Studie: Landwirtschaftliche Landnutzung schädigt Ökosysteme

Mehr als 30 Meter tief ist die Gülle in den ländlichen Böden, alle Hausbrunnen sind bereits verboten
Mehr als 30 Meter tief ist die Gülle in den ländlichen Böden. Die meisten Hausbrunnen sind zur Trinkwasserentnahme nicht mehr geeignet / Foto: HB

(WK-intern) – Studie zeigt: Gegenwärtige Landnutzung vernachlässigt Ökosystem-Dienstleistungen

Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Lebewesen und Umwelt bezeichnet man als Ökosystem. Intakte Ökosysteme liefern nicht nur Nahrung und Rohstoffe, sondern regulieren auch das Klima, sorgen für Artenvielfalt oder bieten Raum für Tourismus und Naherholung. Diese „Ökosystem-Dienstleistungen“ sind zunehmend Gegenstand sozialökologischer Forschung. Eine Studie unter Beteiligung von Prof. Dr. Grischa Perino vom Fachbereich Sozialökonomie der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg zeigt, dass eine Landnutzung, die vorwiegend an landwirtschaftlichen Erträgen ausgerichtet ist, zu wenig ökologische Dienstleistungen bietet. Dies berichtet das Fachmagazin Science.

Die Studie hat detaillierte geographische, ökologische und ökonomische Daten am Beispiel Großbritanniens analysiert. Dabei wurde deutlich: Die bisherigen politischen und wirtschaftlichen Anreize für Landnutzung setzen die falschen Akzente. Die Studie empfiehlt deshalb eine Reform europäischer und nationaler Förderpraxis. So wird etwa Waldwirtschaft oft nur dort betrieben, wo andere Anbauarten unrentabel sind. Das sind jedoch häufig Regionen (z.B. in Wales), die weit von großen Städten entfernt sind, sodass die Wälder als Naherholungsgebiete in der Nähe von Ballungszentren fehlen. Würden Ökosystem-Dienstleistungen bei der Landschaftsplanung berücksichtigt, könnten die gesellschaftlichen Erträge aus Ernten und Ökosystem-Dienstleistungen zusammengenommen, bedeutend erhöht werden. Ähnliches gilt für Grünanlagen in Städten. Sie bieten nicht nur Naherholung, sondern reduzieren auch Luftschadstoffe und Lärm. Obwohl davon viele Menschen profitieren, spielen diese Aspekte bei der Flächennutzungsentscheidung der Kommunen oft nur eine untergeordnete Rolle, da sie nicht unmittelbar wirtschaftliche Gewinne für die Grundeigentümer abwerfen.

An der Studie haben 25 Forscherinnen und Forscher der Natur- und Wirtschaftswissenschaften aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden und Spanien mitgewirkt. Geleitet wurde die Studie von Prof. Ian Bateman (University of East Anglia/Großbritannien). Die Methoden der Studie sind universal anwendbar und erlauben vergleichbare Analysen auch in anderen Ländern. Prof. Dr. Grischa Perino ist seit April 2013 Professor für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Ökologische Ökonomie an der Universität Hamburg. Er leitete das interdisziplinäre Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das für die Bewertung von städtischen Grünanlagen verantwortlich war.
Weitere Informationen:

PM: Birgit Kruse
Universität Hamburg

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