Schleswig-Holstein treibt den Stromnetzausbau voran

Windpark / Foto: HB
Windparks in S-H, beim Ausbau und Anschluß im Plan / Foto: HB

„Schleswig-Holstein treibt den Stromnetzausbau voran“ – Rede von Energiewendeminister Robert Habeck zur Landtagsdebatte am 24. Januar 2014 – Es gilt das gesprochene Wort

KIEL – „Zu Anfang der Legislatur habe ich in einer Regierungserklärung die Haltung und der Pläne zur Umsetzung der Energiewende deutlich gemacht. Ich den anderthalb Jahren seitdem haben wir die Ausweisung der Windeignungsgebiete vorgenommen, 250 Windräder befinden sich im Bau, Schleswig-Holstein hat seinen Anteil Erneuerbaren Strom von rechnerisch 80 Prozent am Bruttostromverbrauch (39 Prozent an der Erzeugung), im Jahr 2012.

(WK-intern) – Die 2013ner Zahlen liegen noch nicht vor. Für die nächsten Jahre erwarten wir einen Zubau von 9000 Megawatt und damit eine Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch um 300-400 Prozent. Das ist auch nicht zu viel Erneuerbarer Strom, denn nirgends wird er so günstig produziert, wie in Schleswig-Holstein. Wer eine kostengünstige Energiewende will, der will Windstrom aus Schleswig-Holstein.

Netzausbau muss schnell und schonend stattfinden

Nur müssen wir ihn einsammeln und verteilen. Der Netzausbau ist der hässliche Bruder der Energiewende. Schon Windkrafträder bedeuten einen schweren Eingriff in die Landschaft, Stromnetze allemal. Das muss man immer erinnern, und deshalb gibt es eine Pflicht für jeden, die Notwendigkeit nachzuweisen und genau zu begründen und sorgsam darauf zu achten, dass der Ausbau möglichst schonend stattfindet. Ich nehme die Sorgen und Fragen der Menschen und Verbände, die dem Netzausbau kritisch gegenüber stehen, sehr ernst. Ihre Fragen sind berechtigt. Sie sind nicht die Gegner der Energiewende. Sie wollen nur nicht mit einer Basta-Politik abgespeist werden.

Und dennoch haben wir keine Zeit zu verlieren. Wie man das scheinbar Widersprüchliche – breite Beteiligung und schnelles Planen und Bauen – miteinander verzahnen kann, das haben wir an der Westküste gezeigt und werden es an der Ostküste zeigen. Vorgezogene Beteiligung führt zu besseren Ergebnissen, mehr Wissen über die Strecke und vielleicht sogar zu größerer Akzeptanz.

„Wir treiben fünf Neubauprojekte auf Höchstspannungsebene voran“

Wir haben im Wesentlichen fünf Neubauprojekte auf Höchstspannungsebene in unserem Land, die netzarchitektonisch eng miteinander verzahnt sind und die wir gleichzeitig vorantreiben:

