Unternehmen in Österreich profitieren vom Emissionshandel und blockieren Reformen

Mass und Ziel_screen / Pressebild: Global 2000
Mass und Ziel_screen / Pressebild: Global 2000

(WK-news) – Wien Energie profitiert von Gratiszertifikaten am meisten, Verbund klimaschädlichster E-Wirtschaftskonzern Österreichs

Wien – Zum heutigen Start der Internationalen Klimaverhandlungen in Doha präsentiert GLOBAL 2000 die Hauptprofiteure unter den österreichischen Unternehmen in einem der wichtigsten Klimaschutzinstrumente der EU: dem Emissionshandel (ETS), in dem die Emissionen von Industrie und E-Wirtschaft erfasst sind. Während sich vor allem WirtschaftsvertreterInnen medienwirksam gegen höhere Klimaziele stellen, zeigt eine Auswertung von offiziellen Daten des Umweltbundesamts durch GLOBAL 2000, dass ein Großteil der Unternehmen in Österreich sogar vom Emissionshandel profitiert: Von 95 Unternehmen im ETS halten 77 Überschüsse aus der Gratiszuteilung von CO2-Zertifikaten, 4,6 Mio. CO2-Zertifikate wurden bis heute zugeteilt, die nicht benötigt werden.

Der Preis für Emissionszertifikate ist zuletzt europaweit völlig eingebrochen und beträgt nur noch wenige Euro. “Während immer angegeben wird, dass die Klimaauflagen zu hart sind, profitiert die Mehrheit der Unternehmen in Österreich sogar vom Emissionshandel. Aus Sicht des Klimaschutzes funktioniert dieser aber nicht mehr. Die Politik darf sich nicht länger einschüchtern lassen und muss endlich wirksame Reformen einleiten”, sagt Johannes Wahlmüller, Klimasprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000.

Top-Profiteure des Emissionshandels

Die Studie zeigt auch auf, wer am meisten von der Überallokation von Gratiszuteilungen profitierte. Auf den vorderen Rängen tummeln sich vor allem die Größen der heimischen E-Wirtschaft: Die Wien Energie führt die Hitliste mit 2,3 Millionen Überschusszertifikaten an, gefolgt von der Linz AG und der Energie AG mit 836.000 bzw. 696.000 Überhangzertifikaten. Auf dem Markt wären die Überschüsse der Wien Energie sogar bei den derzeit niedrigen Preisen rund 18 Millionen Euro wert. Gleichzeitig wendete der Staat bis dato etwa 55 Millionen Euro auf, um jenen, die ohnehin vom System profitieren, weitere Zertifikate am Markt zuzukaufen. “Das System ist völlig falsch gelaufen, den Top-Profiteuren des Systems wie der Wien Energie wurden auch noch mit Steuergeld zusätzliche Emissionszertifikate zugekauft. Die Politik hat sich über den Tisch ziehen lassen. Es wäre eine faire Geste, wenn die Unternehmen zumindest diese Zertifikate jetzt zurückgeben würden”, betont Wahlmüller.

Verbund klimaschädlichster Stromkonzern Österreichs

Der Verbund ist den Ergebnissen der Studie zufolge der einzige Stromkonzern Österreichs, der das Kunststück schaffte, trotz großzügiger Verteilung von Gratiszertifikaten nicht mit seinem Emissionsbudget auszukommen. Als Grund führt GLOBAL 2000 an, dass die Kohlekraftwerke in Dürnrohr und Mellach mit Volllast laufen: “Während der Verbund medienwirksam Wasserkraft bewirbt, schaut die Wahrheit ganz anders aus: Für den Konzern spielt Kohle eine größere Rolle den je”, sagt Wahlmüller. Die offiziellen Emissionsdaten des Umweltbundesamts, die von GLOBAL 2000 ausgewertet wurden, sprechen eine klare Sprache: Mit Emissionen von knapp elf Millionen Tonnen CO2 in den Jahren 2008-2011 ist der Verbund zum klimaschädlichsten Stromkonzern in Österreich avanciert. Wahlmüller sagt: “Wir fordern den Verbund auf, einen Ausstiegsplan aus der Nutzung von Kohle vorzulegen. Die Ausstiegspläne in der Türkei reichen nicht weit genug, auch in Österreich muss der Verbund von Kohlekraftwerken Abstand nehmen.”

Voest-Generaldirektor Eder soll sich bei seinen ArbeitnehmerInnen entschuldigen

Kritische Worte findet GLOBAL 2000 gegenüber den Aussagen von Voest-Generaldirektor Wolfgang Eder. In Zeitungsinterviews warnte er vor Klimaschutz und drohte mit Abwanderung. Eder sprach im Jahr 2011 sogar von Kosten in Milliardenhöhe, die auf den Konzern zukämen. Die Analyse von GLOBAL 2000 ergab jedoch, dass dem Konzern bis dato nur geringe Kosten entstanden sind: Etwa 2,5 bis 8 Millionen Euro pro Jahr mussten laut Kalkulationen von GLOBAL 2000 aufgewendet werden, um Zertifikate zuzukaufen. Bei einem Umsatz von etwa 11 Milliarden Euro und einem Konzerngewinn von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr erscheint dies als ein geringer Betrag. “Man hat tausenden ArbeitnehmerInnen Angst um ihren Arbeitsplatz gemacht und jetzt stellt sich heraus, dass nichts dran ist – das ist nicht in Ordnung. Herr Eder sollte sich bei seinen ArbeitnehmerInnen entschuldigen. Klimaschutz ist zu wichtig, um Profitinteressen voranzustellen”, führt Johannes Wahlmüller aus.

Politik muss Reformen einleiten

Der österreichischen Politik empfiehlt GLOBAL 2000, endlich wirksame Reformen einzuleiten: “Das Emissionshandelssystem ist völlig wirkungslos geworden. Die Politik darf sich nicht länger einschüchtern lassen, sondern muss wirksame Reformen einleiten. Wir wollen darüber hinaus, dass die Einnahmen aus dem Emissionshandel für Klimaschutz zweckgewidmet werden. Damit sollen auch Unternehmen unterstützt werden, die wirklich Klimaschutz betreiben wollen. Nur so kann der Weg zu einer CO2-neutralen Wirtschaftsweise geschaffen werden”, betont Wahlmüller abschließend.

PM: GLOBAL 2000

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