Studie zur Energiewende: Vor allem ländliche Räume profitieren von der EEG-Förderung

140129 EEG (Foto: aid infodienst, Bonn) / Pressebild: Thünen-Institut
140129 EEG (Foto: aid infodienst, Bonn) / Pressebild: Thünen-Institut

Einwohner in dünn besiedelten ländlichen Kreisen erhielten 2011 rein rechnerisch 531 Euro Vergütungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für erneuerbaren Strom. In kreisfreien Großstädten waren es nur 23 Euro pro Person.

Die Energiewende wird von vielen als Chance für die ländlichen Regionen in Deutschland gesehen.

(WK-intern) – Eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts zeigt, dass viele ländliche Räume ihre Standortvorteile bei der Erzeugung erneuerbarer Energien genutzt haben.

„Die räumlichen Auswirkungen der Energiewende sind sehr unterschiedlich“, so Dr. Reiner Plankl vom Thünen-Institut in Braunschweig. „Im Durchschnitt waren die EEG-Einspeisevergütungen für erneuerbaren Strom in ländlichen Regionen mit 433 Euro je Einwohner mehr als doppelt so hoch wie in städtischen Regionen mit 92 Euro je Einwohner.“ Die dünn besiedelten ländlichen Kreise mit weniger als 100 Einwohnern pro km² (z. B. Prignitz, Rottal-Inn) kamen rein rechnerisch sogar auf durchschnittlich 531 Euro je Einwohner, die kreisfreien Großstädte dagegen nur auf 23 Euro je Einwohner. Das heißt, in Regionen mit wenig Bevölkerung wird überproportional viel erneuerbare Energie in Form von Biogas, Photovoltaik oder Windkraft produziert. Bei den Bundesländern waren die Werte für Brandenburg und Schleswig-Holstein mit über 400 Euro je Einwohner am höchsten, während Nordrhein-Westfalen, Hessen und das Saarland gerade einmal auf rund 90 Euro je Einwohner kommen und die Stadtstaaten noch weit darunter liegen.

Die jetzt erschienene Thünen-Studie analysiert die regionale Verteilung der Betreiber und Hersteller von Biomasse-/Biogas-, Photovoltaik- und Onshore-Windkraftanlagen, des erneuerbar erzeugten Stroms sowie der EEG-Einspeisevergütungen und -Umlage für das Jahr 2011. Dabei differenziert sie räumlich nach Bundesländern, Landkreisen und siedlungsstrukturellen Kreistypen. Zudem wird der Sektor Landwirtschaft näher betrachtet.

2011 erzeugten die ländlichen Regionen 73,5 % des erneuerbaren Stroms und erhielten hierfür 68,5 % der EEG-Vergütungen. Ursache für diese Differenz sind die höheren Vergütungen für Photovoltaik-Strom, der anteilmäßig mehr in städtischen Regionen produziert wird.

Die Studie macht deutlich, dass die ländlichen Regionen, wenn man ausschließlich die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern betrachtet, im Durchschnitt die Gewinner der Energiewende sind. Ihnen sind 2011 per Saldo rund 6,8 Mrd. Euro mehr an EEG-Vergütungen zugeflossen, als sie an EEG-Umlagezahlungen aufbringen mussten. Die städtischen Regionen kommen hingegen auf einen Negativsaldo von 4,5 Mrd. Euro. Besonders die dünn besiedelten, vielfach strukturschwachen ländlichen Kreise profitieren. Von 207 Landkreisen und kreisfreien Städten mit einem positiven Finanzierungssaldo sind 79,2 % ländliche Kreise. Allerdings weist in Deutschland von den ländlichen Kreisen jeder Fünfte auch einen negativen Saldo auf.

„Der Sektor Landwirtschaft produzierte 2011 knapp doppelt so viel erneuerbaren Strom, wie er insgesamt Strom verbraucht hat“, sagt Thünen-Wissenschaftler Reiner Plankl. 17 % des erneuerbar erzeugten Stroms kommt demnach aus der Landwirtschaft. Dafür sind den landwirtschaftlichen Betreibern von Erneuerbare-Energieanlagen 2011 rund 4 Mrd. Euro an EEG-Vergütungszahlungen zugeflossen.

Die Studie „Regionale Verteilungswirkungen durch das Vergütungs- und Umlagesystem des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG)“ von Dr. Reiner Plankl (Thünen Working Paper 13) ist im Internet abrufbar unter: www.ti.bund.de, Rubrik „Thünen-Publikationen -> Thünen Working Paper“ oder direkt unter http://literatur.ti.bund.de/digbib_extern/dn052693.pdf

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