen die auszutauschenden Anlagen nur die Hälfte ihrer geplanten Betriebsdauer, so dass mittelfristig ein interessanter Markt für gebrauchte Windkraftanlagen entstehen wird. 91 Prozent der befragten Unternehmen hält dementsprechend eine weitere Nutzung der Altanlagen für realistisch, und zwar vor allem im nicht-europäischen Ausland bzw. in Übersee (72 Prozent). „Uns hat daher die Aussage erstaunt, dass trotz des offensichtlich großen Potenzials nur für ein gutes Drittel der Befragten der Markt für gebrauchte Windkraftanlagen aktuell oder zukünftig interessant ist“, sagt Miljes.

Hintergrund: „Repowering“
In den vergangenen Jahren hat das Repowering, der Ersatz von alten Windenergieanlagen der ersten Generation, die bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts installiert wurden, durch neue, leistungsstärkere Anlagen stark an Bedeutung gewonnen. Sie nutzen den Wind wesentlich besser aus, die Erzeugungskosten sinken deutlich. In der Regel werden dabei nicht einzelne Anlagen, sondern gleich ganze Windparks umgerüstet. Als Faustformel gilt, dass beim Austausch alter Anlagen auf derselben Fläche bei einer Halbierung der Anlagenzahl und gleichzeitiger Verdopplung der Leistung eine Verdreifachung des Ertrages erwirtschaftet wird. Diese pauschale Aussage für Onshore-Repowering-Projekte wurde auch im Rahmen der HSH-Marktexpertise „Erneuerbare Energien“ überprüft: Ihr stimmen 60 Prozent der befragten Unternehmen zu.

Hier gelangen Sie zur Marktexpertise “Erneuerbare Energien”

PM: HSH Nordbank AG

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