GEO-T Expo in der Messe Essen – Heiß auf kommunale Erdwärme

(WK-intern) – GEO-Town, Tag der Bürgermeister und Kommunen, am 14. November 2013 auf der GEO-T Expo in der Messe Essen

Essen – Pünktlich mit dem Beginn der Heizperiode erhöhen 114 Gasversorger ihre Preise um durchschnittlich 6,6 Prozent. Kunden, die Wärme von geothermischen Heizwerken aus kommunaler Hand beziehen, sind da viel entspannter.
Sie müssen nur mit moderaten Preisanstiegen rechnen. Wie das geht, verdeutlichen praktische Beispiele auf der Messe GEO-T Expo vom 12. bis 14. November in Essen.

Kein Heizkessel mehr, keine Wartungskosten, keine Preissprünge beim Brennstoff: Alles keine frommen Wünsche, sondern Vorteile, wenn die Wärme aus kommunalen Heizwerken kommt. Am Tag der Bürgermeister und Kommunen wird es am 14. November auf dem Messeforum GEO-Town der ersten internationalen geothermischen Messe in Essen auch um den praktischen Erfahrungsaustausch mit Kommunalpolitikern und Entscheidern aus öffentlichen Einrichtungen, Stadtwerken und Energieversorgern gehen.

Kommunen sind die Treiber bei der Nutzung heißer Thermalquellen für die Wärmenutzung. Alle 21 Heizwerke, die in Deutschland zurzeit stehen, werden von Kommunen oder mit deren Beteiligung betrieben.

Sie gehen für ihre Bürger finanziell ins Risiko, um durch tiefe Bohrungen in das Erdinnere eine sichere und günstige Wärmversorgung auf die Beine zu stellen. Dort stehen die Kunden nach anfänglicher Skepsis während der Bauphase hinterher oft Schlange, um sich an die Fernwärmenetze anschließen zu lassen. „Die Preise für Wärme steigen weiter an. Das führt dazu, dass in vielen Kommunen die Fernwärmenetze ausgebaut werden, um immer mehr Gebäude an das Wärmenetz von geothermischen Heizwerken anzuschließen. Die Betreiber in Unterhaching reduzieren beispielsweise die Stromproduktion und verkaufen lieber die wertvollere Wärme“, sagt Klaus Reich, Geschäftsbereichsleiter Messen und Ausstellungen der Messe Essen.

Dieses Musterbeispiel liegt im Großraum München. Dort sind nicht nur die geologischen Bedingungen hervorragend, um durch mehrere tausend Meter tiefe Bohrungen heißes Thermalwasser für die Wärmeversorgung zu fördern. „Im Speckgürtel von München haben die reicheren Kommunen auch das Geld, um geothermische Anlagen und teure Bohrungen durch Kredite zu finanzieren. Wir wollten etwas für den Klimaschutz tun, und die Bürger sollten davon auch profitieren können“, sagt Dr. Erwin Knapek, ehemaliger Bürgermeister von Unterhaching und Präsident des Wirtschaftsforums Geothermie.

Seit Juni 2007 betreibt die Kommune mit 22.000 Einwohnern über die Geothermie Unterhaching GmbH & Co KG ein geothermisches Kraftwerk, welches abhängig vom Bedarf automatisch Strom und Wärme produziert. Die gesamten Investitionen beliefen sich auf 100 Millionen Euro. Seit der ersten Ausbaustufe des Wärmenetzes, das mit öffentlichen Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert wird, wurden die Versorgungsleitungen kontinuierlich ausgebaut. Inzwischen deckt das Heizkraftwerk 45 Prozent des Wärmebedarfs in Unterhaching ab. Am Netz hängen 5000 Haushalte, städtische Einrichtungen und Unternehmen. „Ein Drittel des Umsatzes erwirtschaften wir durch den produzierten Strom, der nach dem Erneuerbare Energien Gesetz gefördert wird und den Rest durch den Verkauf von Wärme. In 20 bis 27 Jahren sollen sich die Investitionen refinanziert haben“, erläutert Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching.

