Gestaltung eines zukunftsfähigen Energiemarktes

(WK-intern) – Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit durch integriertes Energiemarktdesign

Vorschlag zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Energiemarktes, der alle Wertschöpfungsstufen umfasst

  • Einführung eines „Marktes für gesicherte Leistung“ setzt nachhaltige Anreize für Erzeuger und Verbraucher und stärkt die Versorgungssicherheit
  • Schneller Netzausbau senkt die Gesamtkosten der Energiewende und erfordert dringend die Anpassung des Regulierungsrahmens
  • Gezielte und effiziente Förderung von Erneuerbaren Energien durch mengenbasierte Auktionen hebt Kostensenkungspotenziale und wahrt Kalkulierbarkeit für Investoren

Neuer Leistungsmarkt ist unverzichtbar

Ein „Preis für gesicherte Leistungen“ ist unverzichtbar für eine zukunftsfähige Gestaltung des Energiemarktes. Zu diesem Schluss kommen die Beratungsunternehmen enervis energy advisors GmbH und BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH in einem Gutachten. Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen, dass neue Kraftwerke unter den heutigen Bedingungen des Strommarktes in Zukunft die Vollkosten in der Regel nicht erwirtschaften.

Der im Gutachten vorgeschlagene Leistungsmarkt soll – nach einer Transformationsphase – als umfassender Kapazitätsmarkt organisiert sein, an dem alle Anbieter gesicherter Leistung (z. B. konventionelle Kraftwerke, KWK-Anlagen, Speicher, nicht dargebotsabhängige EE-Anlagen) teilnehmen können. Voraussetzung ist, dass diese Anlagen für längere Zeiträume (d. h. Monate bzw. Jahre) im Voraus gesicherte Leistung garantieren können.

Diese Garantie würde verbrieft und so – als Zertifikat – handelbar. Anbietern gesicherter Leistung eröffnet sich über die Verkäufe am Strommarkt hinaus eine zusätzliche Erlösquelle. „Durch die Diversifizierung der Erlössituation wirkt die Einführung des Leistungsmarktes risikodämpfend“, erklärt Dr. Horst Wolter, Bereichsleiter Marktberatung bei BET. Denn bei entsprechender Ausgestaltung des Marktes sei zu erwarten, dass das Angebot, die Nachfrage und damit der Preis von Leistung auch über längere Zeiträume vergleichsweise stabil sind.

„Ziel eines Leistungsmarktes sei nicht nur, dass ein angemessenes Rendite-/Risikoverhältnis für Kraftwerksinvestoren und –betreiber erreicht würde. Darüber hinaus wird über die Vertriebe die Flexibilität auf der Verbrauchsseite aktiviert, weil auch die Stromkunden profitieren können. Dazu teilen sie ihren Verbrauch in einen gesicherten Teil und einen kostengünstigeren, unterbrechbaren Teil, der den Leistungsbedarf des jeweiligen Vertriebs reduziert“, so Julius Ecke, der Berater bei enervis ist.

Zeitnaher Netzausbau spart Redispatch-Kosten

Die BET plädiert zudem für einen weitgehenden Um- und Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze bereits bis 2020. Dies sei erforderlich, um die wachsende Produktion Erneuerbarer Energien im System aufzunehmen und die Redispatch-Kosten deutlich zu reduzieren, so Gründer und Geschäftsführer Dr. Wolfgang Zander:

„Erstmals ist nachgewiesen worden, dass der Netzausbau auch auf der Verteilnetzebene kostengünstiger ist als das Abregeln der Einspeisungen. Innovative Lösungen im Netzausbau sind möglich und tragen zur Kostendämpfung bei. Im heutigen Regulierungssystem werden die Kosten für das Redispatch auf die Netzentgelte umgelegt. Somit ergeben sich in Summe geringere Netzentgelte als ohne Netzausbau. Was fehlt ist ein Regulierungssystem, das diese dringend notwendigen Investitionen angemessen den Investoren im Verteilnetzbereich vergütet. Vorschläge hierzu liegen auf dem Tisch.“

Die Investitionsbedingungen seien für die Übertragungsnetze (380/220 kV) gut. Die Übertragung dieser Regeln auch auf die Hochspannungsnetze (110 kV) wird derzeit diskutiert. Dr. Christoph Niehörster, BET-Bereichsleiter Netzberatung: „Diese Regeln sind aufgrund der großen Anzahl der erforderlichen Maßnahmen nicht auf die Mittel- und Niederspannungsnetze anwendbar. Deshalb müssen hier die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass insbesondere für innovative Maßnahmen der Zeitverzug bei der Anerkennung in der Erlösobergrenze beseitigt wird.

