Energiewende unter Hochspannung – Die Suche nach Speichern

Am 12.5.2013, um 22.15 Uhr, moderiert von Hellmuth Henneberg im rbb

Deutschlands Stromversorgung gehörte bislang zu den sichersten der Welt. Nun wird sie radikal umgebaut.

(WK-intern) – Doch der angestrebte Mix aus umweltfreundlicheren regenerativen Energien führt zu extremen Schwankungen im Netz.

Dringend werden Speichermöglichkeiten gesucht. Denn geht der Ausbau so weiter, könnten bei viel Wind oder Sonne schon bald Strommengen anfallen, die den Bedarf mehrfach übersteigen und das Netz gefährden.

Crash im Nebel

Anfang April 2013. Die vier deutschen Hochspannungsnetzbetreiber haben dem Wetterbericht vertraut und rechnen im Tagesplan fest mit einer großen Solarstrommenge. Doch plötzlicher Hochnebel bremst die Einstrahlung und führt fast zu einem Notfall. Es fehlen im Netz 8800 MW Strom. Nur durch Stromkauf auch im Ausland kann das Netz wieder stabilisiert werden.

Stromlawinen im Stau

An Tagen mit viel Wind ist das Netz am Limit. Was tun? Im Netzsimulator des ersten europäischen Trainingszentrums für Energiemanager GridLab in Cottbus werden kritische Situationen lebensnah getestet. Da ständig neue Windräder wachsen, aber kaum neue Leitungen gebaut werden, steigt der Stress in den Managerzentralen der Netzbetreiber. Die Folge sind Zwangsabschaltungen und Hoch- und Runterfahren von Kraftwerken. Das bisherige Stromnetz ist für extreme Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage nicht ausgelegt. Vor allem aber fehlt es an Speichern.

Netz im Dauerstress

Eine Netzreise per Flugzeug nach Berlin entlang der „Uckermarkleitung“. Gebaut 1958 als 220 KV-Leitung zur Versorgung des strukturschwachen Gebietes. Sie gilt als typisches Nadelöhr im ostdeutschen Stromnetz. Denn inzwischen drängt aus der Uckermark viel Windstrom Richtung Süden. Doch Bürgerinitiativen halten  die bisherigen Ausbaupläne für überdimensioniert. Berlin gilt zwar als „Senke“ für Stromspitzen, muss aber auch seine Netze flexibler und intelligenter machen. Mit tausenden Kilometern Kommunikationsleitungen zur Steuerung und Überwachung des neuen Energiemixes.

Batterien für Solarriesen?

2012 wurde auf dem Flughafen Neuhardenberg mit 125 MW Leistung Deutschlands größte Solaranlage gebaut. Doch der schwankende Strom aus solchen Solarfeldern braucht die ständige Unterstützung durch ausgleichende Kraftwerke. Batterien können bei kurzzeitigen Spitzen helfen. Younicos in Adlershof entwickelt moderne Batteriespeicher, bei Schwerin wird ein erster 5 MW Lithium-Ionen-Speicher getestet. Doch Riesenbatterien als Langzeitspeicher wären für die Betreiber viel zu teuer.

Wasserstoff als Puffer

Entlastung im Netz könnten künftig vor allem sogenannte Hybridkraftwerke bringen. Das weltweit erste entwickelte der Windstromproduzent ENERTRAG in der Uckermark. Per Elektrolyse wird bei viel Wind Strom in speicherbaren Wasserstoff verwandelt. Die Firma McPhy Energy in Wildau entwickelt solche Elektrolyseure weiter. Trotz Aufwand und Verlust gilt dies als ein Verfahren mit viel Pufferfähigkeit, vor allem, wenn das Gasnetz genutzt werden könnte. Es wäre prinzipiell als „Batterie“ gut geeignet.  Dafür kooperiert Enertrag mit dem Gasnetzbetreiber ONTRAS und mit Greenpeace Energy.

Das Gasnetz als Ausweg?

Stadtgas hatte früher neben Methan, Stickstoff und Kohlenmonoxid einen Wasserstoffanteil von bis zu 50 %. Heute darf der Anteil von Wasserstoff im Erdgasnetz nur 2 % betragen. Was tun? Erdgasnetzbetreiber wie ONTRAS wären bereit, auch wieder umzurüsten. Wäre synthetisches Methan aus Überschussstrom besser? Im niedersächsischen Werlte wurde von Audi die weltweit erste Anlage eingeweiht. Dabei wird aus Sonnen- und Windstrom zunächst Wasserstoff erzeugt und dann mit Kohlendioxid aus einer Biogasanlage gemischt.

Pressetext “OZON unterwegs” vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)

Hartmut Sommerschuh/Petra Hikel

ozon@rbb-online.dewww.rbb-online.de/ozon

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