Urban Farming – die Landwirtschaft erobert die Stadt

Urban Farming – die Landwirtschaft erobert die Stadt / Copyright: Wolfgang Werschnig / TU-Wien
Urban Farming – die Landwirtschaft erobert die Stadt / Copyright: Wolfgang Werschnig / TU-Wien

(WK-intern) – TU-ArchitekturdiplomandInnen setzten sich kritisch und kreativ mit neuen städtischen Herausforderungen auseinander. Einige aktuelle Ansätze werden zusammen mit vielen weiteren spannenden Themen aus Architektur, Städtebau und Raumplanung im Zuge der biennal stattfindenden Ausstellung archdiploma vom 16. Oktober bis zum 26. Oktober 2013 in der alten Halle des Architekturzentrums Wien präsentiert.

Das Thema der städtischen Landwirtschaft stellt den Menschen und eines seiner Grundbedürfnisse – das der Ernährung – in den Vordergrund. Die Versorgung der wachsenden Stadtbevölkerung mit lokalen Frischwaren wie Obst und Gemüse bedarf neuer städtebaulicher Strategien und architektonischer Lösungsansätzen. Dabei gilt es, die Wege der Nahrungsmittel zum Endkonsumenten kurz zu halten. Denn nur dadurch kann deren Frische und Nachhaltigkeit garantiert werden. Die landwirtschaftliche Nutzung städtischer Grün- und Freiflächen gehören genauso wie die Kombination von Gewächseinheiten mit Gebäuden zu aktuellen Planungstendenzen im dichten städtischen Gefüge.

The Spectacle
Fabian Lorenz wurde von Christian Kühn betreut und setzte sich an der Abteilung Gebäudelehre und Entwerfen mit der Frage auseinander, wie ein bisher rein technisch und formal arbiträr gedachtes Gebäude sinnvoll in den stark belebten Kontext von London gesetzt werden kann. Daraus entstand „The Spectacle“. Aus den Möglichkeiten Anbauflächen vertikal anzuordnen, entwickelte er einen Prototyp für eine Maschine, die sich in Anlehnung an Fahrgeschäfte in einem Vergnügungspark bewegt. Ein eigens entwickelter Algorithmus garantiert dabei jeweils optimale Sonneneinstrahlung für die angebauten Pflanzen.

Zugehörig ist ein Vermittlungsbereich, in dem BesucherInnen in Anbau und Ernte geschult werden können und das Bewusstsein für Versorgung und Anbaumethoden gesteigert werden soll. Aus dem landwirtschaftlichen Anbau wird eine Veranstaltung. Aus dem städtischen Grün ein Vergnügungspark.

Green High Rise
Thomas Oberhofer widmete sich an der Abteilung Hochbau und Entwerfen dem Thema Hybridhochhaus. Seine Betreuung übernahm Manfred Berthold. Ausgangsannahme war der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln für eine stetig wachsende Weltbevölkerung. Unter der Annahme, dass die derzeit landwirtschaftlich nutzbaren Flächen dafür nicht ausreichen werden, schlägt er die Pflanzenzucht in Hochhäusern, konkret am Gelände des zentral gelegenen Nordwestbahnhofs in Wien, vor. Die Form des Entwurfs wurde so entwickelt, dass jede Ebene anders ist und sich der jeweiligen Funktion anpasst. Hochhäuser sind leider teuer, deshalb wurde die landwirtschaftliche Nutzung auf die Fassade beschränkt, sodass die Nutzfläche innen erhalten bleibt. 1.400 Farming Module (ca. 20.000m²) erhalten durch Drehung des Gebäudes jeweils ideale Belichtung. Die Pflanzen fahren mittels Module auf Schienen an der Fassade entlang. Gesät wird in der untersten Ebene, die Ernte erfolgt in horizontaler Richtung.

GROW
Wolfgang Werschnig entwickelte an der Abteilung Gebäudelehre und Entwerfen eine begehbare Skulptur für Linz. Die Betreuung erfolgte durch Christian Kühn. Eine kreisrunde Restfläche, die sich aus einem Kreisverkehr ergibt, dient als Ort für das Gebäude. Im Gegensatz zum ruralen Gewächshaus gibt es bei diesem Projekt begehbare Stege, die ein kollektives Bewusstsein fördern und Begegnungsmöglichkeiten schaffen. Auch hier ist der Funktionsanspruch an das Gebäude nahe an einer Maschine, wobei auf den lokalen Kontext und die Revitalisierung ungenutzter Bereiche fokussiert wird. Verschiedene Klimazonen, energieeffiziente Bauweise und Rücksicht auf Vegetationszyklen bis hin zu einer rückstandlosen Dekonstruktion des Gebäudes unterstreichen den Nachhaltigkeitsansatz.

Urbane Landwirtschaft in Buenos Aires
Simone Rongitsch entwarf am Fachbereich Örtliche Raumplanung eine „produktive Stadtlandschaft durch Integration urbaner Landwirtschaftselemente zur Neudefinierung und Sicherung der Freiräume in Piedra Buena“. Die Betreuung der Diplomarbeit erfolgte durch Rudolf Scheuvens und Markus Vogl. Einerseits sollte aufgezeigt werden, dass Landwirtschaft in zusammenhängender Form nicht nur ein gestalterisches Aufwertungsinstrument für verfallene Viertel sein kann, sondern ein Instrument, welches neue Beschäftigung für die arbeitslosen Bewohner darstellt. Es wird eine neue Nahrungseinnahmequelle geschaffen und Eigeninitiative gestärkt. Der Lebensraum der Bewohner wird somit nicht von Außenstehenden verändert, sondern jede/r kann eigenverantwortlich mithelfen, das eigene Umfeld zu verbessern. Somit ist die Diplomarbeit auch als Statement zur Entwicklungshilfe zu verstehen. Besonderheit der Arbeit: Das Projekt läuft bereits in Buenos Aires und wird von den Bewohnern weitergeführt.

archdiploma´13
Die im Biennale-Rhythmus stattfindende Ausstellung “archdiploma” präsentiert Diplomarbeiten der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien. Von 16. – 26. Oktober 2013 zeigen etwa 100 ausgewählte Arbeiten die Breite der Themen und Arbeitsbereiche. Der Eintritt zur Ausstellung im Architekturzentrum Wien ist frei.

PM: Technische Universität Wien

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