Steuerung von dezentralen Energieerzeugungsanlagen zu virtuellen Kraftwerken

(WK-intern) – Fraunhofer FOKUS und Vattenfall gründen Industrieforum VHP-Ready
Steuerungsstandard für dezentrale Energieerzeugungsanlagen wird unternehmensübergreifend weiterentwickelt

Ein Schwerpunkt der Energiewende ist die Integration von erneuerbaren Energien in die Energieversorgung. Ein Ansatz dafür: virtuelle Kraftwerke. Hier werden dezentrale Energieerzeugungsanlagen wie Blockheizkraftwerke und Wärmepumpen zu einem vernetzten und zentral gesteuerten System verbunden. Die Steuerung der dezentralen Anlagen erfolgt auf Basis des Technikstandards VHP-Ready (Virtual Heat and Power Ready). Fraunhofer FOKUS und Vattenfall arbeiten nun gemeinsam an der Weiterentwicklung dieses Standards und planen die Gründung eines Industrieforums. Ziel ist es, Besitzern von dezentralen Anlagen die Anbindung an virtuelle Kraftwerke technisch zu erleichtern.

Um den von Vattenfall entwickelten Standard VHP-Ready noch intensiver für die Industrie nutzbar zu machen, soll ein neutrales, branchenweites Gremium gegründet werden, welches die Weiterentwicklung des Standards und die Zertifizierung standardkonformer Komponenten zum Ziel hat: das Industrieforum VHP-Ready. Hierfür sollen bis Ende dieses Jahres weitere Partner gewonnen werden wie z.B. Hersteller dezentraler Anlagen und Steuerungstechnologie, Energieversorgungsunternehmen sowie Vertreter aus Politik und Wissenschaft. Das Industrieforum soll Mitte nächsten Jahres mit seiner Arbeit starten.

„Mit Fraunhofer FOKUS haben wir einen kompetenten Partner gefunden, der uns mit seiner Expertise bei der Entwicklung des Industrieforums sowie bei der Zertifizierung von VHP-Ready als Industriestandard unterstützt“, freut sich Hanno Balzer, zuständig für das Virtuelle Kraftwerk bei der Vattenfall Europe Wärme AG.

„Fraunhofer FOKUS will die Energiewende aktiv mitgestalten. Daher freuen wir uns, gemeinsam mit Vattenfall am Aufbau des Industrieforums und der Weiterentwicklung und Zertifizierung des dafür nötigen Standard VHP-Ready mitzuarbeiten“, so Prof. Dr. Ina Schieferdecker, von Fraunhofer FOKUS.

Mit VHP-Ready ist es bereits jetzt möglich, dezentrale Anlagen einfach, kostengünstig und ohne zusätzliche Steuerungstechnik an das Virtuelle Kraftwerk anzubinden. Die Steuerung VHP-Ready konformer Anlagen erfolgt dabei über eine verschlüsselte Internetverbindung. Vattenfall betreibt bereits seit Oktober 2010 ein virtuelles Kraftwerk in Berlin und hat im April 2011 den Standard VHP-Ready veröffentlicht.

Mit der angestrebten Weiterentwicklung und Etablierung des offenen Industriestandards VHP-Ready zur Integration dezentraler Energieanlagen durch ein neutrales branchenweites Gremium leisten Vattenfall und Fraunhofer FOKUS einen wesentlichen Beitrag zum Umbau der Energiesysteme und damit zum Erfolg der Energiewende.

PM: Vattenfall

Über das Virtuelle Kraftwerk von Vattenfall
Im Virtuellen Kraftwerk kombiniert Vattenfall Blockheizkraftwerke sowie auch Wärmepumpen und einen Stromspeicher zu einem vernetzten, flexibel regelbaren und zentral gesteuerten Anlagensystem. Ziel ist es dabei, erneuerbare Energien besser in die Strom- und Wärmeversorgung zu integrieren. Das Virtuelle Kraftwerk ist in der Lage, während der Wärmeproduktion mit den angeschlossenen Blockheizkraftwerken (BHKW) sowohl Strom zu produzieren als auch über die Wärmepumpen gezielt regenerativen Strom zu verbrauchen und in Form von Wärme zu speichern. Im Oktober 2010 hat Vattenfall das Virtuelle Kraftwerk mit den ersten 15 Anlagen in Betrieb genommen. Die Überwachung und Steuerung der dezentralen Anlagen erfolgt aus der Vattenfall Wärmeleitwarte, über die auch die großen Kraftwerke gesteuert werden. Im Anlagenverbund befinden sich derzeit Wärmepumpen der Größenklassen 10 bis 25 Kilowatt thermisch und Blockheizkraftwerke mit einer Leistung von 5,5 bis 2.000 Kilowatt elektrisch. Aktuell werden über die an das Virtuelle Kraftwerk angeschlossenen Anlagen 150.000 Wohneinheiten mit Wärme versorgt.

Über das Fraunhofer-Institut FOKUS
Das Fraunhofer-Institut FOKUS arbeitet an neuen Informations- und Kommunikationstechnologien für die Energiewende und hat umfangreiche Erfahrungen bei der Entwicklung von Abnahmeprozessen, Prüfmethoden, der Durchführung von Tests sowie bei der Etablierung von Zertifizierungsprogrammen gesammelt. Fraunhofer FOKUS folgt dem Leitbild einer kooperativen Erarbeitung der Standards, Prüfwerkzeuge und des Zertifizierungsprogramms gemeinsam mit den am Aufbau dezentraler Energieanlagen beteiligten Partnern.

Für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) begleiten Mitarbeiter des Fraunhofer FOKUS CertLab Zertifizierungsverfahren von IT-Sicherheitsprodukten basierend auf dem international anerkannten Common Criteria Standard (ISO/IEC 15408).

Durch den Aufbau des IT4Energy Labs bei FOKUS werden technische Erfahrungen bei der Nutzung von Energiespeichern, Solaranlagen und Windturbinen in Verbindung mit dem Einsatz von digitalen Stromzählern („Smart Meter“) zur Eigenverbrauchsoptimierung in das Projekt eingebracht.

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