Umweltminister Remmel: „Im Ruhrgebiet kann der größte Fernwärmeverbund innerhalb der EU entstehen“

Windparks / Foto: HB
Windparks / Foto: HB
(WK-intern) – Umweltministerium stellt Gutachten zum Ausbau des Fernwärmenetzes im Ruhrgebiet vor. Verstärkter Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung bedeutet mehr Energieeffizienz und weniger Ausstoß von Treibhausgasen.
Im Ruhrgebiet gibt es das Potenzial für den größten Fernwärmeverbund innerhalb der EU. Das ist das Ergebnis des neuen Gutachtens „Entwicklung von Fernwärmeperspektiven im Ruhrgebiet bis 2050“, das das NRW-Umweltministerium in Auftrag gegeben hat. Durch den aktiven Ausbau der bestehenden Fernwärmeinseln zu einem Fernwärmeverbund könnten noch mehr Bürgerinnen und Bürger insbesondere im westlichen Ruhrgebiet (von Duisburg bis Herne) und am angrenzenden Niederrhein (Moers, Dinslaken, Voerde) durch die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) profitieren. Das dies technisch möglich ist, wurde nun durch das neue Gutachten des Büros für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) bestätigt.

„Die Kraft-Wärme-Kopplung ist der schlafende Riese der beschleunigten Energiewende und stellt eine attraktive Brücke zur Vollversorgung durch Erneuerbare Energien dar“, sagte Umweltminister Johannes Remmel. „Wenn wir die bestehenden Fernwärmeinseln im Ruhrgebiet intelligent vernetzen und ausbauen, leistet das einen großen Beitrag zum Klimaschutz ‚made in NRW’.“

Durch den Zusammenschluss bestehender Netzinseln zu einem Westverbund könnten durch die gemeinsame Nutzung von KWK-Anlagen und anderen Einspeisern bis 2050 bis zu drei Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 eingespart werden.

Darüber hinaus hat BET noch weitere theoretische Potenziale zur Fernwärmevernetzung im östlichen und nördlichen Ruhrgebiet identifiziert, die Realisierung des Westverbunds würde jedoch die Erschließung des größten Fernwärmepotenzials bedeuten.

KWK-Anlagen – zum Beispiel stromerzeugende Kraftwerke, Müllheizkraftwerke oder Industrieanlagen – stellen Fernwärme bereit. Unter KWK versteht man die gleichzeitige Umwandlung von Brennstoffen in elektrische und thermische Energie. Gegenüber der getrennten Erzeugung von Strom und Wärme wird durch KWK die eingesetzte Primärenergie deutlich effizienter ausgenutzt.

Die Realisierung eines Fernwärmeverbundes spart außerdem erhebliche Mengen meist importierter fossiler Brennstoffe ein. Einen aktiven Ausbau vorausgesetzt, könnten im Zeitraum zwischen 2017 und 2050 mehr als 800.000 Tonnen Heizöläquivalent eingespart werden.

Minister Remmel warnte davor, in der aktuellen Debatte die Energiewende auf eine reine Stromwende zu beschränken. „Wir reden viel zu viel über Strom und zu wenig über Wärme. Wir in NRW wollen dieses schlummernde Potenzial heben und das Machbarkeitsgutachten ist ein weiterer Baustein unserer neuen Klima- und Energiepolitik“, sagte Remmel.

Eine Potenzialstudie hatte im Jahr 2011 bereits ergeben, dass in NRW durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung theoretisch bis zu 35 Prozent der CO2-Emissionen und 35 Prozent der Rohstoffe in Nordrhein-Westfalen eingespart werden könnten. Bis zu 36 Prozent des landesweiten Nutzwärmebedarfs (Heizung und Warmwasseraufbereitung, außerdem Prozesswärme für Gewerbe, Handel und Dienstleistung) könnten damit gedeckt werden. „Das Gutachten zum Fernwärmeausbau zeigt nun: Wir können dieses Potenzial durch einen Fernwärmeverbund im Ruhrgebiet ein großes Stück weit heben“, so Remmel.

Das Gutachten von BET zeige außerdem, dass mit einem Westverbund ähnlich günstige CO2-Vermeidungskosten erreicht werden könnten wie mit dem Bau der günstigsten Anlagen, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden. Remmel: „Somit ist der Ausbau der Fernwärme nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.“ Durch den Bau eines Fernwärmeverbundes würde außerdem die Wertschöpfung der Wärmeerzeugung regionalisiert.

Die Landesregierung will den Anteil der KWK an der Stromerzeugung von heute 13 Prozent auf mehr als 25 Prozent bis 2020 steigern. Das Impulsprogramm KWK der Landesregierung soll mit einem Volumen von 250 Millionen Euro helfen, diese Ziele zu erreichen. BET-Geschäftsführer Dr. Michael Ritzau: „Unsere Analysen für das Ruhrgebiet zeigen eindeutig, dass auch bei großen Anstrengungen zur Wärmedämmung die Fernwärme im Ballungsraum Ruhrgebiet eine nachhaltige Zukunft hat. Dazu sind zwei Hebel erforderlich: Die Erschließung emissionsarmer Abwärme-Potenziale durch konsequente Vernetzung, und ein energischer Ausbau der Fernwärme in den Verdichtungsräumen.“

Mit dem Ausbau der Fernwärmeinfrastruktur können weitere emissionsarme Wärmequellen erschlossen werden, indem zum Beispiel industrielle Abwärme genutzt oder die Wärmeauskopplung von Müllheizkraftwerken erhöht wird. Udo Wichert, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW): „Die Machbarkeitsstudie belegt, dass die Verknüpfung der Fernwärmeschienen Niederrhein und Ruhr sinnvoll ist, allerdings auch der Unterstützung aus öffentlichen Mitteln bedarf, um wirtschaftlich darstellbar zu sein.”

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Westverbund ist nach Einschätzung von BET die Bündelung der Unternehmensinteressen. Von den Gutachtern wird vorgeschlagen, hierzu eine Verbundgesellschaft zu gründen, in der die vorhandenen und neuen Primärnetze des Ruhrgebietes eingebracht werden und die die Errichtung und den Betrieb der Primärnetze übernimmt. Eigentümer dieser Gesellschaft sollten die Fernwärmeversorger des Ruhrgebietes sein, um die freie Verfügbarkeit der Primärtrassen für den Wärmetransport zu gewährleisten.

BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH
V.i.S.d.P.:
Hans-Peter Lipka

Möchten Sie Ihr Unternehmen den Besuchern und Interessenten im Windkraft-Journal noch näher bringen? Dann tragen Sie Ihre Firma gerne hier ein.

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Schreibe einen Kommentar

Top