Einspeisemanagement, Strompreis und Netzausbau in Schleswig-Holstein

Ein Windrad an der Küste produziert 150-250 Prozent des Stroms, den eine vergleichbare Anlage im Binnenland erzeugt
Ein Windrad an der Küste produziert 150-250 Prozent des Stroms, den eine vergleichbare Anlage im Binnenland erzeugt / Foto: HB

(WK-intern) – Schleswig-Holsteins Ökostrom ist auch mit den Kosten für abgeschaltete Windkraftanlagen deutlich günstiger als im Bundesdurchschnitt.

  • Schleswig-Holsteins erneuerbare Energien deutlich günstiger als im Bundesschnitt
  • Netzausbau verlangsamt Anstieg von Entschädigungszahlungen

Das ergibt sich aus Berechnungen des Energiewendeministeriums auf Basis von Daten des Statistikamts Nord und der schleswig-holsteinischen Netzbetreiber.

Demnach kostet im Norden Strom aus erneuerbaren Energien mit durchschnittlich 14,9 Cent pro Kilowattstunde 3,5 Cent weniger als im Bundesdurchschnitt.

Für eine umfassende Betrachtung wurden dabei die Entschädigungskosten für die Abschaltung von Windkraftanlagen aufgrund von Netzengpässen einbezogen, die die Netzbetreiber erstmals veröffentlichen.

„Vor allem der Wind an Land trägt dazu bei, die Kosten für die erneuerbaren Energien zu senken – und zwar auch dann, wenn Strom wegen fehlender Netzkapazitäten zeitweise abgeregelt werden muss“, sagte Energiewendeminister Robert Habeck. „Ein Windrad an der Küste produziert 150-250 Prozent des Stroms, den eine vergleichbare Anlage im Binnenland erzeugt. Selbst wenn also 25 Prozent der Zeit die Netze nicht ausreichen würden, ist ein Windrad an der Küste immer noch kostengünstiger als eines im Binnenland“, sagte Habeck.

Eingerechnet in den Kostenvorteil sind Entschädigungen für Strom, der aufgrund von Netzengpässen nicht eingespeist werden konnte. Dies waren 2011 nach Angaben der schleswig-holsteinischen Netzbetreiber Schleswig-Holstein Netz AG, E.ON Netz GmbH und Tennet TSO 308 Gigawattstunden, für die 29 Millionen Euro an Entschädigungen gezahlt wurden. Diese Kosten entsprechen 2,4 Prozent der nach Schleswig-Holstein geflossenen EEG-Vergütungen in 2011. Rund 97 Prozent der Abschaltungen 2011 in Schleswig-Holstein betrafen Windenergieanlagen, der Rest Photovoltaik- und Biogasanlagen. Die Daten werden durch eine vom Energiewendeministerium beauftragte Studie zum Einspeisemanagement in Schleswig-Holstein gestützt.

Erste Auswertungen zur Abregelung und den Entschädigungszahlungen – dem sogenannten Einspeisemanagement – 2012 werden im ersten Quartal 2013 vorgelegt. „Aber trotz weiteren Zubaus an erneuerbaren Energien werden Einspeiseeinschränkungen nach Einschätzung der Netzbetreiber für 2012 voraussichtlich unterproportional ansteigen. Der Grund dafür sind Erfolge bei Netzoptimierungs- und -ausbaumaßnahmen auf allen Netzebenen“, erläutert Matthias Boxberger, technischer Vorstand der Schleswig-Holstein Netz AG. So lagen 2012 beispielsweise Abregelung und Entschädigung nach vorläufiger Bestandsaufnahme durch die Netzbetreiber für das 110-Kilovolt-Netz bei normalen Windaufkommen in etwa auf dem Niveau von 2011. Aus Sicht der E.ON Netz GmbH liegt dies insbesondere am Ausbau der Leitung Breklum-Flensburg, der Ausweitung vom Freileitungsmonitoring und der Einführung vom Auslastungsmonitoring.

Habeck: „Das alles zeigt: Die Abregelung von erneuerbare-Energien-Anlagen muss minimiert werden. Aber die Kosten dafür sind kein Argument gegen die Energiewende. Die Antwort ist Netzausbau, und bisherige Maßnahmen zeigen Wirkung. Das ist ein guter Ansporn für alle.“

Hintergrund:
Betreiber von Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen erhalten für Strom, den sie wegen Netzengpässen nicht einspeisen können, Entschädigungen. Diese Zahlungen gehen in die Netzentgelte der Netzbetreiber ein und werden auf die Kunden in den jeweiligen Netzgebieten verteilt.

Den Entschädigungszahlungen für Abregelungen in Schleswig-Holstein 2011 stehen nach Schleswig-Holstein geflossene Vergütungen für Erneuerbaren Strom von 1,2 Mrd. Euro gegenüber mit entsprechend positiven Impulsen für die Erneuerbare-Energien-Branche. Davon profitieren Anlagenhersteller, -betreiber, -installateure, Beschäftigte und Kommunen. 2011 waren rund 14.000 Beschäftigte im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig.

Weitere Informationen:

http://www.schleswig-holstein.de/UmweltLandwirtschaft/DE/Energie/Aktuelles/ein_node.html

  • Gemeinsames Hintergrundpapier von MELUR und Netzbetreibern:   Fakten zur Abregelung und Entschädigung von Strom aus Erneuerbaren Energien  in Schleswig-Holstein
  • Hintergrundpapier des MELUR:  Fragen und Antworten zu Abregelung und Entschädigung von Strom aus Erneuerbaren Energien in Schleswig-Holstein
  • Studie ECOFYS im Auftrag des MELUR

Einspeisemanagement in Schleswig-Holstein

PM: Nicola Kabel
Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
www.mlur.schleswig-holstein.de

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