Bedarfsgerechtere Förderung der Erneuerbaren Energien

Die Energiewende und der Ausbau der Erneuerbaren Energien bieten neben der Umweltentlastung den wesentlichen Vorteil, die Abhängigkeit von den Primärenergiemärkten und den damit verbundenen Unsicherheiten zu reduzieren. Dennoch sollte das Fördersystem für die Erneuerbaren volkswirtschaftlich effizienter gestaltet werden.

Dr. Nicolai Hermann von enervis erläutert: „Im neuen Marktdesign werden die Erneuerbaren besser mit den Konventionellen koordiniert. Die Erneuerbare Erzeugung aus neuen Anlagen wird grundsätzlich wie konventioneller Strom über den Spotmarkt (Strombörse, OTC-Handel) vermarktet. Gleichzeitig wird das Kostensenkungspotenzial eines Wettbewerbs zwischen den Erzeugern erschlossen. Falls zusätzlich zu den Erlösen aus der Vermarktung eine Förderung erforderlich ist, erfolgt sie durch eine mengengesteuerte Auktion der gewünschten Erzeugungsleistung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Förderung technologisch und räumlich zu differenzieren, was insbesondere eine Koordination mit dem Um- und Ausbau der Netze erlaubt.“

Vorteil: Der Förderbedarf sinkt mit steigenden Markterlösen sowie mit sinkenden Anlagenkosten der EE sukzessive ab. Dieser Effekt würde von den Teilnehmern im Wettbewerb um Vergütungsrechte antizipiert, so dass die Förderkosten ebenfalls sinken. Sobald eine erlösbasierte Marktintegration der EE erreicht ist, kann die Förderung vollständig entfallen.

Zukunftsfähiges integriertes Energiemarktdesign

In den im Gutachten vorgeschlagenen Weiterentwicklungen sieht Dr. Horst Wolter klare Stärken. „Im vorgeschlagenen Marktdesign werden bewährte und zukünftig tragfähige Komponenten beibehalten. Für jede Kernaufgabe ist genau ein Marktdesignelement vorgesehen, so dass sich die Anreizwirkungen ergänzen, aber nicht überschneiden. Deshalb kann jedes Element an sich wandelnde Erfordernisse oder an neue Erkenntnisse angepasst werden, ohne andere Elemente des Marktdesigns zwangsläufig überarbeiten zu müssen“.

BET-Gründer und Geschäftsführer Dr. Ing. Michael Ritzau betont dabei, dass das vorliegende Modell ein wichtiger Beitrag in der Diskussion um den Systemumbau ist: „Es konnte gezeigt werden, dass ein wettbewerblich organisiertes Kapazitätsmarktmodell möglich ist und etliche Vorteile hat. Die Bereitstellung gesicherter Leistung bekommt einen Preis und für Erzeuger ist eine bessere Kalkulierbarkeit der Investitionen gegeben. Welche Rolle in Zukunft zentralen Instanzen zukommen muss, ist in der weiteren Branchendiskussion zu behandeln. Das Modell ist so offen gestaltet, dass ohne Systembrüche weitere Elemente hinzugefügt werden können, um beispielsweise langfristige Preissignale zu generieren.“

Die Vorschläge sind Teil eines Gutachtens, das der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) zum Energiemarktdesign der Zukunft in Auftrag gegeben hat. Dieses Gutachten wurde am 01.03.2013 im Rahmen des Energiepolitischen Dialogs des VKU vorgestellt.

Für die Erstellung des Gutachtens haben sich die beiden renommierten Beratungshäuser BET und enervis zusammengeschlossen, um mit vereinter und breiter Kompetenzbasis im Energiemarkt sowie der langjährigen Netz- und Regulierungserfahrung der BET einen Vorschlag für ein belastbares und zukunftsfähiges Marktdesign zu erarbeiten.

PM: BET

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