Studie: Die sächsische Wirtschaft leidet unter der Energiesituation

Strompreise und Erneuerbare Energien / Foto: HB
Strompreise und EEG werfen lange Schatten auch in der Wettbewerbsfähigkeit  / Foto: HB

(WK-news) – Energiesituation der sächsischen Wirtschaft

  • der Strompreisanstieg ist nicht aufzuhalten
  • der Investitionsstandort Sachsen ist gefährdet
  • Unternehmen Vorreiter bei Energieeffizienz
  • aber Einsparpotenziale noch nicht ausgeschöpft

Chemnitz/Dresden/Leipzig – Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die Energiepreise und die Versorgungssicherheit für die gewerbliche Wirtschaft in Sachsen?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, erarbeitete das Leipziger Institut für Energie GmbH im Auftrag der Industrie- und Handelskammern im Freistaat die Studie “Energiesituation der sächsischen Wirtschaft”.

Eingeflossen sind darin auch die Ergebnisse einer Befragung von 494 IHK-Mitgliedsunternehmen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Sächsische Wirtschaft: Vorreiter bei Energieeffizienz

  • Obwohl die Wirtschaftsleistung in Sachsen seit 1990 deutlich anstieg, ist der Endenergieverbrauch der sächsischen Wirtschaft gesunken. Ursächlich dafür ist eine kontinuierliche Verbesserung der Energieeffizienz infolge des Ersatzes alter Produktionslinien und -anlagen.

Strompreisentwicklung: Staatlich induzierte Strompreisanteile sind Preistreiber

  • Im europäischen Vergleich sieht sich die deutsche Industrie mit den fünfthöchsten Strompreisen konfrontiert. Die sächsischen Gewerbe- und Industriestrompreise gehören zu den vierthöchsten in Europa.
  • Die Strompreissteigerung für Gewerbe und Mittelstand sind nicht aufzuhalten: Für Gewerbekunden wird bei einem Jahresstrombedarf von 20 MWh gegenüber 2012 eine Steigerung der Brutto-Strompreise um 26 Prozent auf 26,1 Cent/kWh im Jahr 2020 prognostiziert. Für mittelständische Industriekunden mit einem Verbrauch von 500 MWh ist bis 2020 ein Preisanstieg um 32,3 Prozent auf 17,5 Cent/kWh zu erwarten. Für die energieintensive Industrie ergibt sich ein kalkulierter Anstieg der Strompreise um 13,0 Prozent auf 7,5 Cent/kWh.
  • Die marktlichen Preisbestandteile des elektrischen Stroms sind ab dem Jahr 2009 kontinuierlich gesunken. Währenddessen haben sich die staatlich induzierten Strompreisbestandteile je nach Verbrauchergruppe auf 24 bis 38 Prozent erhöht. Bezogen auf das Jahr 2008 nahmen die staatlich induzierten Strompreisbestandteile damit um ca. 150 bis 220 Prozent zu.
  • Die Förderung der regenerativen Energien, die dem Grunde nach auch nicht infrage steht, ist aktuell die Hauptursache für den Preisanstieg. Ohne eine Veränderung der derzeitigen Rahmenbedingungen wird die EEG-Umlage allerdings auf etwa 7 Cent/kWh bis zum Jahr 2020 ansteigen.
  • Künftiger Netzentgeltanstieg im Gleichklang: Ausgehend von den Annahmen zur Investitions- und Stromverbrauchsentwicklung werden sich die Netznutzungsentgelte bis zum Jahr 2020 in Deutschland um 0,45 Cent/kWh und in Sachsen um 0,41 Cent/kWh erhöhen. Aktuell liegen die Netzentgelte in Sachsen aber bereits über dem Bundesdurchschnitt. Dieser Abstand wird sich folglich nicht wesentlich verringern, wenn kein anderer Umlagemaßstab für die Netzkosten zur Anwendung kommt.

Wettbewerbssituation: Strompreis beeinflusst Investitionsentscheidungen

  • Die deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegenden Energiepreise setzen Signale für Investitionsentscheidungen der sächsischen Unternehmen.
  • Jedes dritte befragte Unternehmen sieht seine Wettbewerbsposition infolge von Energiepreissteigerungen als gefährdet an, jedes zehnte befragte Unternehmen denkt sogar über Produktionsverlagerung ins Ausland nach.
  • Besonders bei den Unternehmen des Produzierenden Gewerbes ist die Sorge groß, im europäischen Markt wettbewerblich nicht bestehen zu können.

