Biogasfirmen setzen auf Biogas als Systemdienstleister

Bioanlage / Foto: HB
Bioanlage / Foto: HB

(WK-news) – Freising – Bei der Umstellung der Stromversorgung auf Erneuerbare Energien (EE) werden zunehmend auch Systemdienstleistungen aus regenerativen Anlagen benötigt.

  • Biogasanlagen können Netzsystemdienstleistungen übernehmen
  • gesicherte Leistung und bedarfsgerechte Stromeinspeisung
  • EEG 2012 bietet Chancen zum Neuanlagenbau

Bislang übernehmen die Bereitstellung von Regelenergie und Blindstromkompensation beispielsweise Braunkohlekraftwerke. „Viele der rund 7.500 Biogasanlagen in Deutschland können in den nächsten Jahren auf die Erbringung von Systemdienstleistungen für die Stabilität des Stromnetzes ausgerichtet werden“, macht Horst Seide, Präsident des Fachverbandes Biogas, deutlich. Dies erfolgt vor allem durch eine Erhöhung der installierten elektrischen Leistung bei den einzelnen Anlagen. „Mit einem zweiten Blockheizkraftwerk (BHKW) und einem Biogasspeicher können Biogasanlagen sogar positive Regelenergie anbieten oder den Strom nicht 24, sondern flexibel an acht Stunden des Tages ins Netz einspeisen“, erklärt Seide. Dies erfolge ohne eine Erhöhung des Bedarfs an Einsatzstoffen oder Fläche, da dieselbe Strommenge lediglich in kürzerer Zeit produziert und eingespeist werde. „Biogasanlagen bringen ihren Strom dann verstärkt ins Netz, wenn Wind und Sonne nicht liefern können. Biogas ist mit seiner Flexibilität ein Problemlöser in der Energiewende“, so der Verbandspräsident.

„Mit der Flexibilitätsprämie des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2012 hat der Gesetzgeber einen wichtigen Impuls für die Flexibilisierung von Bestands- und neuen Biogasanlagen gesetzt“, erläutert Claus Rückert, Sprecher des Firmenbeirates im Fachverband Biogas. „Die Unternehmen der Biogasbranche haben innerhalb kürzester Zeit, die technischen und logistischen Lösungen für Systemdienstleistungen und bedarfsgerechte Stromeinspeisung aus Biogas entwickelt“, beschreibt Rückert die Aufbruchsstimmung in der Biogas-Unternehmerschaft. „Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen und das klare politische Signal für Biogas als wichtiger erneuerbarer Systemdienstleister“, so der Firmenbeiratssprecher. Dass dieses Signal bisher nicht deutlich genug ausgefallen ist beweisen Mitarbeiter-Entlassungen und Insolvenzen namhafter Firmen in den vergangenen Wochen und Monaten.

Das EEG 2012 hat Fehlentwicklungen des Vorläufergesetzes korrigiert, nahezu alle Boni abgeschafft und Bedingungen hinsichtlich des Energiepflanzeneinsatzes und der Wärmenutzung eingeführt. Gepaart mit hohen Agrarpreisen haben die neuen Rahmenbedingungen dazu geführt, dass der Biogasanlagenzubau in 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent zurückgegangen war.

Auf die neuen Herausforderungen hat sich die Biogasbranche mit Innovationskraft eingestellt. Nochmals gesteigerte Wirkungsgrade und ausgefeilte Wärmekonzepte lassen Biogasprojekte auf Basis hoher Reststoffanteile, wie Gülle, an sehr guten Standorten dennoch realisieren. „Wenn die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Flexibilitätsprämie beseitigt werden, würden mehr Landwirte in den Bau von neuen flexiblen Biogasanlagen investieren“, weiß Rückert. Schnell müsse z.B. der unklare Anlagen- und Inbetriebnahmebegriff im EEG 2012 überarbeitet werden. Mit nur kleinen Änderungen könne die Ausrichtung der Biogasanlagen auf die Funktion des Systemstabilisators verstärkt werden. Der Prozess laufe zwar, aber derzeit noch zu zögerlich.

PM: Fachverband Biogas e.V.

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