DWV fordert Markteinführungsprogramm für Power-to-Hydrogen

Jahrespressekonferenz des DWV: “Energiewende nicht ohne Wasserstoff”

„Eine erfolgreiche Energiewende braucht den Wasserstoff. Nur mit der Integration von Wasserstoff und Brennstoffzelle in ein ganzheitlich gedachtes Energiesystem, das Wärme, Strom und Mobilität umfasst, können die Ziele der Energie- und Klimapolitik umgesetzt werden“,

– so Dr. Johannes Töpler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands (DWV e.V.), bei der heutigen Jahrespressekonferenz des Verbandes.

(WK-intern) – Im Rückblick auf 2013 machte Vorstandsmitglied Ulrich Schmidtchen deutlich, dass das Thema „Power to Gas“ oder präziser „Power to Hydrogen“ in der öffentlichen Wahrnehmung wie auch in der Politik an Bedeutung gewonnen hat. Das Problem der Speicherung volatiler Energien sei nun erkannt: Erneuerbare Energien müssen in der Regel genutzt werden, wann, wo und wie sie vorkommen. Um die Schwankungen aus- bzw. an den Bedarf anzugleichen, benötigt man Speicher von einer Größenordnung, wie es sie bisher nur für die Speicherung von Erdgas gegeben hat.

Töpler bemängelte, dass es trotz aller Ankündigungen der alten und der neuen Bundesregierung und trotz der breiten Unterstützung der Bürger immer noch kein strategisches Konzept für die Umsetzung der Energiewende gäbe. Auch fehle in dem aktuellen Eckpunktepapier des Bundesministers für Wirtschaft und Energie ein konkreter Zeitplan für die stringente Koordination aller Komponenten der Erneuerbaren Primärenergien – der Netze, der Speicher sowie der Integration der drei Energiesektoren Strom, Gas und Wärme. Dieses Konzept werde dringend benötigt, um den beteiligten Partnern aus Wirtschaft und Industrie Planungssicherheit und Motivation zu geben. Nur ein integratives System, das alle Energiesektoren umfasst, könne versorgungssicher, wirtschaftlich und nachhaltig sein und den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken.

DWV fordert Markteinführungsprogramm für „Power to Hydrogen“

„Wir fordern ein Markteinführungsprogramm für ‚Power to Hydrogen‘, das zeitlich und im Volumen zunächst begrenzt sein kann“, so Vorstandsmitglied Werner Diwald. „Wasserstoff aus erneuerbarem Strom soll auf die Biokraftstoffquote und ab 2015 auch auf die Treibhausgasminderungsquote mit dem Vierfachen seines Energiegehalts (4fach-Counting) angerechnet werden. Damit wird die Marktdurchdringung für erneuerbares Gas in einem reinen Wasserstoffpfad als Beimischung zu Erdgaskraftstoffen und auch der Einsatz im Raffinerieprozess für konventionelle Kraftstoffe möglich.“

Für die erfolgreiche Markteinführung und die Förderung von Investitionen in diese innovative Systemlösung sei eine rechtliche Klarstellung der Eigenschaft der Anlagen für „Power to Hydrogen“ als Nicht-Letztverbraucher zwingend notwendig. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Anlagen, die das EEG-System entlasten und einen Beitrag zur Kostendämpfung leisten, dafür noch Abgaben zahlen sollen. Durch die vielseitige Anwendbarkeit des Wasserstoffs (auch als Kraftstoff oder Rohstoff für die Chemie) können Verluste oder erhöhte Kosten an anderer Stelle (in einer Mischkalkulation) ausgeglichen werden. Erneuerbarer Wasserstoff kann dadurch schrittweise und finanzierbar in neue Märkte integriert werden. Wasserstoff hilft also, die Energiewende bezahlbar zu machen.

Die Vorratshaltung großer Energiemengen von mehreren TWh, z. B. für Zeiten längerer Windflauten oder für den saisonalen Ausgleich, lässt sich nur durch Speicher chemischer Energie realisieren, aber nicht durch Batterien oder mechanische Energiespeicher. Wasserstoff ist aufgrund seiner Systemkompatibilität zur bestehenden Infrastruktur und aufgrund seiner nahezu unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten auch als Speicher optimal geeignet, die Energiewende sozial verträglich umzusetzen. Entsprechende Kavernen und Gasleitungen sind im nördlichen Teil Deutschlands bereits verfügbar, also dort, wo erneuerbare Energiepotentiale am wirtschaftlichsten nutzbar gemacht werden können. Nur durch ausreichende Speicher werden erneuerbare Energien grundlastfähig.

Töpler ergänzte in diesem Zusammenhang, dass das Nationale Innovationsprogramm (NIP), so wie im Koalitionspapier von der neuen Bundesregierung zugesichert, unbedingt weitergeführt bzw. intensiviert werden müsse. Nur so sei eine breite Einführung der Wasserstofftechnologie umsetzbar. Und nur so könne Deutschland die globale technologische Marktführerschaft sichern.

E-Mobilität und Wasserstoff-Mobilität stehen nicht im Widerspruch, sondern bedingen sich. Auch die Elektromobilität braucht Wasserstoff und Brennstoffzelle: Nur so sind lange Reichweiten mit akzeptablen Betankungszeiten möglich. „Grüner“ Wasserstoff (z. B. aus Wind- oder Sonnenenergie) trägt zudem zur Versorgungssicherheit und Kostensenkung im Stromsektor bei. „Wir können nicht länger warten. Die politischen Rahmenbedingungen für die Wasserstoff-Mobilität und Vorgaben zum schnellen Aufbau der Infrastruktur und zur Einführung der Fahrzeuge (zunächst PKW, Transporter, kommunale Busflotten) müssen endlich geschaffen werden. Die Infrastruktur für den Fahrzeugsektor ist der Wegbereiter einer später breit genutzten Wasserstoff-(Speicher)-Infrastruktur.“ Schließlich werden einige Autohersteller schon im kommenden Jahr ihre Brennstoffzellenfahrzeuge an Kunden aus der allgemeinen Öffentlichkeit verkaufen.

Andere industrielle Anwendungen von Wasserstoff und Brennstoffzellen sind schon im Markt, wie z. B. Kraft-Wärme-Kopplung in der Hausenergieversorgung mit Brennstoffzellen, unterbrechungsfreie Stromversorgung für wichtige Infrastrukturkomponenten oder die Nutzung der sauerstoffarmen Abluft der Brennstoffzelle für den Brandschutz. Für all dies sind politische Rahmenbedingungen zu schaffen und ggf. finanzielle Anreize zu ermöglichen.

„Wasserstoff und Brennstoffzelle können einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, dass die Energiewende umfassend gelingt und sich nicht in einer bloßen Stromwende erschöpft“, so Töpler.

PM: DWV

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