Kavernenspeicher ist Rückgrat für Solar- und WindEnergie

Im niedersächsischen Jemgum, Landkreis Leer, entwickeln der Energiedienstleister EWE und das europäische Energieunternehmen astora Deutschlands zweitgrößten Erdgasspeicher. EWE und astora wollen in den nächsten Jahren insgesamt bis zu 33 Kavernen im Salzstock Jemgum errichten. / Pressebild: astora
Im niedersächsischen Jemgum, Landkreis Leer, entwickeln der Energiedienstleister EWE und das europäische Energieunternehmen astora Deutschlands zweitgrößten Erdgasspeicher. EWE und astora wollen in den nächsten Jahren insgesamt bis zu 33 Kavernen im Salzstock Jemgum errichten. / Pressebild: astora

(WK-intern)Erdgasspeicher Jemgum eröffnet
Ministerpräsident Weil: “Kavernenspeicher ist Rückgrat für Sonne und Wind”

Nach rund fünfjähriger Bauzeit hat die astora GmbH & Co. KG im niedersächsischen Jemgum im Rahmen eines Festaktes einen der leistungsstärksten und größten Kavernenspeicher Deutschlands in Betrieb genommen. Ministerpräsident Stephan Weil betonte in einer Grußbotschaft die besondere energiepolitische Bedeutung des Speicherprojekts. “Niedersachsen ist Deutschlands Energieland Nummer eins”, so Weil. Der neue Speicher in Jemgum bilde für die Zukunft einen weiteren wichtigen Meilenstein. “Als wesentlicher Beitrag zur Versorgungssicherheit unterstreicht die Speicheranlage die zentrale Bedeutung Niedersachsens als Erdgas-Drehscheibe für Nordwesteuropa. Erdgasspeicher helfen zum einen, saisonale Schwankungen beim Erdgasverbrauch auszugleichen. Zum anderen können sie dazu beitragen, Schwankungen bei der Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne abzumildern – quasi als Rückgrat der Energiewende”, sagte Weil.

Die Speicheranlage wird auch nach der Inbetriebnahme kontinuierlich erweitert. Bis 2018 wird der Speicherbetreiber astora insgesamt zehn Kavernen im Salzstock Jemgum schaffen. Diese können bis zu einer Milliarde Kubikmeter Erdgas aufnehmen – genügend Kapazität, um mehr als eine halbe Million Haushalte ein Jahr lang mit Erdgas zu versorgen.

Anders als bei Porenspeichern kann bei Kavernenspeichern innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit das gesamte Speichervolumen ein- oder ausgelagert werden, da das Erdgas nicht erst lange Wege durch Gestein fließen muss. So können in Jemgum in einer Stunde bis zu eine Million Kubikmeter Erdgas ausgelagert werden. Das gesamte Speichervolumen kann also innerhalb von etwa 1.000 Stunden bereitgestellt werden. Bei Porenspeichern dauert dies meist mehr als doppelt so lange. Diese Eigenschaft macht den Speicher zum attraktiven Partner der erneuerbaren Energien: Können Sonnen- und Windenergie den Strombedarf einmal nicht decken, kann Erdgas aus einem Kavernenspeicher in Verbindung mit Gaskraftwerken die Lastspitzen innerhalb kürzester Zeit ausgleichen.

Zudem ist der Speicher infrastrukturell optimal angebunden an die Fernleitungsnetze der GASCADE Gastransport GmbH sowie der niederländischen Gas Transport Services B.V. (GTS) und gut positioniert, etwa um Erdgas aus der Ostseepipeline Nord Stream zu speichern.

Eigentümer der Speicheranlage sind die WINGAS GmbH mit Sitz in Kassel und die VNG Gasspeicher GmbH in Leipzig, deren Anteil ein Sechstel an der Gesamtanlage beträgt. Den Bau und Betrieb des Speichers verantwortet die astora GmbH & Co. KG, ein Tochterunternehmen der WINGAS. Insgesamt investieren die Unternehmen in den Bau der Anlage mehrere hundert Millionen Euro.

Technologisch Maßstäbe gesetzt

Bei der Errichtung des Speichers werden in einem Salzstock in einer Tiefe von 1.150 bis 1.600 Metern künstliche Hohlräume, sogenannte Kavernen, geschaffen. Anschließend pressen Kompressoren das Gas unter hohem Druck in die Hohlräume. Die Speicheranlage in Jemgum erlaubt eine ebenso sichere wie flexible Versorgung mit Erdgas.

Mit dem Erdgasspeicher setzt astora technologisch in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe: Ein Beispiel hierfür liefern etwa die zielgenau abgelenkten Bohrungen, die s-förmig in die Tiefe gehen. Mit ihrer Hilfe können bis zu sechs Kavernenbohrungen von einem Sammelplatz aus betrieben werden. Das hat den Vorteil, dass an der Oberfläche so wenig Platz wie möglich beansprucht wird und Natur und Landschaft geschont werden. Zudem sorgt eine innovative Gasrückverdichtungsanlage für einen nahezu emissionsfreien Betrieb des Speichers.

Auch durch eine enge Zusammenarbeit mit der EWE, die in unmittelbarer Nähe einen eigenen Speicher betreibt, konnten Eingriffe in Natur und Landschaft hinsichtlich der Energieversorgung und des Soletransports minimiert werden. So wird die in Jemgum anfallende gesättigte Salzlösung, auch Sole genannt, über eine mehr als 40 Kilometer lange Leitung direkt in die Nordsee geleitet, indem ein bereits vorhandenes Teilstück der Erdgasleitung MIDAL genutzt wird.

Andreas Renner, Geschäftsführer der astora, sieht in der Anlage in Jemgum darum auch einen Hightech-Speicher für höchste Ansprüche und ein wichtiges Element für die künftige strategische Aufstellung des Unternehmens: “Als innovativer Kavernenspeicher ergänzt Jemgum perfekt die vorhandenen Porenspeicher der astora”, so Andreas Renner. “Mit diesem Portfolio haben wir eine ausgezeichnete Basis, um uns auch in Zukunft mit Erfolg als einer der größten Speicherbetreiber in Europa zu positionieren.”

Über die astora GmbH & Co. KG

Die astora GmbH & Co. KG mit Sitz in Kassel zählt zu den größten Erdgasspeicherbetreibern in Europa. Im norddeutschen Rehden verfügt das Unternehmen über den größten Erdgasspeicher Westeuropas – mit einem Volumen von über vier Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas. Zudem hält die Speichergesellschaft Kapazitäten am zweitgrößten Speicher Mitteleuropas in Haidach, Österreich. Einer sicheren Versorgung Europas mit Erdgas dient zudem der im September 2013 eröffnete Erdgasspeicher Jemgum an der deutsch-niederländischen Grenze.

PM: astora GmbH & Co. KG

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