Euro Solar AG: EU erhebt Solar-Schutzzoll mit falschen Zahlen

Solarkraft / Foto: HB
Solarkraft / Foto: HB
(WK-intern) – Am 4. Juni hatte die EU verkündet, dass ab 6. Juni 2013 für die Dauer von 2 Monaten ein vorläufiger Schutzzoll auf Photovoltaik-Module aus China in Höhe von 11,8 % erhoben wird. Man werde mit geladener Pistole mit China weiterverhandeln. Wenn China nicht einlenkt, werde sich der Schutzzoll auf durchschnittlich 47,6 % erhöhen.

Weiter hieß es, die Höhe des Dumpings der Waren aus China betrage sogar 88 %. Nach der heutigen Analyse ist die Zahl von 88 % Dumpingvorteil aus Sicht der EU sogar wohlwollend, weil diese nur auf ausgewählten Firmen basiert. Bei anderen Firmen geht die EU sogar von 112 % Dumpingvorteil aus!

Jeder, der sich schon mehrere Jahre mit tatsächlichen Importpreisen aus China und Inlandspreisen beschäftigt, reibt sich die Augen und fragt sich, ob denn die EU beim Haushalt auch so merkwürdig rechnet? Offiziell soll der Schutzzoll einen Ausgleich zum angeblichen Vorteil durch Dumping schaffen und fließt in die klamme Kasse der EU.

Nach dem gestrigen 3-seitigen Memo von EU-Handelskommissar De Gucht liegt heute der umfassende Gesetzestext der EU vor, der Grundlage für diesen Artikel ist.

Aus dem Ort meiner Vorfahren ist mir bekannt, dass die dortige Brauerei das Bier in 50 km Entfernung günstiger verkaufte als am Herstellort. Fachleute für Marketing und Vertrieb kennen diesen Mechanismus allgemein. In gleicher Weise waren Modulhersteller in China gezwungen, zu einem Preis unter dem der Hersteller in Deutschland anzubieten. Umgekehrt konnte etwa Solarworld durch gutes Marketing die Module lange Zeit sehr teuer verkaufen, somit den Aktionären eine gute Dividende ausschütten und griff dabei auch auf günstige Module aus China zurück.

Wenn man Importpreise aus China nimmt und diese um den von der EU genannten Dumpingvorteil von 88 % erhöht, kommt man auf Mondpreise. Die EU bezieht sich auf einen Untersuchungszeitraum vom 1.7.2011 bis 30.6.2012 und konstruiert einen Vergleich mit Indien als Vergleichsland.

Die EU hat offensichtlich für die Beurteilung der Beschwerde von Solarworld, die durch EU ProSun in Person von Milan Nitzschke von Solarworld vorgebracht wurde, viel Geld investiert. In der EU-Darstellung kann man beim Unionsverbrauch bereits den Rückgang des Modulverkaufs in Europa erkennen, der von der deutschen Bundesregierung im Hauptabsatzmarkt Deutschland verursachte wurde. Früher sah ja auch Solarworld-Chef Frank Asbeck nicht die Schuld bei den Chinesen, sondern entdeckte diese später als Ersatzübeltäter. Im Februar 2012 verkündete er noch die Wahrheit: „Solarwold-Chef fürchtet Firmensterben durch Subventionskürzungen“ [1] und „Wir werden einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen sehen. Zehntausende von Stellen stehen auf dem Spiel.“

Positiv ist, dass die EU im Bericht Grundlagen nennt. Als Importpreis werden im Untersuchungszeitraum 76,4 Cent pro Watt Peak (Wp) genannt (CIF, umgerechnet auf übliche Handelsbasis).

Während im Untersuchungszeitraum der Absatz weltweit sinkt, nehmen die Produktionskapazitäten weltweit durch positive Erwartungen zu. Die EU weist dies auch für das eigene Gebiet aus – und entsprechend eine gesunkene Auslastung von zuvor nur 45 % auf 41 %!

Selbst im besten Jahr 2010 lag nach EU-Angaben die Anlagenauslastung in der EU nur bei 48 %.

Die EU-Ausarbeitung nennt als durchschnittlichen Verkaufspreis der Modulhersteller in der EU im Untersuchungszeitraum 103,1 Cent pro Wp.

Die von der EU genannten Einfuhrpreise liegen damit um 26 % unter den Verkaufspreisen der in der EU hergestellten Module.

Wenn man die Einfuhrpreise mit den von der EU konstruierten Dumpingspannen von 88 % bzw. 112 % von nicht namentlich benannten Firmen in China beaufschlagen würde, wären diese Preise weit über den Verkaufspreisen der EU-Hersteller. Wenn man davon ausgeht, dass im hochbezahlten EU-Apparat solche Ausarbeitungen auf Plausibilität geprüft werden, kommt man zum Schluss, dass es um protektionistische Maßnahmen zur Marktabschottung geht.

Asbeck und Nitzschke haben demagogische Fähigkeiten und stürzen ganz Europa durch einen Handelskrieg ins Unglück. Die Netzgemeinde brachte den Hochstapler Guttenberg zu Fall und analysiert auch Asbecks Sprüche und die Bilanzen von Solarworld. Ein passender Beitrag im Internet lautet: „Im September 2012 hat er seine Module für 1,05 – 0,98 EUR/Wp verkauft. Im Projektgeschäft aber für nur 0,60 EUR/Wp. Wie kann das gehen? Welcher Preis ist korrekt. Diese Information ist gesichert und kann ich beweisen.” [2]

Die 60 Cent/Wp von Solarworld liegen klar unter den Herstellkosten und die Preisdifferenzen sind gegenüber Kunden von Solarworld eine völlig unseriöse Politik, obwohl gerade Solarworld immer lautstark fordert, andere sollen fair sein. Der Solarworld-Preis von 60 Cent/Wp liegt unter dem von der EU genannten Importpreis aus China und ist massives Dumping.

China hat bei der Modulproduktion kräftig in Maschinen aus Europa investiert und lag bei den Modulen entsprechend bei den Flächenleistungen regelmäßig über den Modulen aus Europa. Bei den Insolvenzen durch die plötzlichen Reduzierungen der Einspeisevergütungen und den Nachfrageeinbruch gab es in China genauso Insolvenzen wie in Deutschland.

Selbst wenn man die von der EU genannten Produktionskosten in Europa (ältere Maschinen) von 112,4 Cent/Wp als korrekt voraussetzt und für den Vergleich heranzieht, liegt der Importpreis aus China 32 % darunter und ist weit vom genannten Dumpingvorteil von 88 % bzw. 112 % entfernt. Und wie erwähnt erwarten Kunden bei Modulen aus China einen Preisvorteil, was bei einer fairen Betrachtung durch die EU zu berücksichtigen ist.

Auf der Homepage der Europa-Solar AG steht deshalb: „EU-Kommission bremst Energiewende der EU-Staaten durch protektionistischen PV-Schutzzoll“ [3].

Offiziell als Schutzmaßnahme für die Solarbranche dargestellt, ergibt sich ein Vorteil für die (Atom-)Energiekonzerne in der EU, die kräftig auf die Gesetzgebungsorgane einwirken.

[1] http://www.derwesten.de/id6396139.html
[2] http://forum.spiegel.de/f22/–91790.html
[3] http://europa-solar.ag/?option=com_content&id=66&Itemid=77

PM: Ralf Stegmaier – Europa-Solar AG

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