Klimakonferenzen wie in Doha führen in eine gefährliche Sackgasse

Statement zur aktuell in Berlin stattfindenden Dii Konferenz von Dr. Thiemo Gropp, Vorstand der DESERTEC Foundation
Statement zur zur Klimakonferenz in Doha (Katar)
von Dr. Thiemo Gropp, Vorstand der DESERTEC

(WK-intern) – DESERTEC Foundation Vorstand Dr. Gropp: “Klimakonferenzen wie in Doha führen uns in eine gefährliche Sackgasse”

Koalition der Willigen statt Warten auf den Konsens

Statement von Dr. Thiemo Gropp, Vorstand der DESERTEC Foundation, zur Klimakonferenz in Doha (Katar)

Pünktlich zur 18. UN-Klimakonferenz bestiegen wieder rund 20.000 Menschen aus über 190 Ländern Flugzeuge, wohnen in klimatisierten Hotels und produzieren dabei Unmengen an CO2, um das Klima zu schützen. Das Ergebnis der seit fast zwei Jahrzehnten etablierten Jahrestreffen: Die Welt emittiert heute mehr CO2 als je zuvor.

Klimaschutz ist ein globales Thema, das nicht ein Land alleine lösen kann. Doch die Prämisse der UN-Klimakonferenzen, dass der Beginn umfassender Klimaschutzmaßnahmen von einem weltweiten Konsens aller Staaten abhängig sein muss, führt uns in eine gefährliche Sackgasse. Denn wie sich zeigt, wird es immer einzelne Staaten geben, die den Konsens nicht mittragen wollen, weil sie sich dadurch wirtschaftliche Vorteile versprechen. Was wir brauchen, ist eine Koalition der Willigen, die sich für die Finanzierung von Lösungen einsetzen, von denen alle profitieren.

Was wir dringend brauchen ist ein Klimarettungsfonds
Als es um die Rettung der Banken ging, setzte die Politik nicht auf jahrzehntelange Verhandlungen über die Lastenverteilung, sondern auf zügige Gegenmaßnahmen in Form milliardenschwerer Rettungsfonds. Angesichts der existenziellen Frage des Klimaschutzes ist auch hier eine Gegenmaßnahme gefragt, die Ergebnisse liefert, bevor es zu spät ist.

Ein multinationaler Klimarettungsfonds, der die finanzielle Lücke zwischen erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen schließt, könnte eine solche Gegenmaßnahme sein und würde auch die richtigen Anreize setzen: Teilnehmende Staaten würden von den Geldern dieses Fördertopfes besonders stark profitieren, wenn sie möglichst engagiert Klimaschutz betreiben, anstatt ihn zu vermeiden.

Die gute Nachricht: Ein ‚Green Climate Fund‘ ist beschlossene Sache, ab 2014 soll er startklar sein und ab 2020 sollen jährlich 100 Milliarden Euro für Klimaschutzmaßnahmen fließen. Die schlechte Nachricht: Bisher ist nicht geklärt, woher das Geld kommen soll, und wenn bis 2020 nichts Entscheidendes geschieht, ist es längst zu spät für einen rechtzeitigen Klimaschutz.

Jeder Euro würde sich gleich mehrfach auszahlen
Wenn die Regierungen der Welt ihre Verantwortung für zukünftige Generationen ernsthaft wahrnehmen wollen, müssen sie ihre volle Energie in die sofortige Finanzierung des Green Climate Fund stecken. Jeder Euro würde sich gleich mehrfach auszahlen, sowohl im Sinne des Klimaschutzes, als auch im Sinne der Entwicklungshilfe und Sicherheitspolitik:

Der Fonds könnte die nötige finanzielle Unterstützung und langfristige Sicherheit bieten, um Investitionen in erneuerbare Energieprojekte zu lenken und damit neue Industrien in Entwicklungs- und Schwellenländern hervorbringen. Damit könnten sie ihren eigenen stark wachsenden Strombedarf klimaneutral decken und schaffen gleichzeitig Perspektiven und Arbeitsplätze für ihre Bevölkerung und letztendlich Stabilität. Ein solches Investment würde die Weltwirtschaft sowohl kurzfristig stimulieren als auch die Grundlage für ein langfristiges Wachstum bieten und  Industrienationen könnten von einer gesteigerte Nachfrage nach ihren grünen Technologien und Dienstleistungen profitieren. Aus deutscher Sicht könnte der Fonds auch eine Brücke zwischen Umweltminister Altmaier und Wirtschaftsminister Rösler schlagen, denn er schafft die Basis für Projekte, die auch in deutschen Unternehmen Arbeitsplätze schaffen.

Weitere Informationen:
Das Ziel der DESERTEC Foundation ist die weltweite Umsetzung des DESERTEC-Konzepts, einer Lösung für Klimaschutz, Energiesicherheit und Entwicklung in der die energiereichsten Standorte der Welt genutzt werden, um nachhaltigen Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren.  Die sonnenreichen Wüsten dieser Welt spielen in diesem Lösungsvorschlag eine zentrale Rolle.

In Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika hat die gemeinnützige Stiftung bereits jahrelange Erfahrung gesammelt in der Verbreitung von Wissen in Gesellschaft und Politik über die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteile eines Übergangs zu erneuerbaren Energien. Durch Projekte in Marokko, Ägypten und Tunesien sowie durch die Gründung des DESERTEC University Networks unterstützt die DESERTEC Foundation Wissenstransfer und Zusammenarbeit im Bildungsbereich. Die Stiftung fördert den Austausch und die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, wie beispielsweise durch die Gründung der Industrieinitiative Dii GmbH. Inzwischen ist die DESERTEC Foundation mit rund 30 Mitarbeitern sowie regionalen Netzwerk-Koordinatoren und einer großen Gemeinschaft von Unterstützern rund um den Globus aktiv.

PM: DESERTEC Foundation
press@desertec.org

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