Expertenbefragung Offshore-Windenergie

Offshore-Experten
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Prioritäten von Forschung und Industrie

Offshore-Windstrom soll wirtschaftlicher werden.

(WK-intern) – Dafür stehen der Forschung verschiedene Wege offen. In einer Expertenumfrage des Fraunhofer IWES nannten Vertreter aus Forschung und Industrie ihre künftigen Schwerpunkte für die Forschung:

Bei den wichtigsten Forschungszielen stimmten sie überein, dass von der Planung bis zur Instandhaltung die höchste Priorität liegt.

In den Einzelthemen, wie beispielsweise Lasten oder Lärmminderung, gehen die Meinungen auseinander.

Immer mehr große Windenergieanlagen ragen aus dem Wasser der deutschen Nord- und Ostsee und erzeugen Strom für Tausende von Haushalten. Diese Offshore-Windenergieanlagen befinden sich bereits auf einem hohen technologischen Niveau. Aber noch längst sind nicht alle Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft, um die Stromgestehungskosten und die technischen Risiken weiter zu senken. Ausgewählte Experten aus Forschungsinstitutionen und Windenergie-Firmen wurden befragt, auf welche Themen bei der Offshore-Windenergie sich Forschung und Demonstration kurz- und mittelfristig konzentrieren sollen. Die Ergebnisse liegen seit Anfang April 2014 vor und geben Auskunft über die Prioritäten bei übergeordneten Zielen, zu einzelnen Themengebieten und dem dort jeweils vorhandenen Spezialwissen. Die Befragung hat das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Zusammenarbeit mit der Stiftung Offshore-Windenergie im Sommer 2013 durchgeführt. „Wir wollen mit unserer Umfrage dazu beitragen, die künftigen Forschungsprogramme auf Offshore-Testfeldern verstärkt am Bedarf von Forschung und Industrie zu orientieren und potenzielle Forschungspartner zu vernetzen“, erklärt Dr. Bernhard Lange, Projektleiter des Vorhabens beim Fraunhofer IWES.

Übereinstimmende übergeordnete Ziele

Industrie und Forschungsinstitute sind sich bei der Einschätzung der übergeordneten Ziele ziemlich einig. Beide sehen Verbesserungspotenzial in der Prozesskette von der Planung, Installation, Betrieb bis zur Instandhaltung. 71 Prozent der befragten Forscher und 63 Prozent der Industrievertreter halten dieses Thema für entscheidend. Dahinter folgen die Weiterentwicklung der Anlagentechnik sowie eine verbesserte Netzintegration der Windparks. Diese Übereinstimmung gilt sowohl für die Gewichtung der Themen als auch für die Einschätzung der zeitlichen Prioritäten. Die Befragten konnten dazu jeweils angeben, ob eine Maßnahme kurzfristig, also innerhalb der nächsten fünf Jahre, erfolgen soll oder langfristig im Zeitraum zwischen fünf und zehn Jahren. Rund 75 Prozent in beiden Gruppen sprachen sich dafür aus, das am wichtigsten eingestufte Planungsthema kurzfristig anzugehen.

Umfrage-Abweichungen bei den Lasten

Im zweiten Teil der Befragung sollten aus einer Vorschlagsliste die zehn wichtigsten Einzelthemen ausgewählt werden. Drei Themen haben es bei beiden Gruppen unter die Top 10 geschafft: Lebensdaueranalyse, Fehlerfrüherkennung sowie neue Konzepte für Turm, Tragstrukturen und Gründungen. Bei den übrigen Themen weichen Forschung und Industrie erheblich voneinander ab. Bei den Forschern spielt das Thema „Lasten“ eine große Rolle. Das Lastmonitoring steht auf Platz 1, Lastprognose und -monitoring auf Platz 2 und die Berechnung und Simulation von Lasten auf Platz 8 der Top-Ten-Liste. Die Industrievertreter setzen hingegen die Schallminderung in der Bauphase auf Platz 1, gefolgt von der Entwicklung alternativer Installationsmethoden und den automatisierten Produktionsverfahren.

Offshore-Forschung braucht Testfelder

Wichtige inhaltliche Impulse für die Offshore-Forschung werden auf Testfeldern draußen im Meer erarbeitet. In Deutschland ging das Offshore-Testfeld alpha ventus im April 2010 mit zwölf Anlagen in Betrieb. Wissenschaftlich begleitet wird es durch die Forschungsinitiative RAVE (research at alpha ventus). Schwerpunkte in RAVE sind Themen, die auch in der Umfrage genannt werden, wie Gründungs- und Tragstrukturen, Anlagentechnik und Monitoring, Netzintegration, Strömungen und Turbulenzen im Park sowie die ökologische Begleitforschung. Die in alpha ventus und RAVE erarbeiteten Ergebnisse bilden die Basis, von der sich die Offshore-Forschung in den kommenden zehn Jahren weiterentwickeln wird. International gibt es Testfelder in Norwegen, Portugal, Großbritannien, den USA, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Japan. Betrieben werden diese Felder unter nationaler Förderung, von Forschungsinstitutionen oder von Herstellern und Konsortien.

Die Expertenumfrage zu den künftigen Forschungsschwerpunkten steht als Download (PDF, 1,8 MB) auf der Seite des Fraunhofer IWES zur Verfügung. Sie wurde im Rahmen des Projekts „Offshore Testfeld-Forschung“ durchgeführt und mit Mitteln der Bundesenergieforschung und beteiligter Unternehmen gefördert.

Mitteilung: BINE

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