  1. die Mittelachse zwischen Dollern und Kasso wird als sogenanntes EnLAG Nr. 1 Projekt den Austausch mit Dänemark verbessern, für den Abfluss erneuerbarer Einspeisung aus dem Kreis Schleswig-Flensburg und für Versorgungssicherheit im Land sorgen. Das Planfeststellungsverfahren zu diesem Projekt läuft bzw. ist abschnittsweise bereits abgeschlossen.
  2. Die Westküstenleitung wird den erneuerbaren Strom aus Nordfriesland und Dithmarschen einsammeln und ableiten. Dort werden bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts rund 4400 Megawatt  Leistung installiert sein. Das entspricht bei Volllast etwa der Leistung von vier Atomkraftwerken. Diese Landesregierung hat die Planungen an der Westküste im Dialog mit den Netzbetreibern nochmal erheblich beschleunigt. Auf dem ersten Abschnitt läuft bereits das Planfeststellungsverfahren und wir erwarten in Kürze auch die Unterlagen für den zweiten Abschnitt. Wir sind bei diesem Projekt angesichts des enormen Zeitdrucks neue Wege gegangen und haben auf ein eigenständiges Raumordnungsverfahren verzichtet und in der dadurch gewonnenen Zeit gemeinsam mit dem Netzbetreiber ein informelles Bürgerdialogverfahren durchgeführt, das erheblich zu Planungsverbesserungen beigetragen hat. Im Dezember wurde zum Abschluss dieses Verfahrens ein Vorzugskorridor präsentiert, der nun in die Konkretisierung geht. Dazu haben wir mit den beteiligten Kreisen und Netzbetreibern einen sehr engen Zeitplan aufgestellt: Schon 2018 soll die Westküstenleitung in Betrieb sein und ich bin guter Dinge, dass wir an der Westküste gezeigt haben und weiter zeigen werden, dass gute und zügige Planung kein Widerspruch sind, ganz im Gegenteil: Schnell geht es durch Transparenz, Qualität in der Planung und gute Bürgerbeteiligung.
  3. Zeitlich in etwa parallel zur Westküstenleitung wird das Seekabel nach Norwegen geplant, das als Strompuffer einen Teil der Überschüsse aus der Region an der Westküste auffangen kann und in Zeiten geringer Einspeisung aus erneuerbaren Energien wertvolle Residuallast einspeisen wird. Hier stecken wir gerade mitten im Planfeststellungsverfahren und sind guter Dinge, dass wir es im Sommer dieses Jahres entsprechend unserer Realisierungsvereinbarung mit den Netzbetreibern abgeschlossen haben werden. Wenn dann auch in Berlin die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, wird sich die norwegische Seite einer positiven Investitionsentscheidung für dieses wichtige, und – wie ich finde –  auch faszinierende Projekt, kaum entziehen können. Für den Ferntransport des Stromes über die Elbe in die Verbrauchszentren nach Süddeutschlands wird ebenfalls heute schon die Gleichstromverbindung geplant. In Kürze wird die Öffentlichkeit genauer über das SüdLink-Projekt informiert. Das Projekt ist sehr im Interesse Schleswig-Holsteins, da es Exportinfrastruktur par excellence ist. Es wird unseren Windstrom -wie bei einem Direktflug- unmittelbar aus Schleswig-Holstein zu den Konverterstandorten in Grafenrheinfeld und Großgartach transportieren und dort -die Namen der Konverterstandorte sagen es schon- konventionelle und nukleare Erzeugungskapazitäten ersetzen können.
  4. Kommen wir zur Leitung in Ostholstein: Bereits für den Transport der dort heute eingespeisten Strommengen aus erneuerbaren Energien kommen wir um den Leitungsausbau auch in dieser Region nicht umhin. Und die Strommenge wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Dass der Netzausbau nun auf der 380 kV-Ebene und nicht auf der niedrigeren 110 kV-Ebene erfolgen wird, ist sowohl in meinem Hause als auch seitens der Bundesnetzagentur ausführlich und unter enger Einbindungen aller Spannungsebenen, also gemeinsam mit Tennet und E.ON geprüft worden. Klar ist: Letztlich wäre ein Ausbau der 110kV Ebene erheblich teurer, ein größerer Eingriff ins Landschaftsbild und aus Sicht es Emissionsschutzes voraussichtlich erheblich problematischer. Deshalb hat die Bundesnetzagentur nach Abwägung entschieden, dass ein Ausbau auf 380kV-Ebene angesichts der Einspeiseprognosen die geeignete und erforderliche technologische Antwort auf den Übertragungsbedarf ist. Das Ergebnis der Prüfungen der Bundesnetzagentur zur  Ostküstenleitung wird von mir vollends mitgetragen. Die jahrelange Unsicherheit ist somit nun endlich beendet. Dafür habe ich mich im Rahmen der Länderbeteiligung und in vielen Gesprächen mit Bundesnetzagentur und Netzbetreibern eingesetzt. Nun wird es darum gehen, die Planungen für den Leitungsausbau an der Ostküste erfolgreich, zügig und konsequent voranzutreiben. Angesichts unserer gemeinsamen Erfahrungen und der guten kooperativen Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern werden wir auch diese Planung intensiv mit der Region kommunizieren. Gerade heute morgen (Freitag 9-13Uhr) findet ein Arbeitstreffen zwischen Netzbetreibern und den Fachleuten des MELUR zur Klärung der nächsten Schritte statt.

„Wir liegen beim Ausbau im Plan“

Wir sind in Schleswig-Holstein mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Plan und wir liegen mit den Terminen beim Netzausbau an der Westküste und entlang der Mittelachse so weit vorne, dass im Großen und Ganzen nicht mit einer übermäßigen Zunahme von Zwangsabschaltungen zu rechnen ist – trotz erheblichem Zubau der Leistung. Sehr geehrte Damen und Herren,

hinter jedem Fortschritt, hinter jeder Zahl, vor jedem Termin steht eine Heidenarbeit. Dass wir so gut vorangekommen sind, ist auch das große Verdienst von vielen Menschen, die im LLUR, im MELUR und im Amt für Planfeststellung mit Akribie und Ausdauer an der Energiewende im Norden arbeiten. Bei Ihnen möchte ich mich für den großartigen Job in den letzten 18 Monaten bedanken!

PM: Landesregierung Schleswig-Holstein

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