Älteste Ressourcenuniversität der Welt: TU Bergakademie Freiberg vor ihrem 250. Jubiläum

Versuchsstand zur Untersuchung von Schneidprozessen an Gesteinen / Foto: TU Bergakademie Freiberg/Detlev Müller
Versuchsstand zur Untersuchung von Schneidprozessen an Gesteinen / Foto: TU Bergakademie Freiberg/Detlev Müller

(WK-intern) – Nie war die Ressourcenuniversität so wertvoll wie heute

  • Globale Nachhaltigkeitsinitiative soll Rohstoffwende einläuten
  • Schwesteruniversität in St. Petersburg unterstützt deutsch-russische Zusammenarbeit in Freiberg mit 1.000.000 Euro
  • TU Bergakademie spielt wichtige Rolle im deutsch-russischen Rohstoffdialog
  • Jubiläumsprogramm gestartet

Die TU Bergakademie Freiberg befindet sich im Anlauf zu ihrem 250. Gründungsjubiläum vor einer mehr als zweijährigen Festperiode.

Die älteste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt gab heute den Startschuss für diese ganz auf das Jubiläum ausgerichtete Zeit, in der internationale wissenschaftliche Konferenzen, besondere Vorträge und Diskurse, ein großes Ehemaligentreffen, Festkonzerte und Tage der offenen Tür stattfinden werden.

Thematische Meilensteine sind z.B. im Jahr 2013 das Thema „300 Jahre Nachhaltigkeit“, im Jahr 2015 eine Festwoche im Sommer und der Festakt zum 250. Tag der Gründung durch Reskript des Prinzregenten Xaver an das Kammer- und Bergkollegium am 21. November 1765, schließlich die Schlussveranstaltung im Mai 2016, in der am Ende der Festperiode an den 250. Jahrestag der Aufnahme des Vorlesungsbetriebs im Jahr 1766 erinnert wird.

„Wir wollen unser Jubiläum intensiv nutzen, um national und international den Blick auf das Besondere unserer Universität zu lenken“, sagte Prof. Bernd Meyer, Rektor der TU Freiberg.
„Unsere Hochschule ist seit ihrer Gründung 1765 die Ressourcenhochschule in Deutschland. Heute sind wir eine Spitzenuniversität in der Forschung und, gemessen an der Zahl der Professoren, die drittmittelstärkste Hochschule in den ostdeutschen Bundesländern.“ Meyer verwies auf das klar strukturierte Profil. Mit den Schwerpunkten GEO-MATERIAL-ENERGIEUMWELT, dem „Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie“ und einem eigenen Forschungs- und Lehrbergwerk verfüge die Bergakademie über eine „hohe wissenschaftliche Schlagkraft“ als Universität für die nachhaltige Stoff- und Energiewirtschaft. Von der Erkundung neuer Lagerstätten und der Entwicklung alternativer Energietechnik über das Recycling bis zur Erforschung neuer Werkstoffe bilde man in Freiberg die gesamte Rohstoffwertschöpfungskette ab.

Sachsen Wissenschaftsministerin Prof. Sabine von Schorlemer lobte: „Die TU Bergakademie Freiberg ist ein Diamant im Schatzkästchen unserer sächsischen Wissenschaft. Sie ist eine Universität mit hoher internationaler Ausstrahlung und Anziehungskraft auf Wissenschaftler und Studenten. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte treffen auf die wichtigsten globalen Fragestellungen der nächsten Jahrzehnte – die Energie, die Rohstoffsicherung und der Umgang mit Ressourcen.“ Dabei stehe, so Frau von Schorlemer, der in Freiberg formulierte Nachhaltigkeitsgedanke zu Recht im Mittelpunkt. Die TU Freiberg sei zwar mit knapp 90 Professoren, etwa 1.500 Hochschulbeschäftigten und mehr als 5.700 Studenten relativ klein, biete aber „als Campusuniversität der kurzen Wege daraus einen echten Vorteil.“

Nicht ohne Grund beginnt der Anlauf zum 250. Jubiläum am Anfang des Jahres, in dem sich die Veröffentlichung der „Sylvicultura Oeconomica“ des kurfürstlich-sächsischen Oberberghauptmanns Hans Carl von Carlowitz zum 300. Mal jährt. „Der darin niedergeschriebene und begründete Gedanke der Nachhaltigkeit schickt sich an, einer der prägenden Begriffe unseres Jahrhunderts zu werden“, erklärte Rektor Meyer und verwies auf die überraschend große Resonanz, die das „Welt-Forum der Ressourcenuniversitäten für Nachhaltigkeit“ im Juni in Freiberg hatte. Inzwischen sei der Zusammenschluss dieser Universitäten in Arbeitsstrukturen verfestigt worden. Noch 2013 finde in St. Petersburg das zweite große Treffen statt, nach weiteren internationalen Konferenzen soll Freiberg 2015 erneut als Ausrichter folgen.

