Statt Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen, werden Gas- und Pumpspeicherkraftwerke stillgelegt

Mark-E Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen / Pressefoto: ENERVIE
Statt Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen, werden Gas- und Pumpspeicherkraftwerke stillgelegt, was stimmt hier nicht?   Mark-E Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen / Pressefoto: ENERVIE

(WK-intern) – Kraftwerke aufgrund Fehlsteuerung der Energiemärkte unwirtschaftlich

Forderung an Politik: Neues Energiemarktdesign dringend notwendig

1.300 Megawatt Kraftwerksleistung sind nun seitens des Energieversorgers zur Stilllegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet. Begründung: die derzeitige Fehlsteuerung der Energiemärkte lässt den wirtschaftlichen Betrieb von Steinkohle- und Gaskraftwerken nicht zu.

Die ENERVIE – Südwestfalen Energie und Wasser AG hat bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) ihren kompletten konventionellen Kraftwerkspark mit rund 1.300 Megawatt Gesamtleistung zur Stilllegung angemeldet. Grund hierfür ist die derzeitige massive Fehlsteuerung der Energiemärkte, die einen wirtschaftlichen Betrieb konventioneller Steinkohle- und Gaskraftwerke nicht zulässt. Das birgt erhebliche Risiken: Aufgrund der Insellage des Stromnetzes in Südwestfalen werden die Kraftwerke zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit dringend benötigt.

Die ENERVIE Gruppe verfügt überwiegend über Steinkohle- sowie Gas- und Dampfturbinenkraftwerke an den Standorten Hagen, Herdecke und Werdohl sowie ein Pumpspeicherkraftwerk in Finnentrop. „Wir sahen uns zu dieser Stilllegungsanzeige gezwungen, da wir aufgrund des starken eigenen Kraftwerksbereichs besonders von der Fehlsteuerung der Energiemärkte betroffen sind. Die erwarteten marktgetriebenen Verluste bei den Kraftwerken summieren sich für ENERVIE derzeit auf über 30 Mio. Euro pro Jahr – mit steigender Tendenz“, so Ivo Grünhagen, Vorstandssprecher ENERVIE. Die Unternehmensgruppe hatte bereits angekündigt, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Dividendenausschüttung für die überwiegend kommunalen Aktionäre aussetzen zu müssen.

Insbesondere der massive Anstieg der Einspeisung von Strom aus Regenerativen Energien stellt die Betreiber von Steinkohle- und Gaskraftwerken vor erhebliche Probleme: Strom aus Wind und Sonne ist über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) durch die Umlage auf alle Kunden subventioniert und wird zudem vorrangig in das Netz eingespeist. Das setzt Marktmechanismen außer Kraft und verdrängt Strom aus Steinkohle- und Gaskraftwerken, die für den Erfolg der Energiewende unverzichtbar sind. Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssen diese Kraftwerke die Versorgung mit Energie sicherstellen.

„Die Stilllegungsanzeige bei der Bundesnetzagentur war unvermeidlich, weil ENERVIE sich unter den derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingen nicht in der Lage sieht, seine Kraftwerke weiter zu betreiben“, so Erik Höhne, Technischer Vorstand ENERVIE. „Aktuell sehen wir auch keine Signale, die kurzfristige Abhilfe versprechen – weder im Markt noch ordnungspolitische Ansätze, wie ein geändertes Energiemarktdesign.“
„Insellage“ gefährdet die Versorgungssicherheit in Südwestfalen

Verschärft wird die Lage durch den Umstand, dass ENERVIE in Hagen und im Märkischen Kreis ein sogenanntes Inselnetz betreibt, die einzige Anbindung an das vorgelagerte Übertragungsnetz ist zudem leistungsmäßig begrenzt. Um die Netzstabilität und damit die Versorgungssicherheit für die Region zu gewährleisten, muss daher ein Großteil der Kraftwerke des Unternehmens – mit hohen Verlusten – betrieben werden. Eine Stilllegung würde somit nicht nur die Netzstabilität massiv gefährden, sondern auch den „Schwarzfall“ in einer der größten Wirtschaftsregionen Nordrhein-Westfalens heraufbeschwören. Damit es dazu nicht kommt, hat der Gesetzgeber eine Frist von einem Jahr festgelegt, mit der eine Stilllegung anzuzeigen ist. Innerhalb dieser Zeit muss die Frage der Notwendigkeit des Weiterbetriebes der Kraftwerke geklärt und gegebenenfalls Vergütungen für den Kraftwerksbetreiber vereinbart werden, falls eine Stilllegung nicht erfolgen kann. Diese Frist läuft jetzt an.

Unternehmensintern reagiert ENERVIE mit einem ehrgeizigen Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramm und einer strategischen Neuausrichtung auf die massiven Probleme insbesondere im Bereich der Energieerzeugung. Gleichzeitig fordert das Unternehmen von der Bundespolitik die schnelle Einführung eines für alle Marktteilnehmer verbindlichen Konzeptes zur Umsetzung der Energiewende. „Ein wesentliches Kernstück muss hierbei ein neues Marktdesign für die Erzeugungsanlagen sein, das Kraftwerken wieder eine Marktchance eröffnet“, so Ivo Grünhagen.

Unternehmensprofil:
ENERVIE – Südwestfalen Energie und Wasser AG
Die ENERVIE – Südwestfalen Energie und Wasser AG ist der Unternehmensverbund der Mark-E Aktiengesellschaft, der Stadtwerke Lüdenscheid GmbH und der ENERVIE AssetNetWork GmbH im südlichen Nordrhein-Westfalen. Für die Versorgung der rund 400.000 Kunden und Energiehandelspartner liefert die ENERVIE Gruppe Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser. Damit gehört die ENERVIE Gruppe zu den größten unabhängigen Energiedienstleistern mit Eigenerzeugung in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Leistung von insgesamt 1.300 MW betreibt die ENERVIE Tochtergesellschaft Mark-E eigene Kraftwerke zur Stromerzeugung aus Erdgas, Steinkohle, Wind- und Wasserkraft, Biomasse und Sonnenenergie. Zum Leistungsspektrum gehören zudem die Versorgung mit Fernwärme, die Trinkwassergewinnung und erzeugungsnahe Dienstleistungen wie die Projektierung und der Betrieb von Anlagen zur Energiegewinnung und -speicherung.

PM: ENERVIE

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