Energiemanagement der Unternehmen: Potenziale noch unangetastet

  • Obwohl 64 Prozent der befragten Unternehmen der Neuverhandlung und Optimierung der Bezugskonditionen eine hohe Bedeutung beimessen, um auf steigende Energiepreise zu reagieren, haben in den letzten fünf Jahren über die Hälfte der Unternehmen ihren Strom- und zwei Drittel ihre Erdgas-Bezugskonditionen nicht verändert.
  • Gut drei Viertel der Unternehmen sind bereits der Frage nachgegangen, ob Einsparpotenziale vorhanden sind. 69,9 Prozent davon haben solche bereits umgesetzt und vornehmlich in effizientere Beleuchtung und technische Prozesse investiert. Bereiche wie die effizientere Gestaltung von Informations- und Kommunikationstechnik oder die Gebäudedämmung weisen noch große Effizienz-Potenziale auf.
  • Aus Unternehmenssicht zu lange Amortisationszeiten oder bestehende Finanzierungsrestriktionen stehen der Umsetzung von Einsparmaßnahmen in vielen Fällen aber noch entgegen.

Fazit der sächsischen IHKs: Die Energiewende ist politisch und gesellschaftlich mehrheitlich gewollt. Die Zielvorgaben zum Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie zur CO2-Einsparung sind gesetzt. Wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende ist, dass die Kosten der Transformation des Energiesystems bezahlbar bleiben. Die Ergebnisse der vom Institut für Energie vorgelegte Studie zeigen jedoch, dass der Weg dahin dringend überarbeitet werden muss: Die Kosten und damit die Energiepreise – vor allem die Strompreise – laufen weiter aus dem Ruder und gehen ungebremst nach oben, wenn jetzt nicht wirksam gegengesteuert wird. Andernfalls erwächst daraus ein unkalkulierbares Risiko für den Wirtschafts- und Investitionsstandort Sachsen.

Weitere energiepolitische Forderungen der sächsischen IHKs sind:

Kurzfristige Aufgaben:

  •  Stromsteuer spürbar senken
  • Netznutzungsentgelte bundesweit gleichmäßig umlegen
  • transparente und konsistente Strompreissystematik schaffen
  • alternative Wege zur Reform der EEG-Förderung prüfen (z. B. Quotenmodell, steuerbasiertes Umlagesystem)
  • Entlastungsregelungen für stromintensive Wirtschaft zielgenauer gestalten
  • Regeln zur Strompreisentlastung von KMU optimieren
  • notwendige Investitionen in Netzausbau und Speicher umsetzen
  • betriebliche Energieeffizienz unterstützen
  • Energieforschung stärken

Mittelfristige Aufgabe:

  •   neues Modell zur Markt- und Systemintegration der Erneuerbaren Energien umsetzen

Unterstützung für Unternehmen

Die Studie zeigt: Die sächsischen Unternehmen schöpfen ihre Energiesparpotenziale noch nicht aus. Auch wenn die Energiekosten maßgeblich durch externe Faktoren bestimmt werden, können die Betriebe mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmen wirksam Einfluss nehmen.

In diesem Prozess unterstützen und begleiten die IHKs ihre Mitgliedsunternehmen unter anderem mit folgenden Leistungen:

  •   Im Rahmen von Betriebsbesuchen Sensibilisierung und Erstberatung zu Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Energieeffizienz (Energiecoach)
  • regelmäßige Informationsveranstaltungen zu den Themen Energiepolitik, Energieeffizienz, Energiemanagement, Energiesteuern/-vergünstigungen, Erneuerbare Energien, Förderangebote (z. B. Ostdeutsches Energieforum, Sächsischer Energietag)
  • Weiterbildung zum EnergieManager (IHK) mit EU-weit anerkanntem Zertifikatabschluss
  • Hinweise zu Bezugskostenoptimierung, Steuerbegünstigungen und Förderprogrammen
  • Vertretung des energiepolitischen Gesamtinteresses unter ausgleichender Berücksichtigung verschiedener Interessenslagen der Branchen
  • Publikation von Branchenführern (für 2013 geplant: “Energietechnik in Sachsen”)

PM: IHK

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