Die beiden Bohrungen, aus denen das knapp 130 Grad Celsius heiße Thermalwasser gefördert und wieder nach unten gepumpt wird, reichen bis zu 3500 Meter tief in das Erdinnere. Schon zum Start des Vorhabens hatte der kommunale Betreiber Werbung für den heimischen und kohlendioxidfreien Brennstoff gemacht. „Wir haben in sechs Jahren eine Anschlussleistung von 56 Megawatt Wärme erreicht. Diese wollen wir auf bis zu 90 Megawatt ausbauen“, sagt Vertriebsleiterin Gerlinde Kittl. Neben dem Bezug von klimafreundlich erzeugter Wärme spielen für angeschlossene Kunden und die Kommune selbst wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Damit der kommunale Betreiber auf der einen Seite langfristig planen kann, haben die Verträge Laufzeiten von zehn Jahren. Auf der anderen Seite haben angeschlossene Einheiten viele Vorteile, denn die Fernwärme ist eine komfortable, bewährte und einfache Art der Wärmeversorgung. „Zudem benötigt die Wärmeübergabestation nur wenig Platz, und es entfällt die Verbrennung im Haus. Die Wärmeübergabestation bleibt unser Eigentum, und wir übernehmen auch die Wartung oder die Reparatur. Der Kunde muss somit nie wieder Rücklagen für einen neuen Heizkessel oder die Instandhaltung bilden“, so Kittl.

Wichtig sind zudem die Versorgungssicherheit und stabile Preise. Seit dem Start 2007 lagen die Anpassungen in Unterhaching jährlich nur bei 2,5 Prozent, während sich die Gaspreise für Endverbraucher nach Angaben der EnergieAgentur.NRW in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt haben. „Kunden geothermischer Heizwerke hängen nur zu einem geringen Teil an den steigenden Kosten für Öl und Gas, die neben den Betriebskosten ein Bestandteil sogenannter Preisgleitklauseln für Erhöhungen sind. Sie machen auch keine Preissprünge mit, die beispielsweise Folge von politischen Krisen oder Lieferstreitigkeiten sind“, sagt Dr. Norbert Baumgärtner, der die Öffentlichkeitsarbeit für mehrere geothermische Dienstleister verantwortet.

Eine davon ist die Gemeinde Pullach. Sie versorgt seit Dezember 2005 kommunale Gebäude, Bürger sowie Unternehmen mit geothermischer Energie. Das Fernwärmenetz schlängelt sich inzwischen auf 28 Kilometern durch die Gemeinde mit ihren 9.000 Einwohnern. Betrieben werden die Infrastruktur und das Heizwerk von der Tochtergesellschaft Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP). Angeschlossen wurden seit 2005 rund 1.300 Wohneinheiten. Weil die Wärme sozusagen ausverkauft war, wurde Ende 2011 eine dritte Förderbohrung auf 3.500 Metern Tiefe niedergebracht. Diese verdoppelt die Kapazität des Heizwerkes. Die Vorteile in Pullach sind die gleichen wie in Unterhaching.

Die Preissteigerungen sind moderat. In Pullach liegen sie dieses Jahr bei 2,9 Prozent. „Das Ziel ist eine Vollversorgung. Bezogen auf die Arbeitspreise ist die Geothermie derzeit nicht viel günstiger als die klassische Gasversorgung. Aber es hat Charme, wenn kohlendioxidfreie Wärme durch die Gemeinde lokal erzeugt und bereitgestellt wird und diese ihre Daseinsvorsorge für Bürger ernst nimmt. Die Kunden bekommen von ihrem Versorger zu Beginn der Heizperiode einen Betrag genannt, der mindestens ein Jahr gültig ist“, sagt Baumgärtner.

PM: Messe GEO-T Expo

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