Energiewende erfolgreich und kosteneffizient weiterführen

Wirtschaftsverband Windkraftwerke legt Marktmodell Energiewende vor

(WK-intern) – Berlin – Der Wirtschaftsverband Windkraftwerke e.V.( WVW) hat am Donnerstag, den 5. Dezember 2013 auf einem Parlamentarischen Abend in Berlin ein gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei Becker Büttner Held entwickeltes Marktmodell für die Energiewende vorgelegt.

Darin legt der Verband dar, wie ein kosteneffizienter Weg zu einer echten Energiewende aussehen kann, der dem Ziel eine Vollversorgung aus erneuerbaren Energien verpflichtet bleibt. Das Modell ist getragen von der Überzeugung, dass die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien aus umwelt- und klimapolitischen, aber auch aus volkswirtschaftlichen Gründen notwendig ist. Gleichzeitig fordern die Autoren ein Marktmodell, das der neuen Rolle der erneuerbaren Energieträger als moderne Grundlast gerecht wird und es so ermöglicht, den erzeugten Strom kosteneffizient in den Energiemarkt zu integrieren. Das vorgestellte Modell beruht im Wesentlichen auf zwei Elementen: der Direktverteilung des erneuerbaren Stroms in Echtzeit, die die untaugliche und für private Stromverbraucher sowie kleine und mittelständische Unternehmen teure EEG-Umlage ersetzt, und der Alternative der Direktvermarktung als echtes Marktinstrument.

Erneuerbarer Strom für alle: die Direktverteilung in Echtzeit

Eines der großen Probleme der gegenwärtigen Regelungen im EEG, zu dem die Große Koalition sich im Koalitionsvertrag auch nicht äußert, ist die Art und Weise der Umlage der echten und vermeintlichen Kosten der Förderung erneuerbarer Energien auf die Stromkunden. Zurzeit wird der Strom aus erneuerbaren Energien komplett über den Spotmarkt der Leipziger Strombörse verkauft. Da die Preisfindung dort alleine über den Arbeitspreis stattfindet, wird der Strom dadurch nicht nur geradezu verramscht, sondern er verbilligt den Strom auch für diejenigen Kunden , die sich an der Börse eindecken können. Da die privaten Stromkunden und die kleineren und mittleren Betriebe aber die Differenz zwischen dem durchschnittlichen – und durch die Einspeisung der erneuerbaren Energien gesenkten – Strompreis an der Börse und der Einspeisevergütung bezahlen müssen, ergibt sich so die paradoxe Situation, dass der Großhandelspreis sinkt, aber der Endverbraucherpreis weiter ansteigt. Die EEG-Umlage in ihrer jetzigen Form sagt nichts über die tatsächlichen Kosten aus. Während von 2008 bis 2013 die Gesamtmenge des erneuerbaren Stroms um 70% und die Vergütungssumme um 80% zugenommen haben, stieg die EEG-Umlage um 350%! Dazu kommt, dass die niedrigen Strompreise die für die Energiewende kurz- bis mittelfristig ebenfalls notwendigen Investitionen in moderne und flexible Gaskraftwerke erschweren bis unmöglich machen. Dieser erst im Jahr 2009 eingeführte Mechanismus hat sich mittlerweile als größter Fehler der politisch Verantwortlichen in Sachen Energiewende und als große Belastung für den weiteren Fortgang dieses Projekts herausgestellt.

Die zentrale Säule des WVW-Marktmodells ist daher die Ablösung dieses finanziellen Wälzungsmechanismus durch eine Direktverteilung des erneuerbaren Stroms in Echtzeit. Das heißt, dass die Strommengen wie bisher von den Netzbetreibern aufgenommen und an die Übertragungsnetzbetreiber weitergeleitet werden. Dafür erhalten sie von diesen die Einspeisevergütung. Die Übertragungsnetzbetreiber würden nach dem Modell die Strommengen an alle Energieversorgungsunternehmen in Deutschland weiterleiten, und zwar in Echtzeit. Dafür erfassen sie die Gesamtmenge an Strom aus erneuerbaren Energien, die in einer Viertelstunde eingespeist wird. Die Energieversorgungsunternehmen bekommen dann genau den Anteil an Strom geliefert, der ihrem Anteil an der Belieferung von Endverbrauchern mit Strom entspricht. Die Energieversorgungsunternehmen müssen diese Strommengen dann in ihren Bilanzkreis und ihr Portfolio aufnehmen. Um die Versorgung ihrer Kunden zu gewährleisten, müssen die Energieversorgungsunternehmen am Markt die entsprechende Regelenergie einkaufen oder vorhalten oder in Speichertechnologie investieren. So eröffnet sich auch ein Geschäftsmodell zum Beispiel für flexible Gaskraftwerke, ohne einen rechtlich fragwürdigen und vermutlich teuren Kapazitätsmechanismus zu etablieren.

