NRW bekämpft Energiearmut

(WK-news) – Modellvorhaben “NRW bekämpft Energiearmut” Beratung geht in Bochum an den Start

Steigende Lebenshaltungskosten treffen einkommensbenachteiligte Haushalte stärker als andere.

Folge: Energiekosten belasten insbesondere Familien und Rentner mit kleinen Einkommen.

Im Rahmen des Modellprojekts “NRW bekämpft Energiearmut” gehen die Verbraucherzentrale NRW und regionale Energieversorger wie die Stadtwerke Bochum wachsende Zahlungsprobleme bei den Energiekosten in acht Städten im Schulterschluss an.

Folge: Energiekosten belasten insbesondere Familien und Rentner mit kleinen Einkommen. “Es ist alarmierend, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Energierechnung nicht zahlen können. Stromsperren sind unsozial und stellen eine existenzielle Bedrohung dar, deswegen haben wir der Energiearmut den Kampf angesagt. Wir könnten gut 30 Prozent unserer Energie sowohl im Strom- als auch im Wärmebereich einsparen, ohne unseren Lebensstandard zu gefährden. Jede gesparte Kilowattstunde trägt nicht nur zum Gelingen der Energiewende bei, sondern ist auch bares Geld für Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir lassen Bürgerinnen und Bürger mit Energieschulden nicht allein, sondern helfen”, sagt Peter Knitsch, Abteilungsleiter im Verbraucherschutzministerium heute zum Start der Rechts- und Budgetberatung bei Energiearmut bei der Verbraucherzentrale in Bochum. Im Rahmen des Modellprojekts “NRW bekämpft Energiearmut” gehen die Verbraucherzentrale NRW und regionale Energieversorger wie die Stadtwerke Bochum wachsende Zahlungsprobleme bei den Energiekosten in acht Städten im Schulterschluss an. In Bochum wird das Angebot flankiert durch die “Aufsuchende Energiesparberatung” der örtlichen Caritas.

Die Verbraucherzentrale NRW berät Ratsuchende mit Energieschulden zur Existenzsicherung, hilft beim Kassensturz und der Finanzplanung. Bei Bedarf werden konkrete Beratungen zum Sparen von Energie und zur Optimierung des persönlichen Budgets vermittelt, um so langfristig die Kosten zu senken. Geringe Renten, niedrige Einkommen sowie Sozialleistungen, bei denen Anpassungen an die steigenden Energiekosten ausbleiben – das sind wesentliche Ursachen für wachsende Zahlungsschwierigkeiten. Nicht zuletzt verschärfen steigende staatliche Abgaben und die zunehmende Befreiung von Industriebetrieben bei den Energiekosten zu Lasten von Verbrauchern die Probleme.

Das Projekt “NRW bekämpft Energiearmut” läuft bis Ende 2015. Das Verbraucherschutzministerium stellt in dieser Zeit für die wirtschaftliche und rechtliche Beratung durch die Verbraucherzentrale NRW Finanzmittel in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die teilnehmenden Stadtwerke in den acht Modellkommunen (Aachen, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Köln, Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal) beteiligen sich anteilig an den Kosten der jeweiligen Beratungsangebote.

“Zunehmende Zahlungsprobleme bei der Energieversorgung erfordern nachhaltige Lösungsansätze – im Interesse der betroffenen Kunden, aber auch der Energieversorger und Kommunen”, sagt NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller. Er sei zuversichtlich, mit dem neuen Ansatz einer Win-win-Situation für alle Beteiligten einen Weg zu bahnen. “Energieschulden von Haushalten werden durch gezielte zeitnahe Beratung und Betreuung dauerhaft vermieden. Bei ‚Runden Tischen’ vor Ort werden alle Akteure in Problemlösungen eingebunden, auch die örtlichen Schuldnerberatungsstellen”, so Klaus Müller.

In Kooperation mit den jeweiligen Stadtwerken schnürt die Fachberaterin der Verbraucherzentrale NRW ein nachhaltiges Lösungspaket, das den Verbraucherinnen und Verbrauchern langfristig hilft. “Seit über 20 Jahren bieten wir unseren Kunden eine kostenlose Energieberatung mit umfangreichen Förderprogrammen an, und wir unterstützen seit 2010 die aufsuchende Energieberatung der Caritas für einkommensarme Haushalte”, so Bernd Wilmert, Geschäftsführer Stadtwerke Bochum: “Darüber hinaus haben wir bereits seit 2005 mit den Jobcentern eine Vereinbarung, um frühzeitig und unbürokratisch die Zahlung der Energiekosten zu regeln. Möglicherweise auch aus diesen Gründen verharrt die Zahl der Sperrungen in der Stadt Bochum seit vielen Jahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Um unser Bündel an Maßnahmen noch zukunftsfähiger zu gestalten, unterstützen wir nun auch die neue Budget- und Rechtsberatung bei Energiearmut durch die Verbraucherzentrale in Bochum.”

