Die französische Nuklearbranche in Zahlen, bedeutender Sektor der französischen Industrie

(WK-intern) – Kernenergie – ein bedeutender Sektor der französischen Industrie

Nach den USA hat Frankreich die meisten Reaktoren (58). Dank des seit 60 Jahren beständigen Engagements und der Investitionen von Industriekonzernen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen verfügt Frankreich über ein bedeutendes Fachwissen, dem weltweit Anerkennung gezollt wird.

Die französische Nuklearbranche in Zahlen:

  • 46 Milliarden Euro Umsatz, davon 5,6 Milliarden im Export
  • 1,8 Milliarden an Investitionen in Forschung und Entwicklung
  • 2 500 Unternehmen und 220 000 Angestellte
  • 58 funktionsfähige nukleare Reaktoren auf französischem Staatsgebiet

Frankreich ist im Bereich des Brennstoffkreislaufs (Herstellung, Verwendung und Wiederaufarbeitung) momentan die Nummer eins und wird beim Bau und der Wartung von Atomkraftwerken als eines der führenden Länder angesehen. Der französische Kernenergiebereich umfasst 2 500 Unternehmen und ca. 400 000 direkte, indirekte und induzierte Arbeitsplätze. In Bezug auf Investitionen in Forschung und Entwicklung nimmt dieser Bereich mit einem Budget von ungefähr 1,8 Milliarden Euro sogar den vierten Platz in Frankreich ein.

„Unser Land verfügt über anerkannte Fachkompetenzen und historisches Knowhow – Vorteile, die bewahrt werden müssen“, sagt Daniel Iracane, stellvertretender Direktor für internationale Beziehungen bei der Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA).

Von Areva zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen
Unter den Unternehmen, die das Ansehen des französischen Nuklearsektors begründen, bleibt EDF (Electricité de France) beim Betrieb von Atomkraftwerken weltweit weiterhin das Flaggschiff. Das Unternehmen Areva gehört zu den wichtigsten Herstellern im Kernenergiebereich, denn es ist für den Bau oder die Wartung von 360 der weltweit 440 existierenden Reaktoren verantwortlich.

„Auch wenn große Konzerne wie AREVA oder EDF bei den bedeutenden Verträgen oftmals an erster Stelle stehen, so müssen weltweit auch andere Unternehmen an der Konzeption oder der Wartung der Anlagen arbeiten“, erklärt Valérie Faudon, Generalbeauftragte der SFEN (Société française d’énergie nucléaire). Daher haben die französischen Behörden entschieden, die gesamte Branche zu strukturieren und zwar durch Herstellungs- und Verwendungseinheiten, die den jeweiligen Etappen des Brennstoffkreislaufs entsprechen. Der Verantwortliche der CEA sagt, dass „Frankreich eines der wenigen Länder ist, das über eine umfassende Nuklearbranche verfügt“ und zwar von der Uranumwandlung und -anreicherung, über die Herstellung von Brennstoffen und der Behandlung der abgebrannten Brennstoffe bis zur Wiederaufarbeitung. Die Maßnahmen sollen den Zusammenhalt zwischen den Unternehmen auf den ausländischen Märkten stärken und es den kleinen und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, bedeutende Verträge abzuschließen, wie es beispielsweise Vanatome im Bereich Nukleararmaturen und Lemer Pax im Bereich Nuklearmedizin gelungen ist.

Sicherheit als Priorität
Daniel Iracane sagt, dass „die Nuklearindustrie eine Industrie wie jede andere ist, außer dass sie eines besonderen rechtlichen und institutionellen Rahmens sowie bedeutender Maßnahmen, Fachkompetenzen und großen Fachwissens bedarf, um die erforderlichen Sicherheitsstandards zu garantieren“ – insbesondere seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011. „Es gab eine Bewusstwerdung der Verpflichtung, sich auf das Unvorstellbare vorzubereiten – da es kein Nullrisiko gibt – und einen Unfall so managen zu können, dass keinerlei Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt“, fügt Valérie Faudon hinzu.

Viele Länder haben sich aufgrund des historischen Knowhows und Fachwissens an Frankreich gewandt. Dies liegt zum einen an den anerkannt hohen Standards der Kontroll- und Sicherheitsinstitutionen wie zum Beispiel der Behörde für nukleare Sicherheit, der CEA oder auch der SFEN und zum anderen an den renommierten Unternehmen. Japan beispielsweise nimmt die französische Behörde für nukleare Sicherheit als Vorbild, um eine unabhängige Kontroll- und Sicherheitsinstanz zu schaffen. Bedeutende Reaktorbauprojekte sind noch in Saudi-Arabien, China oder Polen vorgesehen. Der Markt für den Bau neuer Reaktoren befindet sich nämlich vor allem im Ausland.

45 Milliarden Euro Umsatz
„Der Export im Nuklearbereich wird oftmals mit dem Bau neuer Nuklearreaktoren gleichgesetzt. Für die Industrie sind aber die bereits bestehenden Reaktoren in der Welt und ihr Bedarf an Brennstoffen sowie industriellen Dienstleistungen von Bedeutung. Dies ist ein sehr stabiles und im Wachstum befindliches Business, das weniger bekannt ist, da es in den Medien weniger Beachtung findet.“ Insgesamt exportiert Frankreich in die Anrainerstaaten Elektrizität für 2 Milliarden Euro, Waren und Dienstleistungen, wie das Management von Projekten, für 6 Milliarden Euro sowie Lösungen für die Wiederaufarbeitung von Brennstoffen. Dieses Fachwissen führt zu einem globalen Umsatz von 45 Milliarden Euro, was 2% des nationalen BIP entspricht.

„In den kommenden 20 Jahren wird sich der Energieverbrauch verdoppeln, da die Weltbevölkerung wächst und diejenigen Bevölkerungen, die heute keinen Zugang zur Elektrizität haben, nachrüsten werden. Gleichzeitig muss der CO2-Ausstoß halbiert werden. Derzeit gibt es keine Alternative zu dieser preiswerten Energie mit hohem Energiewert und ohne CO2-Emissionen“, sagt die Beauftragte der SFEN. Im Übrigen werden die in diesem Sektor tätigen Unternehmen bis 2020 nicht weniger als 110 000 Personen einstellen.

Quelle: MINISTERIUM FÜR AUSWÄRTIGE ANGELEGENHEITEN / ABTEILUNG PRESSE UND ÖFFENTLICHKEITSARBEIT REFERAT PRESSE

Redaktion: Barbara Leblanc

PM: Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

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