Austausch über politische und technische Aspekte des Netzausbaus

Netzausbau / Foto: HB
Netzausbau / Foto: HB

(WK-intern) – Großer erster Regensburger Energiekongress an der Hochschule Regensburg

Zwei Tage nach der Bundestagswahl, am 24. und 25. September 2013, hatten die Hochschule Regensburg (HS.R) und die IHK für Oberpfalz und Kelheim zu einem Austausch über politische und technische Aspekte des Netzausbaus an die Hochschule eingeladen.

Neben Hausherr HS.R-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Baier begrüßte die Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft der IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes: „Der Zeitpunkt war noch nie so günstig, um zu formulieren, welche Vorgaben die Politik leisten kann und muss“, so Dr. Jürgen Helmes. Insgesamt zählte die zweitägige Veranstaltung 130 Teilnehmer. Die Organisatoren der Veranstaltung, Florian Rieder, Energieexperte der IHK, und Michael Riederer, Geschäftsführer der School of Energy and Resources der HS.R, sind mit der Beteiligung an der ersten Ausgabe des Regensburger Energiekongresses vollauf zufrieden. Die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer bestärkt die Organisatoren in der Absicht, die Veranstaltung zu wiederholen.

„Wir stehen vor einer riesigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderung“, machte Roger Kohlmann, Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Energienetze und Regulierung beim BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, in seinem Eröffnungsvortrag deutlich. Den Begriff der Wende nannte er verharmlosend. „Revolution“ treffe den Kern eher, so Kohlmann. „Es geht um den Umbau der ganzen Branche.“ Kohlmann forderte angesichts der exponentiellen Steigerung der erneuerbaren Energien Investitionen in die Erforschung und Entwicklung sämtlicher Speicheroptionen und ein Bewusstsein dafür, dass die Energiewende im Verteilnetz stattfinde und für notwendige zusätzliche Leitungen Milliardenbeträge notwendig seien. Sowohl Wissenschaft als auch Investoren skizzierten im weiteren Verlauf der Veranstaltung ihren jeweiligen Ansatz. Prof. Dr.-Ing. Oliver Brückl, Gründer der School of Energy and Resources an der HS.R, appellierte an die Elektrizitätswirtschaft, sich den veränderten Voraussetzungen zu stellen und neue Schwerpunkte zu setzen. Dr. Heinrich Gartmair, Senior Expert der TenneT TSO GmbH, wetterte gegen die Alleingänge der Bundesländer in Sachen Energiewende. Es gelte die Energiekonzepte von Bund und Ländern gegenseitig abzustimmen, so Dr. Gartmair. Schließlich sei mehr notwendig als „Straße auf, Kupfer rein“. So genannte Smart Grids böten intelligente Steuerungsmöglichkeiten im Stromnetz.

In der Podiumsdiskussion rangen Wissenschaftler und Praktiker mit Vertretern der Politik um energiepolitische Rahmenbedingungen für verfügbare, bezahlbare und sichere Energie. Moderator Martin Gottschalk, TVA Ostbayern, beschrieb die Stimmung als verkatert: „Erst jetzt wird uns bewusst, was Energiewende bedeutet.“ Energiewirtschaft müsse ausbaden, was die Politik entschieden hätte. Statt des gesamtgesellschaftlich geforderten Konsenses herrschten Partikularinteressen. Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsmitglied der Bayernwerk AG, nannte die Energiewende ein schlecht gemanagtes Projekt. Zwar verwies Franz Löffler, Bezirkstagspräsident der Oberpfalz und Landrat des Landkreises Cham, stolz auf mehr als 50 Prozent erneuerbare Energie im Landkreis Cham, doch hinterfragten Bürger mehr und mehr: „Wie viel Energie brauchen wir eigentlich?“ Zumal dann, wenn Einspeisevergütung bezahlt, der Strom aber wegen Netzüberlastung zum Nulltarif ins Ausland geschickt wird. Christian Amann, Geschäftsführer Produktion und IT des Wärmetechnikunternehmens Wolf GmbH in Mainburg fürchtete um die Grenzen der Bezahlbarkeit. Annette Karl, MdL und Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion für Angelegenheiten des ländlichen Raums, riet, das Projekt Energiewende analog zum europäischen Strommarkt als europäische Herausforderung zu begreifen. Tobias Reiß, MdL und Vorsitzender der Energiekommission im Bayerischen Landtag, forderte eine Grenzen überschreitende Koordinierung.

Am zweiten Tag der Veranstaltung beleuchteten die Referenten von regionalen Unternehmen in Fachvorträgen die Auswirkungen der Energiewende und mögliche technische Lösungsansätze. Es fanden spannende Diskussionen zum Thema statt. Der Energiekongress bot insgesamt viel Gelegenheit für persönliche Kontakte und mögliche neue Kooperationen. Außerdem präsentierten sich auf der Veranstaltung die Sponsoren Maschinenfabrik Reinhausen GmbH, Schneider Electric Sachsenwerk GmbH und das Ostbayerische Technologie-Transfer-Institut e.V. (OTTI).

PM: Dipl.-Sportwissenschaftlerin Diana Feuerer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Regensburg

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