Nachhaltigkeit erwächst aber auch aus der Tatsache, dass die Bergakademie seit 2006 mit der „Krüger-Stiftung“ eine Institution an ihrer Seite weiß, die Jahr für Jahr die wissenschaftliche Arbeit mit nennenswerten Beträgen unterstützt. In Deutschland finden sich kaum weitere Hochschulen, die von einem vergleichbar hohen Stiftungsvermögen profitieren können.

Der wissenschaftliche Austausch zwischen den Ressourcen-Universitäten in St. Petersburg und Freiberg bietet nach Ansicht von Dr. Karsten Heuchert, Vorstandsvorsitzender der Leipziger Verbundnetz Gas AG und Präsidiumsmitglied des Deutsch-Russischen Rohstoff-Forums, „viele Anknüpfungspunkte, um die Rohstoffpartnerschaft mit Leben zu erfüllen.“ Beide Hochschulen seien Schlüssel-Universitäten im strategisch wichtigen deutsch-russischen Rohstoff-Dialog und auch für VNG geschätzte Wissenschaftspartner. Das Deutsch-Russische Rohstoff-Forum als Plattform leiste dabei einen bedeutenden Beitrag zum Ausbau der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen. Es bringe Vertreter von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen, wie etwa auf der im April stattfindenden 6. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz im russischen Chanty-Mansijsk. „Russland ist als Rohstofflieferant für VNG ein unverzichtbarer Partner. In diesem Jahr werden wir noch auf 40 Jahre zuverlässige Lieferbeziehungen mit Russland zurückblicken können, und auch auf wissenschaftlich-technischem Gebiet arbeiten wir seit langem erfolgreich zusammen“, so Heuchert weiter. „VNG unterstützt zudem seit langem die Ausbildung von Fach- und Führungskräften im Rohstoffbereich. In den letzten Jahren haben wir mit Praktikanten und Absolventen der TU Bergakademie Freiberg sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir freuen uns auf eine weitere enge und erfolgreiche Zusammenarbeit.“

Die besondere Russland-Beziehung der Bergakademie trägt inzwischen auch ganz konkrete Früchte. Nach mehrjährigen Bemühungen von Rektor Meyer in Russland kam vor Jahresende die Nachricht, dass die Bergbauuniversität St. Petersburg eine hohe Summe nach Freiberg überwiesen hat: Knapp eine Million Euro (949.500 Euro) stehen nun der Bergakademie zur Verfügung, um in der Fischerstraße am historischen Ort, an dem Lomonossow im Laboratorium von Bergrat Henckel studierte, eine deutsch-russische Begegnungsstätte zu errichten. Dafür wird mit großzügiger Unterstützung des Stifterehepaares Engel ein Gebäudekomplex mit Wohnungen für russische Wissenschaftler ausgestattet und mit einem kleinen Museum für den russischen Universalgelehrten Michail Wassiljewitsch Lomonossow, der in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Freiberg studierte. „Das dürfte“, so Wissenschaftsministerin Prof. von Schorlemer, „einmalig sein in Deutschland.“ Die Familie Engel wird das von ihr sanierte Gebäude der TU Bergakademie Freiberg stiften.

Zum Hintergrund: An der TU Bergakademie Freiberg, der deutschen Ressourcenuniversität, wird in den vier Themengebieten Geo, Material, Energie und Umwelt für eine nachhaltige und effiziente Stoff- und Energiewirtschaft gelehrt und geforscht. Die Forschungsaktivitäten und internationalen Forschungskooperationen stehen dabei stets unter der Maxime der Nachhaltigkeit, jenem Prinzip, das 1713 vom damaligen sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in Freiberg begründet wurde. Gemeinsam mit den international führenden Ressourcenuniversitäten hat die TU Bergakademie Freiberg im Juni 2012 das World Forum gegründet – die hier vereinten Universitäten legen die wissenschaftlichen Grundlagen für das Gelingen der Rohstoffwende und bilden die nötigen Fachkräfte aus. Die TU Bergakademie Freiberg hat aktuell knapp 90 Professoren. Knapp 6.000 Studenten sind eingeschrieben, davon sind 10 Prozent aus dem Ausland. Die Liste der häufigsten Herkunftsländer wird von China, Vietnam und den GUS-Staaten angeführt.

PM: TU Bergakademie Freiberg

Möchten Sie Ihr Unternehmen den Besuchern und Interessenten im Windkraft-Journal noch näher bringen? Dann tragen Sie Ihre Firma gerne hier ein.

Weitere Beiträge:



Diesen Artikel weiterempfehlen:






Schreibe einen Kommentar

Top