Wie in vier anderen Städten (Aachen, Dortmund, Köln, Krefeld) beteiligt sich auch in Bochum die Caritas mit ihrer “Aufsuchenden Energiesparberatung” an dem Projekt. Langzeitarbeitslose werden hierfür zu Stromsparhelfern geschult, die beim Hausbesuch einen individuellen Stromspar-Check vornehmen. “Unsere Stromsparhelfer kommen selbst aus einkommensbenachteiligten Haushalten und können daher die Probleme der Betroffenen leichter nachvollziehen. Die Sparvorschläge werden gut angenommen, wenn sie auf gleicher Augenhöhe vorgebracht werden”, sagt Ulrich Kemner, Geschäftsführer des Caritasverbandes für Bochum und Wattenscheid. Er sei überzeugt, dass der Stromspar-Check einen wichtigen Beitrag leiste, um den Energieverbrauch dauerhaft zu reduzieren und damit auch das Auflaufen von Energieschulden zu vermeiden. Obendrein würden Langzeitarbeitslose im Rahmen dieser Aktivitäten weiter qualifiziert und Einsparungen beim Kohlendioxid-Ausstoß erzielt.

“NRW bekämpft Energiearmut” baut auf Erfahrungen eines gemeinsamen Pilotprojektes der Verbraucherzentrale NRW mit der WSW Energie und Wasser AG auf. Dort wurden säumigen Wuppertaler Energiekunden seit September 2010 durch rechtliche und wirtschaftliche Beratung sowie professionelle Begleitung Wege aus der Energiearmut gewiesen. Gut 70 Prozent der Betroffenen konnte in dem Pilotprojekt langfristig geholfen werden. “Dies zeigt die hohe Motivation und Kooperationsbereitschaft der meisten Ratsuchenden, die Probleme mit ihrer Energierechnung in den Griff bekommen zu wollen. Zugleich ist dies natürlich auch ein Indiz, dass es in der Beratung gelingt, die Eigeninitiative der Betroffenen zu stärken und mit Hilfe zur Selbsthilfe erfolgreich zu begleiten”, erläutert der Verbraucherzentralenvorstand.

Die Kooperationspartner zeigten sich zuversichtlich, mit dem Modellvorhaben gemeinsam ein Zeichen gegen Energiearmut zu setzen. Dies bedeute nicht nur konkrete Hilfe für die Betroffenen, sondern trage auch zur sozialverträglichen Gestaltung der Energiewende bei.

In offenen Sprechstunden bietet Natascha Korte-Raberg, neue Fachberaterin im Projekt “NRW bekämpft Energiearmut” bei der Verbraucherzentrale in Bochum, schnellen Zugang zu einer qualifizierten Existenzsicherungs- und Budgetberatung. Die gezielte Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Energieberatung sowie der Schuldner- und Insolvenzberatung der Verbraucherzentrale in Bochum trägt dazu bei, die hier unter einem Dach gebündelte Kompetenz zu nutzen und individuelle Probleme im “Paket” zu lösen. Auch die Fallmanager des örtlichen Jobcenters, die Mitarbeiter der Arbeitsagentur und des Sozialamtes sowie weitere örtliche Kooperationspartner insbesondere der Schuldner- und Insolvenzberatung sollen eng in das Modell eingebunden werden.

Offene Sprechstunde der Beratung bei Energiearmut:
Telefonisch dienstags von 14.30 bis 16.30 Uhr unter der Rufnummer 0234/91 38 63 33 und persönlich donnerstags von 9.30 bis 11.30 Uhr in der Beratungsstelle, Große Beckstraße 15, 44787 Bochum. E-Mail: energiearmut.bochum@vz-nrw.de

Terminvereinbarungen und Informationen zum Stromspar-Check des Caritasverbandes für Bochum und Wattenscheid
von montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr unter Tel.: 0234/30 705 71 oder per Mail: energie-sparservice@caritas-bochum.de

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