Echte Direktvermarktung als Alternative

Als zweite Säule des Marktmodells fordert der WVW, die Direktvermarktung als echtes Marktinstrument weiterzuentwickeln. Die bisherige Form der versuchten Marktintegration in einen allein durch den bei den erneuerbaren Energien äußerst niedrigen Arbeitspreis bestimmten Strommarkt durch die Marktprämie war nicht erfolgreich und hat eher zu Mitnahmeeffekten geführt. Da die erneuerbaren Energien nun aber als moderne Grundlast fungieren sollen, muss der Markt ihnen angepasst werden und nicht andersrum. Die Direktverteilung in Echtzeit bietet als Grundlage nun die Chance, eine echte Direktvermarktung einzuführen, die langfristig die Förderung über Einspeisevergütung und Direktverteilung ersetzen soll. Nach dem Modell des WVW können die Energieversorger ganz oder anteilig von der Abnahme der erneuerbaren Strommengen über die Direktverteilung befreit werden, wenn sie selbst erzeugten oder direkt vom Erzeuger gekauften Grünstrom in ihr Portfolio aufnehmen. So entsteht Nachfrage für Strom aus erneuerbaren Energien durch die Energieversorger, und gleichzeitig sinkt die Menge des direkt verteilten Stroms. Dadurch enthält das Marktmodell ein Instrument, das Anreize für den Wettbewerb um möglichst günstigen und bedarfsgerecht erzeugbaren Ökostrom setzt. Wer marktorientiert Strom aus erneuerbaren Energien produziert oder einkauft, kann in diesem Wettbewerb Vorteile erlangen. An diesem Marktgeschehen können auch kleinere Anbieter teilnehmen, indem sie beispielsweise ihre Angebote über einen Stromvermarkter bündeln.

Diese echte Direktvermarktung kann in einem ersten Schritt sogar mit dem bestehenden Modell der finanziellen Wälzung über die Börse kombiniert werden, wenn die Energieversorgungsunternehmen sich unter bestimmten Bedingungen von der EEG-Umlage befreien lassen können. Dazu müssten die Unternehmen durch den Einkauf von Strom aus erneuerbaren Energien oder durch ihre Eigenproduktion die der Umlage zugrundeliegende Strommenge nachhaltig reduzieren und damit aus dem System der EEG-Vergütung herausnehmen. So könnten sie zur spürbaren Senkung der EEG-Umlage und auch des Strompreises der Endverbraucher beitragen.

Flankierende Maßnahmen ergänzen Marktmodell

Die beiden Säulen Direktverteilung und Direktvermarktung bilden das Herzstück des Modells, das den notwendigen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien kosteneffizient vorantreiben soll. Der WVW ergänzt dieses Modell um weitere Faktoren, die die dadurch angestoßene Entwicklung flankieren sollen. Die Vorschläge umfassen unter anderem den Ausbau von Netzen und Speichern, die Flexibilisierung des fossilen Kraftwerksbestandes, die Erleichterung der Bürgerbeteiligung an der Finanzierung der erneuerbaren Energien durch Abbau bürokratischer Hürden und den Verzicht auf die Behinderung des Eigenstromverbrauchs durch Steuern und Abgaben seitens des Gesetzgebers sowie eine Weiterentwicklung des Einspeisemanagements.

„Das planlose Herumdoktern an der Energiewende behindert den notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien und muss ein Ende haben“, so Dr. Wolfgang von Geldern, Vorsitzender des Vorstands des WVW. „Mit dem Marktmodell Energiewende haben wir dagegen ein kostenbewusstes Konzept für die Energiewende vorgelegt, in dem die Energieversorger und Stromvertriebe zu den zentralen Akteuren der Energiewende werden. Wer diese wirklich voranbringen möchte und nicht nur davon redet, sollte sich dieses Modell genau anschauen.“

Marktmodell Energiewende_Langfassung
Ein Masterplan zur Energiewende – erstellt in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Becker Büttner Held, Berlin

PM: Wirtschaftsverband Windkraftwerke

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